Reals wichtigster Spieler im Star-Ensemble?

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Was tun, wenn zwei Stürmer und ein Mittelfeldspieler der Stammformation verletzt sind?

Für Carlo Ancelotti lag die Antwort vor gut zwei Wochen im Champions-League-Rückspiel gegen Atletico Madrid auf der Hand. Der italienische Trainerfuchs von Real Madrid nahm Abstand von den zahlreichen, vermeintlich, logischen Möglichkeiten.

Der Platz im zentralen Mittelfeld neben Toni Kroos, wo normalerweise Luka Modric gesetzt ist, musste neu besetzt werden. Eine Position, die Asier Illaramendi, Weltmeister Sami Khedira oder auch der 15 Millionen Euro teure Winterneuzugang Lucas Silva ausfüllen können.

„Nur wenige Minuten nach der Verletzung von Modric entschloss ich mich dazu, Sergio Ramos ins Mittelfeld zu stellen“, erläuterte Ancelotti nach dem triumphalen 1:0-Erfolg gegen den Stadtrivalen seinen Schachzug, mit dem er nahezu alle Experten überraschte.

Die Lehren gezogen

Ramos, bis dato als einer der weltbesten Innenverteidiger bekannt, glänzte in seiner neuen Rolle im Mittelfeld. Besonders überraschend: Der 29-Jährige Spanier war nicht der klassische Abräumer vor der Abwehr. Es war weiterhin Kroos vorbehalten, den defensivsten Part im Mittelfeld einzunehmen, Ramos agierte einige Meter weiter vorne, als „Achter“ sozusagen.

„Der Coach stellte sich das so vor und Ramos spielte eine wichtige Rolle. Wir alle haben von seinem Engagement profitiert“, lobte auch Kapitän Iker Casillas das geglückte Experiment.

Auch Privat läuft es rund: das zweite Kind befindet sich im Anflug

Mit Ramos‘ unbändigen Willen und seiner kämpferischen Leistung konnten die „Königlichen“ das Mittelfeld dominieren. Dies gelang in den letzten Stadtderbys nicht, als Paradebeispiel sei die 0:4-Blamage im letzten Liga-Aufeinandertreffen zu nennen.

Bereits gescheitert

Dass sich Ancelotti zu diesem taktischen Clou überhaupt hinreißen hat lassen, war im Vorfeld definitiv nicht abzusehen. Einerseits ist der Trainer-Routinier nicht gerade als experimentierfreudig bekannt. Zudem hat er Ramos bereits einmal im Mittelfeld aufgestellt. Damals setzte es eine bittere 1:2-Niederlage gegen den Erzrivalen aus Barcelona.

Überrascht war der Vize-Kapitän des „weißen Balletts“ nicht über sein ungewohntes Arbeitsgebiet: „Ich wusste schon viele Tage vorher Bescheid. Wir haben lange darüber geredet und nachgedacht. Der Verdienst gebührt Ancelotti, denn er sprach diese Idee an.“

Da es gegen Atletico bereits funktioniert hat, wiederholte man das Experiment zuletzt auch in der Liga gegen Sevilla. Im Duell mit dem heimstärksten Team von La Liga klappte es über weite Passagen, vereinzelt waren allerdings Unsicherheiten erkennbar.

Das charakteristische „Ramos-Lob“

Daher bleibt es durchaus fraglich, ob Ancelotti im Champions-League-Halbfinale gegen seinen Ex-Klub Juventus Turin (Dienstag, 20:45 Uhr, im LAOLA1-LIVE-Ticker) wieder auf Ramos im Mittelfeld baut. Zumal auch Gareth Bale am Wochenende sein Comeback feierte, ein Startelf-Einsatz gegen die „Alte Dame“ scheint möglich.

Im Gegensatz zu anderen Stars, die sich nur schwer mit neuen Positionen abfinden können, hätte der Betroffene jedoch keinerlei Probleme mit einem Verbleib in der offensiveren Rolle. Ganz im Gegenteil.

Nach seiner Umfunktionierung ließ sich Ramos zu einem Loblied auf seinen Trainer hinreißen, dass man in derartiger Form nur selten zu hören bekommt: „Mir gefallen Trainer, die gute Personen sind. Noch mehr gefallen mir aber Trainer, die Persönlichkeit und Eier haben. Ich bin froh, dass Carlo mir vertraut hat.“

Der Leader

Ein Statement, welches Bände spricht. Sergio Ramos ist wahrlich kein Kicker, der einem alle Tage unterkommt. Sein Auftreten auf dem Feld, sein Charisma, sein Kampfgeist, aber auch sein Hang zu schmutzigen Tricks machen ihn zu einem einzigartigen Spieler.

Zwar stehen auf seinem Konto bereits 19 Platzverweise zu Buche, womit er auch den nunmehrigen Co-Trainer Fernando Hierro als Rekordhalter abgelöst hat. Auf der anderen Seite kann der Innenverteidiger auch mit 58 Treffern aufwarten. Mehr als  beispielsweise Andres Iniesta und Luka Modric.

Wenige Sekunden später schlug es ein

Die Wichtigkeit des 124-fachen spanischen Nationalspielers ist unbestritten. Als Paradebeispiel gilt hierbei die historische Champions-Legaue-Saison im vergangen Jahr. Ramos köpfte die „Königlichen“ in der 93. Minute in die Verlängerung des Finales. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Die Huldigung

Trainer Carlo Ancelotti kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr hinaus, wenn man ihn auf seinen Abwehrchef anspricht. Selbst Legenden wie Fabio Cannavaro oder Franco Baresi können nicht mithalten: „Ramos ist der Kompletteste. Er hat von allen ein bisschen.“

Auf dem Weg zu „La Undecima“, dem elften Champions-League-Triumph Reals, hat Sergio Ramos bereits jetzt einen maßgeblichen Teil beigetragen, nicht zuletzt mit einer fabelhaften Leistung als Mittelfeldspieler.

Seine Feldposition gegen Juventus lässt Ancelotti noch offen, sie spielt für den Trainer ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. „Er wird der Mannschaft helfen, egal ob in der Innenverteidigung oder im Mittelfeld.“

 

Julian Saxer

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