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"Wir werden den Weg mit diesem Kader weitergehen"

Der Tag danach.

Die Ernüchterung war den Spielern vom FC Red Bull Salzburg nach dem CL-Aus in Malmö freilich auch nach der ersten Nacht noch anzusehen. Die Stimmung im Flieger sehr getrübt.

Der Meister hat mit dem 0:3 sein Spiel des Jahres gründlich verpatzt, das große Saisonziel nicht erreicht und muss dies verdauen. Das wird wohl bis zum Anpfiff gegen Sturm am Samstag dauern.

„Heute ist gar nichts positiv“, war auch Trainer Adi Hütter Donnerstagmittag noch gezeichnet.

„Wir haben unser ganz großes Ziel nicht erreicht. Wir sind erfolgsorientierte Menschen. Wir haben es nicht geschafft und deswegen ist es schwierig, nach vorne zu schauen. Das Wichtigste ist aber, wieder aufzustehen, wenn man am Boden liegt. Wir müssen das Trauma aus den Köpfen bekommen und uns neue Ziele setzen“, versucht der 44-Jährige langsam den Blick nach vorne zu richten.

Noch sehr gezeichnet

Wenige Stunden danach richtet sich dieser aber eben noch einmal zurück. Schließlich ist Salzburg im Playoff-Rückspiel am Mittwoch nicht knapp vorbeigeschrammt, sondern deutlich. Es war die höchste Niederlage auf internationalem Boden in der dritten Saison unter Ralf Rangnick.

„Es fühlt sich heute auch nicht besser an. Wir sind hochgradig enttäuscht. So wie wir über weite Strecken gespielt haben, sind wir verdient ausgeschieden“, musste der Sportchef festhalten.

„Es war ein Rückschritt auf internationalem Niveau, wir müssen die Spieler weiterentwickeln und für Spiele gegen solche Gegner den nächsten Schritt machen“, sagt der 56-Jährige, der ebenfalls die Schneid, die sich seine Spieler abkaufen ließen, als Schlüssel zur bitteren Niederlage erkannte.

„Grün hinter den Ohren“

Als Beispiel nahm der Deutsche das Foul von Markus Rosenberg an Christian Schwegler in der Anfangsphase her. Für Rangnick war es rotwürdig, im Spiel gab es nicht einmal eine Karte.

„Das war eine gezielte Aktion. Wir haben uns beeindrucken lassen. Dahingehend müssen wir uns nun in der Europa League weiterentwickeln“, fordert Rangnick.

Hütter sieht es ähnlich: „Solche Mätzchen, schmutzige Spielchen gehören international dazu, vor allem wenn der Schiedsrichter nicht eingreift. Da sind wir noch zu grün hinter den Ohren. Wir haben am Mittwoch als Mannschaft nicht funktioniert.“

Ob seine Truppe versagt hätte, wurde Hütter („Schmutziger spielen heißt auch professioneller werden“) gefragt. Seine Antwort: „Es ist ein hartes Wort, aber das kann man so stehen lassen. Wir hätten vier perfekte Spiele gebraucht, aber es waren maximal zwei. Das ist zu wenig.“

Erwartungen nicht erfüllt

Vor der Saison sprach der Trainer davon, dass Salzburg in die Champions League gehöre. Sein Vorgesetzter meinte, man habe alles dafür getan und man würde nicht nur dabei sein, sondern auch eine Rolle in der Gruppenphase spielen wollen. Nun spielt man gar keine Rolle.

Die Verantwortlichen mussten sich eingestehen, dass es eben doch noch nicht reicht. Rangnick: „Die Mannschaft ist noch nicht so weit, wie wir dachten.“

Es werde aber kontinuierlich weitergearbeitet. „Der Weg mit jungen, talentierten Spielern war in den vergangenen zwei Jahren richtig. Den werden wir mit diesem Kader weitergehen. Wir wollen in der Europa League schauen, dass wir noch weiter kommen als vergangene Saison. Wir brauchen dringend Lernfortschritte.“

Rangnick schließt Abgänge aus

Die Mannschaft werde also entgegen mancher Befürchtungen nun nicht auseinanderfallen.

„Das kann ich ausschließen, alle Spieler haben langfristige Verträge. Unsere Kaderplanung ist abgeschlossen, übrigens auch in Leipzig. Wir werden keinen Spieler mehr holen oder abgeben.“

Nur im Fall des Leaders der deutschen zweiten Bundesliga könnte man sich noch von jemanden trennen oder ihn intern verleihen. Wie erst heute Smail Prevljak. Der Stürmer wurde an Salzburg verliehen und soll sich als Kooperationsspieler „in Liefering für weitere Aufgaben empfehlen“.

Dass Salzburger zum Schwesternklub gehen, ist nicht der Plan: „Leipzig hat mit den Zielen und der Planung in Salzburg nicht viel zu tun. Wir wollen dort wie da am Ende so erfolgreich wie möglich sein. Dass Spieler von Salzburg nach Leipzig wechseln, das ist völlig absurd.“

Freilich kann Rangnick Transfers nicht gänzlich ausschließen. „Das können nur PSG, ManCity und Real.“ Etwas anderes wäre es etwa, „wenn ein Klub meint, eine astronomische Summe für einen unserer Spieler bezahlen zu müssen.“ Hertha BSC Berlin soll laut „kicker“ an Alan interessiert sein.

Alan und Kampl signaliseren Verbleib

„Die Hertha wäre in den letzten Jahren nicht aufgefallen, solche Summen zu zahlen. Damit kann ich auch das ziemlich sicher ausschließen.“ Alan selbst meinte gegenüber LAOLA1: „Ich habe nichts gehört. Es müsste schon etwas sehr Gutes sein, dass ich gehe. Salzburg ist wie meine zweite Familie."

Kevin Kampl, ebenfalls begehrter Spieler, stößt ins selbe Horn: „Wie ich den Charakter unserer Mannschaft kenne, wird nicht viel passieren. Ich denke da auch überhaupt nicht nach, das ist für mich kein Thema. Ich glaube, es ist auch kein Thema für irgendeinen in der Mannschaft.“

Dass der Kader für die nächste Saison (und den nächsten CL-Anlauf) wieder etwas anders ausschauen könnte, ist auch Rangnick klar.

Bei Kampls Vertragsverlängerung meinte der Sportchef: „Er geht jetzt in sein drittes Jahr und es ist klar, dass er bei entsprechender Weiterentwicklung - und es gibt keine Anzeichen, warum das nicht so weitergehen sollte - nicht auch noch ein viertes Jahr hier bleiben wird."

Diese Saison stehen nun erst einmal weitere Lernfortschritte in der Europa League an. Am Freitag ist um 13 Uhr (LIVE bei LAOLA1.at) die Auslosung in Monaco. Mögliche Gegner wären Wolfsburg oder Everton. Eben nicht Barcelona oder Bayern.

Rangnick: „Wir wollen nichts schönreden, die Enttäuschung ist da, jetzt ist es die Kunst, die Europa League anzunehmen.“

Eine neue Salzburger Zeitrechnung in dieser Saison hat begonnen.

 

Bernhard Kastler

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