So viel 1995 steckt noch in Ajax

Aufmacherbild
 

So viel von 1995 steckt noch in Ajax Amsterdam

Aufmacherbild
 

Es war einmal …

Powerplay um den gegnerischen Strafraum. Marc Overmars auf links bedient Edgar Davids, dieser leitet den Ball weiter auf Frank Rijkaard. Ein gezielter Lochpass auf Patrick Kluivert, der das runde Leder mit dem Spitz im Netz versenkt.

Wir schreiben das Jahr 1995, genauer gesagt den 24. Mai. Ajax Amsterdam triumphiert dank dieses Goldtores im Champions-League-Finale gegen den AC Milan.

Wo? Im Wiener Ernst-Happel-Stadion. An jenem Ort, an den der niederländische Rekordmeister am Mittwoch im CL-Quali-Duell gegen den SK Rapid zurückkehrt.

Rückkehr an den Ort der Sternstunde

Es sollte die bisher letzte Sternstunde bleiben. Die Oranje feierten den größten Triumph seit den Erfolgen im Europapokal der Landesmeister 1971, 1972 und 1973.

Mit einer Mannschaft, die damals ihresgleichen suchte. Mit Spielern, die in weiterer Folge eindrucksvolle Karrieren hinlegen sollten.

Angefangen vom damals 18-jährigen Shootingstar Kluivert über die De-Boer-Brüder, Overmars, Davids, Rijkaard, Clarence Seedorf, bis hin zu Jari Litmanen und Edwin van der Sar.

Der Großteil aus der eigenen Talenteschmiede, der Ajax-Akademie „De Toekomst“ - übersetzt „die Zukunft“ -, die selbst Barcelonas „La Masia“ inspirierte.

Ajax wie 1995? "Das ist eine Utopie"

Der damalige Jugendwahn prägte Generationen und andere Klubs, die auf den Zug aufsprangen.

Die Ajax-Idee wurde durch den Zerfall der goldenen Generation in Europa verbreitet und fußt damit auf den damaligen Erfolgen.

Mit Frank de Boer als Trainer versucht ein alter Bekannter derzeit, wieder ein ähnliches Konzept wie damals zu schaffen.

Mit vielen Eigenbauspielern und Talenten soll der durchgehende Weg forciert werden, auch international sollen sich Erfolge einstellen. Doch de Boer bremste in einem 11-Freunde-Interview im Februar:

"Wenn sie darauf hinaus wollen, ob Ajax mittelfristig wieder die Champions League gewinnen wird, sage ich ganz klar: Das ist eine Utopie!"

 

AJAX AMSTERDAM 1 - 0 AC MILAN
(24. Mai 1995, 20:30 Uhr, Ernst-Happel-Stadion, Wien)

TORSCHÜTZE: PATRICK KLUIVERT (85.)



TRAINER: LOUIS VAN GAAL

 

Der Mythos Ajax 20 Jahre danach

Wenn es 20 Jahre nach dem Titel-Gewinn zu einem Wiedersehen in Österreichs Hauptstadt kommt, werden in einigen Klub-Verantwortlichen besondere Erinnerungen wach werden.

Ob im sportlichen, im wirtschaftlichen oder im Nachwuchsbereich – überall tümmeln sich die Stars vergangener Tage, die ihrem Verein die Treue geschworen haben.

Der Mythos Ajax lebt, die Verbundenheit ist größer als anderswo, auch wenn man in puncto Erfolge derzeit nicht ganz an die glorreichen Zeiten anschließen kann.

LAOLA1 hat sich angesehen, wie viel von „Ajax 1995“ noch heute im Traditionsverein steckt:

DIE 1995er GENERATION:

Frank de Boer (Trainer):

