Aufmacherbild

"Wir haben es nicht verdient"

„Wir haben es nicht verdient, aufzusteigen.“ Jose Mourinho machte nach dem Ausscheiden seines FC Chelsea im Achtelfinale der Champions League keinen Hehl daraus, dass die „Blues“ nach einem 2:2 zuhause gegen Paris St. Germain zu Recht die Segel streichen mussten.

Lange ruhten sich die Londoner an der Stamford Bridge auf dem 1:1-Remis aus dem Hinspiel aus und das, obwohl John Terry und Co. ab Minute 31 in Überzahl agierten, nachdem PSG-Star Zlatan Ibrahimovic vom niederländischen Referee Björn Kuipers für ein Foul an Oscar mit Rot unter die Dusche geschickt wurde – eine Fehlentscheidung.

Ibrahimovic kritisiert Verhalten der Chelsea-Spieler

Der schwedische Superstar konnte es ebenso wenig fassen, wie die Pariser Fans. Was Ibrahimovic aber am meisten aufregte, war das Verhalten der Mannen in Blau. „Alle Chelsea-Spieler rannten sofort zusammen. Ich habe mich gefühlt, als wären da lauter Babys um mich herum“, beklagte der 33-Jährige die Aufregung und das Fordern einer Karte. „Ich weiß nicht, ob ich mich ärgern oder lachen soll. Als ich die Rote gesehen habe, dachte ich nur: ‚Der Typ weiß nicht, was er tut‘“, regierte beim Stürmer Unverständnis.

Kuipers erwischte gesamt gesehen nicht seinen besten Abend, hatte die Partie nicht immer im Griff. Alleine Diego Costa bettelte mit zahlreichen Mätzchen vergeblich um einen Platzverweis. „Sky“-Experte Gary Neville sprach von einem „hässlichen Spiel“ und sein Kollege Jamie Carragher ortete Erfolg einer von Mourinho angewandten Strategie. Der Portugiese sprach auf der Pressekonferenz vor dem Spiel davon, dass PSG das aggressivste Team sei, gegen das Chelsea in dieser Saison antreten musste.

„Vielleicht hatte der Schiedsrichter das im Kopf“, meinte Carragher und wertete die Rote Karte gegen Ibrahimovic folgendermaßen: „Mourinhos Worte haben gewirkt.“

"Wir haben es verdient, bestraft zu werden"

Trotzt der günstigen Umstände für Chelsea, scheiterten die Hausherren daran, das Duell zu entscheiden und konnten weder nach dem 1:0 durch Gary Cahill (81.), noch nach dem Elfmeter-Geschenk von PSG-Verteidiger Thiago Silva, das Eden Hazard (96.) in der Verlängerung dankend annahm, nachlegen.

„Wir haben es verdient, bestraft zu werden“, sagte ein verärgerter Mourinho. „Wenn ein Team nicht mit dem Druck umgehen kann, ein Spieler mehr zu sein und zuhause zu spielen … Wir sind mit diesem Druck nicht zurechtgekommen“, analysierte der zweifache Champions-League-Sieger.

Vor allem die Entstehung der beiden Gegentreffer brachte Mourinho in Rage. „Wenn ein Team zwei Eckbälle nicht verteidigen kann, dann hat es den Sieg nicht verdient“, so die Meinung des 52-Jährigen. „Die individuelle Leistung war nicht gut genug und wenn du aus zwei Eckbällen zwei Tore bekommst, dann liegt das an mangelnder Konzentration und Verantwortung für die Deckung des Raumes, den du zu kontrollieren hast“, kritisierte er.

PSG im Konzert der ganz Großen angekommen

Sein Gegenüber Laurent Blanc, einst beim FC Barcelona Spieler, als Mourinho im Stab des damaligen Trainers Sir Bobby Robson arbeitete, war naturgemäß deutlich zufriedener.

„Wir wollten zu den großen Jungs dazustoßen und ich denke, das ist uns heute gelungen. Ich glaube, dieses Spiel ist ein Hinweis darauf, wohin sich der Klub in den nächsten Jahren entwickeln wird“, sah Blanc PSG endgültig in der Elite des europäischen Fußballs angekommen.

„Wir sind alle müde, aber überglücklich. Um ganz ehrlich zu sein, ich bin der Meinung, dass wir den Erfolg über beide Spiele hinweg verdient haben. Wir waren aktiver als Chelsea, haben versucht, unseren Fußball zu spielen“, sah es der 49-Jährige und zeigte sich angetan von der kämpferischen Leistung seiner Schützlinge, trotz mehrerer Rückschläge: „Natürlich lief heute fast nichts wie geplant, aber gerade diese Spiele muss man gewinnen.“

„Die Unterzahl war überhaupt kein Thema. Wir haben uns alle auf das Wesentliche konzentriert. Nach dem Platzverweis wollten wir umso mehr den Erfolg und das hat man auch gemerkt.“

Zufriedengeben will sich Blanc mit dem bislang Erreichten freilich nicht, sein Blick richtet sich bereits auf die nächste Runde, für die er erneut eine starke Pariser Mannschaft verspricht: „Wir haben uns Respekt erspielt und darauf können wir aufbauen. Jetzt stehen wir im Viertelfinale und auch dort wird man ein aufopferungsvoll kämpfendes Team sehen.“

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»