Arsenals Stolperer sorgt für harsche Kritik

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Arsenal hat am Champions-League-Mittwoch einen wahren Albtraum durchlebt. Nach der 1:3-Heimniederlage gegen das vermeintliche Glückslos AS Monaco ist der Viertelfinaleinzug in weite Ferne gerückt.

"Erbärmlich. Chaotisch. Naiv", nannte der "Daily Telegraph" die Leistung der Gunners, deren Langzeittrainer Arsene Wenger ungewöhnlich harte Kritik übte: "Unsere Abwehr hat Selbstmord begangen."

Monaco erteilte Arsenal eine Lehrstunde in geduldigem Konterfußball und sorgte dafür, dass die Engländer zum dritten Mal in Folge das Hinspiel im Achtelfinale daheim verloren.

Wenger unter Druck

"Wir waren mental nicht da. Wir waren zu ungeduldig und haben mehr mit unserem Herz denn unserem Hirn gespielt", ärgerte sich Wenger. "Nach Ballverlusten waren wir hinten blank, es war wirklich nicht unser Abend, vor allem was die Defensive anbelangt."

Ausgerechnet eine Niederlage gegen den Klub, bei dem Wenger von 1987 bis 1994 gearbeitet und seinen Durchbruch gefeiert hatte, könnte den Coach auf der Insel ins Wanken bringen. Nicht wenige Experten sind der Meinung, das Rückspiel am 17. März im Stade Louis II könnte Wengers letztes Champions-League-Spiel mit den Gunners sein.

Der "Guardian" meinte: "Es war eine weitere Nacht, die Zweifel an Wengers Fähigkeit weckt, eine Mannschaft mit einer soliden Struktur zusammenzustellen".

Blinder Sturmlauf der "Gunners"

Kritik musste sich auch Kapitän und Abwehrchef Per Mertesacker gefallen lassen, der an den beiden ersten Gegentoren nicht schuldlos war. Beim ersten fälschte er den Schuss von Geoffrey Kondogbia (38.) ins eigene Netz ab, beim zweiten Gegentreffer durch den bulgarischen Oldie Dimitar Berbatov (53.) patzte er im Mittelfeld.

Selbst nach dem späten Anschlusstreffer durch Alex Oxlade-Chamberlain zum 1:2 (91.) verlor Arsenal die Disziplin und überließ den Franzosen noch einmal zu viel Raum. Die Folge war das 1:3 durch Yannick Ferreira-Carrasco (94.), das die Ausgangsposition für das Rückspiel am 17. März wieder massiv verschlechterte.

"Nach dem Treffer von uns zum 1:2 haben die Spieler gedacht: 'Jetzt machen wir auch das 2:2'. Aber sie haben vergessen, weiterhin vorsichtig vorzugehen", konstatierte Wenger.

Auch Fürst Albert II. zufrieden

Bei den gewohnt defensivstarken Monegassen war der Jubel nach dem Coup in der Fremde groß. "Monaco, das war königlich", titelte die "L'Equipe". In dieser Saison hatte die Mannschaft von Leonardo Jardim in allen sechs Gruppenspielen nur vier Treffer erzielt.

Kein Wunder, dass die drei Tore auch für Fürst Albert II. eine Überraschung waren. "Mit diesem Ergebnis hätte ich nie gerechnet, aber es ist verdient", sagte er zufrieden. Wenger hilft jetzt nur noch ein Fußball-Wunder. "Wir haben eine kleine Chance. Und egal wie klein die Chance ist, wir werden versuchen, sie zu ergreifen", beteuerte er.

Leverkusen beweist Reife

Wesentlich besser sieht die Sache für Bayer Leverkusen aus, das beim 1:0-Heimsieg über den Vorjahresfinalisten Atletico Madrid eine starke Vorstellung ablieferte und es in der Hand hat, nach drei Achtelfinal-Pleiten den Königsklassen-Fluch zu beenden.

"Wir haben heute eine gewisse Reife zum Ende gezeigt, einen guten Rhythmus gehabt. Es war eine sehr gute Leistung, wir haben verdient gewonnen", jubelte der einstige Salzburg-Coach Roger Schmidt, der sich in der deutschen Bundesliga zuletzt einige Kritik gefallen lassen musste.

Sein Plan, mutig und forsch aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren, war aufgegangen und wurde durch den Treffer von Hakan Calhanoglu gekrönt (57.).

"Wir waren die klar bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen", sagte der Torschütze. "Das ist ein sehr, sehr gutes Ergebnis. Wir haben ein super Spiel gemacht", meinte der starke Goalie Bernd Leno.

Hoffnung lebt bei Atletico

Was gegen den Favoriten, der ab der 76. Minute in Unterzahl war, fehlte, war schlichtweg der zweite Treffer. "Ein anderer Gegner zu einem anderen Zeitpunkt hätte den Sack zugemacht, noch dazu, wo wir einen Spieler weniger waren und keine Wechsel mehr machen konnten", stellte Atletico-Trainer Diego Simeone fest.

Der Argentinier weiß um die Klasse und die Heimstärke seiner Elf. Die hat in 13 Begegnungen der Primera Division daheim elfmal gewonnen, einmal remis gespielt und bei einer Trefferdifferenz von 34:9 nur einmal verloren.

Dennoch: "Leverkusen hat jetzt den Vorteil", sagte Simeone, der im Rückspiel zudem auf zwei Stammkräfte verzichten muss: Der Portugiese Tiago (Gelb-Rot) und der Uruguayer Diego Godin (Gelb) sind am 17. März gesperrt.

Schmidt ("Ich habe an die Motivation als Fußballer appelliert") strich nicht zuletzt den mentalen Effekt des Sieges hervor: "Wir haben den Glauben verstärkt, dass wir uns durchsetzen können."

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