Champions League (1995), Weltpokal (1995), UEFA Supercup (1995), UEFA Cup (1992), fünf Mal niederländischer Meister (1990, 1994, 1995, 1996, 1998), zwei Mal Pokalsieger (1993,1998), drei Mal Supercupsieger (1993, 1994, 1995) - der Defensivspieler räumte in seiner Ajax-Zeit alles ab, nur als Aktiver wohlgemerkt. Als Chefbetreuer legte er von 2011 bis 2014 vier Meistertitel nach und holte 2010 den Pokal. Der zehn Minuten jüngere Zwillingsbruder von Roland blieb Ajax von der Jugend an bis 1999 treu, ehe er zum FC Barcelona wechselte. Der ehemalige Niederlande-Kapitän (112 Länderspiele) und Co-Trainer kehrte 2008 als Jugendcoach zu seinen Wurzeln zurück und übernahm 2010 die Kampfmannschaft. Schon 1995 war er kaum wegzudenken, auch heute ist er ein wichtiger Bestandteil, um Ajax wieder auf den richtigen Weg zu führen. Der 45-jährige Vater von drei Töchtern führte seinen Herzensklub national wieder an die Spitze, auch wenn es 2015 nur zum Vizemeistertitel reichte. International wird es sein Ziel sein, die Hürde Rapid zu nehmen. An jenem Ort, an dem er 1995 nach 90 Minuten auf dem Feld den CL-Pokal in den Wiener Nachthimmel streckte.

 

Marc Overmars (Sportdirektor):

Ein Flankenflitzer allererster Güte. Trickreich, wendig, immer mit dem Zug in den gegnerischen Strafraum und torgefährlich. So blieb der mittlerweile 42-Jährige in Erinnerung. Der 86-fache niederländische Teamspieler war nicht nur von 1992 bis 1997 bei Ajax aktiv, sondern glänzte von 1997 bis 2000 auch bei Arsenal, wo er 1997/98 das Double holte. Von 2000 bis 2004 schnürte er zudem für Barcelona die Fußballschuhe. Wie de Boer kehrte Overmars nach dem Karriereende zu Ajax zurück, wo er nach ersten Anläufen in der Jugendabteilung seit 2012 das Amt des Sportdirektors bekleidet. Neben dem Hochziehen zukunftsträchtiger Talente wurde der Kader mit guten Neuverpflichtungen konkurrenzfähig gemacht, besonders in diesem Sommer. Große Ablösesummen sind nicht nach seinem Geschmack, da nun bekannt wurde, dass sich auch Rapids Robert Beric und Philipp Schobesberger auf der Watch-List befanden, schlussendlich jedoch zu teuer waren. Anstatt auf dem Trainingsplatz einzugreifen, ist Overmars für die sportlichen Geschicke im Hintergrund verantwortlich, arbeitet damit jedoch eng mit seinem ehemaligen Mitspieler de Boer zusammen.

 

Edwin van der Sar (Marketing-Direktor):

 Eine Legende der Torhüter-Zunft, die bei Ajax richtig groß herauskam. In der Akademie entwickelt, stieß der 1,97 Meter große Keeper 1992 zu den Profis auf und verließ die Niederländer erst 1999 in Richtung Juventus Turin. Nach einer Zwischenstation in Fulham blühte er vor allem von 2005 bis 2011 bei Manchester United noch einmal auf. Zudem stand er 130 Mal zwischen den Pfosten der Oranje-Auswahl und ist damit Rekord-Nationalspieler. Titel hamsterte van der Sar en masse, bei seinem größten Triumph 1995 hielt er seinen Kasten gegen den AC Milan sauber. Nach dem Karriereende kehrte der beste Torhüter Europas von 1995 nicht in den sportlichen Bereich von Ajax zurück, sondern wechselte zu den Anzug-Trägern. Seit 2012 kümmert sich der mittlerweile 44-Jährige als Marketing-Boss um die Geschicke im Verein.

 

Winston Bogarde (Jugend-Individualtrainer):

Von den spielerischen Anlagen und seiner Bedeutung im europäischen Fußball ist er vielleicht nicht auf eine Stufe mit den Namen de Boer, Overmars oder van der Sar zu stellen, trotzdem gehörte er dem Champions-League-Sieger von 1995 an, auch wenn er im Finale in Wien 90 Minuten lang die Bank drücken musste. Von 1994 bis 1997 verteidigte der körperlich robuste Defensivspieler für die Weiß-Roten, danach schaffte er es noch zu Top-Klubs wie AC Milan (1997), FC Barcelona (1997 bis 2000) und Chelsea (2000 bis 2004), 20 Mal durfte er sich zudem das Trikot der niederländischen Nationalelf überstreifen. Elf Jahre nach seinem Karriereende ist Bogarde back in Business bei Ajax. Wie kürzlich bekannt wurde, wird er als Invididualtrainer in der Jugend arbeiten und sich dort speziell um die Verteidiger kümmern. Eine ehrenvolle Aufgabe, in welcher er seine Erfahrungen als Abwehrrecke einbringen kann.

