Cavani und Co.: Von Maradona emanzipiert

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Die Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit ist in Neapel allgegenwärtig. Gedanken an die goldenen 80er Jahre zaubern den begeisterten Tifosi noch heute ein Funkeln in die Augen.

Mehrere zumeist verblichene Gemälde prangen von alten Häusermauern, das Antlitz des größten Fußball-Sohnes Napolis ist ein ständiger Begleiter.

Meister, Pokalsieger, UEFA-Cup-Sieger

Italienischer Meister und Pokalsieger wurden die Kampanier, als Diego Maradona auf dem Feld Regie führte. Sogar den UEFA-Pokal schenkte ihnen das argentinische Fußball-Genie.

Sein Abschied 1991 aufgrund einer 15-monatigen Dopingsperre war zugleich der Wendepunkt dieser Erfolgsgeschichte. Was folgte, war ein sportlicher und finanzieller Kollaps. 1998 wurde mit dem Abstieg in die Serie B die vermeintliche Talsohle erreicht.

***Bayern-Napoli ab 20:15 Uhr LIVE bei Sat1 und rantv powered by LAOLA1***

Abstieg, Finanzkollaps, Super-GAU

Doch es sollte noch viel schlimmer kommen: Nach dem Wiederaufstieg ging es nicht nur erneut zurück in die Zweitklassigkeit, es häuften sich auch Schulden in unkontrollierbarer Höhe an. Dem Traditions-Klub wurde die Spiel-Lizenz entzogen, 2004 musste Napoli Konkurs anmelden. Der Super-GAU war perfekt.

Sieben Jahre später ist davon nichts mehr viel zu sehen, die „Azzurri“ sind zurück auf der europäischen Fußball-Landkarte und dürfen sich in der Champions League mit den ganz Großen der Szene messen. Unter neuer Klub-Führung hat es eine junge Spielergeneration geschafft, sich von Maradona zu emanzipieren, um zu einem neuen Höhenflug anzusetzen.

"Zurzeit beste italienische Mannschaft"

Am Mittwochabend stehen Edinson Cavani und Co. beim FC Bayern auf dem Prüfstand (ab 20:15 Uhr im Video-Stream und LIVE-Ticker). Mit einem Sieg könnten die Mannen von Trainer Walter Mazzarri einen entscheidenden Schritt in Richtung K.o.-Phase tätigen.

Der Respekt beim deutschen Rekordmeister vor den wiedererstarkten Italienern ist entsprechend groß. „Wir spielen gegen die zurzeit beste italienische Mannschaft. Neapel stellt ein Top-Kollektiv“, konstatierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes schon vor dem Hinspiel (1:1).

Sieger über den AC Milan und Inter

Dieses Kompliment sprach er nicht nur aus psychologischen Gründen aus. Napoli spielt einen attraktiven und technisch versierten Fußball, wobei Mazzarri auf ein 3-4-3-System, das streng genommen ein 3-4-2-1 darstellt, setzt.

Damit lehrte der Tabellen-Sechste der Serie A in dieser Spielzeit unter anderem Meister AC Milan (3:1) das Fürchten. Dessen Erzrivale Inter musste sich dem SSC zuhause gar mit 0:3 geschlagen geben.

Offensive Harmlosigkeit im Hinspiel

Gegen die Bayern taten sich die offensiv ausgerichteten Napoli-Akteure im ersten Kräftemessen jedoch schwer. Im heimischen Stadion San Paolo gelang es dem magischen Trio Marek Hamsik, Ezequiel Lavezzi und Edinson Cavani nur allzu selten, Torgefahr auszustrahlen.

Dass der einzige Erfolg der gastgebenden Italiener einem Eigentor von Bayerns Innenverteidiger Holger Badstuber „geschuldet“ war, steht bezeichnend für die Harmlosigkeit im ersten Aufeinandertreffen der beiden Klubs in der Königsklasse des Vereins-Fußballs.

Unglaubliche Heim-Bilanz der Bayern

In der Allianz Arena wollen sie es besser machen, müssen allerdings ob der geballten  Offensiv-Power des bajuwarischen Aushängeschildes Vorsicht walten lassen. Mario Gomez, Franck Ribery und Co. rufen regelmäßig zu Galavorstellungen auf und sind zuhause eine Macht.

Abgesehen von der 0:1-Auftaktniederlage in der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach präsentierten sich die „Roten“ makellos. In den folgenden acht Heimpartien gab es ausschließlich Siege, das Torverhältnis beläuft sich auf schier unglaubliche 34:0 Treffer.

Von unangebrachter Überheblichkeit ist auf Seiten der Deutschen nichts zu spüren, wie eine Aussage von Sportdirektor Christian Nerlinger untermauert: „Ich halte Neapel für auswärts stärker als zuhause, weil sie Spielertypen haben, die einem mit ihrer Schnelligkeit und individueller Klasse wehtun können. Da müssen wir hochkonzentriert sein.“

Aus dem Schatten Maradonas getreten

Die Vergangenheit lehrt die oft überheblich wirkenden Bayern das Fürchten, denn schon einmal wetzten sie mit dem SSC Napoli die Klingen. Im UEFA-Cup-Halbfinale 1988/89 zog man gegen die von Maradona angeführte Auswahl mit 0:2 und 2:2 den Kürzeren.

Cavani und Co. wollen nun ebenfalls gegen die hoch eingeschätzten Münchner eine Punktlandung setzen, um einmal mehr zu unterstreichen, dass sie längst aus dem Schatten Maradonas getreten sind.

 

Christoph Nister

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