 

SÖHNE DER 1995er-GENERATION:

Wie die Zeit vergeht! Vor 20 Jahren standen die Kicker noch selbst auf dem Platz und lebten ihren Traum bei Ajax. 2015 stellt sich unter Beweis, dass der eine oder andere seine guten Gene an den Nachwuchs weitergegeben hat. Denn im Ajax-Nachwuchs wimmelt es nur so von Erben der ehemaligen Größen. 17 Jahre zählt bereits Joe van der Sar, Sohn des ehemaligen Torwart-Riesen, der seit 2013 in der Ajax-Jugend spielt und davor wie sein Vater bei VV Noordwijk startete. Der Youngster, ebenfalls Torhüter, bringt die Anlagen mit, um groß hinauszukommen. Wie Justin Kluivert, Sohn des Siegtorschützen von Wien, der ebenfalls in der B1 des Traditionsklubs spielt. Der mittlerweile 16-Jährige unterzeichnete bereits mit 15 Jahren einen Vertrag mit Nike und könnte als Offensivspieler in die Fußstapfen seines Vaters treten. Während Justin seit 2006 im Ajax-System ist, reichte es für Bruder Quincy 2007/08 nur für eine Saison. Dann wäre da noch Gabriel Reiziger, Nachkömmling des damaligen Außenverteidigers Michael. Auch er schlägt den Weg ein, der seinem Vater zu Ruhm verhalf und spielt seit Sommer 2014 im Ajax-Nachwuchs (E3).


WEITERE GROßE NAMEN:

Dennis Bergkamp (Co-Trainer):

Geballte Fußball-Erfahrung hat einen Namen: Dennis Bergkamp. Der Ausnahmekönner vergangener Tage gehört zwar nicht mehr der 1995er Generation an, zählt als ehemalige Vereinsgröße jedoch zu den erwähnenswerten Namen. Noch dazu, da er an der Seite von Frank de Boer als Co-Trainer arbeitet und seit 2011 sein Wissen bei seinem Jugendklub einbringt. Von 1981 bis 1986 arbeitete sich der Stürmer im Nachwuchs durch, ehe er von 1986 bis 1993 bei den Profis randurfte. Nach Inter Mailand hatte er noch seine große Glanzzeit bei Arsenal. Der 79-fache niederländische Teamspieler wird auch gegen Rapid auf der Trainerbank sitzen - von den Namen her eigentlich ein unschlagbares Trainer-Duo.

Jaap Stam (Trainer Ajax II):

Wer erinnert sich nicht an den eisenharten Verteidiger, mit dem nicht gut Kirschen essen war? Der 67-fache Nationalspieler hat zwar einen anderen Weg eingeschlagen als seine Kollegen, ist aber schlussendlich auch bei Ajax gelandet. Der Innenverteidiger streifte nie in jungen Jahren das Trikot über, sondern erst zum Ausklang seiner Karriere von 2006 bis 2007. In weiterer Folge blieb der Kontakt zum Klub erhalten, Stam stieg von 2011 bis 2012 zum Individual-Trainer der Profis auf und kehrte nach einem Jahr in Zwolle in dieselbe Position zurück. Mittlerweile ist er zum Chefcoach bei Ajax avanciert, vorerst jedoch erst bei Ajax II. Wohin sein Weg noch führt, wird sich weisen. Durch den Übergang junger Talente zu den Profis ist er jedoch bereits unweigerlich mit de Boer und Bergkamp in Kontakt.

Wim Jonk (Nachwuchs-Koordinator):

Ein Name, den man durchaus kennt und auch mit Ajax Amsterdam in Verbindung bringt. Von 1988 bis 1993 verdiente sich der Mittelfeldspieler seine Sporen beim Hauptstadtklub, spielte unter anderem auch bei Inter Mailand, PSV und Sheffield Wednesday. Auch in der Oranje-Elf war er mit 49 Einsätzen ein verdienter Spieler. Seine Expertise bringt er nun als Nachwuchs-Koordinator ein, ein Job, der vor allem im System Ajax viel Vertrauen erfordert. Die Bedingungen zu schaffen und junge Spieler an die Kampfmannschaft heranzuführen, liegt im Aufgabenbereich des heute 48-Jährigen. Auch wenn er 1995 nicht mehr dabei war, zählt er zu den ehemaligen Spielern, die Ajax wieder auf das höchste Level hieven sollen. Bei Ajax wird auf ehemalige Größen nicht verzichtet, so viel steht außer Frage.

 


Alexander Karper



Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen