Eine Mannschaft, die begeistert

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Vielleicht lag es am Tor von Alan nach toller Vorarbeit von Kevin Kampl.

Vielleicht lag es an der spielerischen Dominanz gegen Fenerbahce.

Vielleicht lag es an der Grätsche von Jonatan Soriano in Minute 92.

Vielleicht lag es an allem ein wenig.

Das 1:1 im Hinspiel der 3. Quali-Runde zur Champions League wurde zwar nicht gewonnen, dafür gewann Red Bull Salzburg gewiss neue Sympathien. Zumal bei einem internationalen Spiel automatisch mehr Menschen zusehen und dem heimischen Klub naturgemäß die Daumen gedrückt werden.

Eine Mannschaft, die ein türkisches Wunder erzeugte

Zum ersten Mal seit dem Ausbau des Stadions in Wals-Siezenheim für die EURO 2008 war die Red-Bull-Arena bei einem Pflichtspiel der Salzburger am Mittwochabend ausverkauft.

Dafür sorgten freilich auch tausende, euphorische und vor allem friedliche Fans von Fenerbahce, doch die Mehrheit kam in rot-weiß gehüllt - und diese wurden wie jene vor dem TV-Schirm nicht enttäuscht.

Wenn eine der auflagenstärksten türkischen Zeitungen, "Hürriyet", in ihrer Online-Ausgabe nach einem 1:1 Fenerbahces in Österreich von einem "Wunder in letzter Sekunde" schreibt, sagt das einiges über die Leistung Salzburgs gegen den 18-fachen türkischen Meister und EL-Halbfinalisten 2013 aus.

Und auch die Spieler selbst hatten diese berechtigte Wahrnehmung.

Eine Mannschaft, die international mithält

"Es zeigt uns, dass wir international mitspielen können. Das gibt uns Selbstvertrauen", erklärte etwa Rückkehrer Marco Meilinger, der vergangene Saison noch für Ried kickte und nun UCL-Luft schnuppert.

"Man kann heute jedem ein Lob aussprechen, wir haben alle gemeinsam eine sehr gute Leistung abgeliefert", freut sich Stefan Ilsanker, der 2012 aus Mattersburg nach Salzburg zurückkam.

"Wir haben gesehen, dass wir gegen so eine Mannschaft bestehen können", freute sich der Kärntner Martin Hinteregger, der mit 13 Jahren nach Salzburg in die Akademie kam.

Eine Mannschaft, die Teamgeist besitzt

"Bis auf das Gegentor und den Lattenschuss haben wir uns in der Defensive sehr gut angestellt", konnte der vierte Österreicher in der Salzburger Startelf, Andreas Ulmer, grundsätzlich zufrieden sein.

Gemeinsam mit den sieben Legionären bildete das ÖFB-Quartett eine sicht- und spürbare Einheit, die um jeden Zentimeter kämpfte.

"Wir haben eine gute Truppe, einen guten Teamgeist", erklärte Kevin Kampl. Eine, die gemeinsam offensiv wie defensiv arbeitet und mit der Handschrift vom Trainerteam rund um Roger Schmidt versehen ist.

Meilinger kann auch deswegen sagen: "Wir haben gegen einen sehr guten Klub gemeinsam dagegengehalten."

Auch wenn Fenerbahce gegen Salzburg sein erstes Pflichtspiel der neuen Saison bestritt - der erste Torschuss der Gäste in Minute 54 (!) bestätigte einen mehr als gelungenen Arbeitstag der Hausherren.

Eine Mannschaft, die die Fans hinter sich hat

Fragt man nach den "Schuldigen", werden wiederum alle ins Boot geholt.

"Unsere Defensive fängt ganz vorne an, Jonny und Alan haben heute super gearbeitet. Die sind heute marschiert, genauso wie unsere Flügel, wir haben auf höchstem Niveau verteidigt", jubelte etwa Ilsanker.

Wenn Christian Schwegler Zweikämpfe gegen Dirk Kuyt oder Moussa Sow gewann, die Fans reagierten am Mittwochabend mit Szenenapplaus. Auch bei Aktionen von Martin Hinteregger, der nach Spielende allerdings hart mit sich ins Gericht ging.

"Da muss ich mich auch an die Nase nehmen, dass wir im Finish nicht mehr Druck nach vorne erzeugen konnten. Ich muss die Initiative übernehmen", sagte der 20-Jährige, der neben dem 21-jährigen Europacup-Debütanten Andre Ramalho die Innenverteidigung bildete.

"Das passt super", wünscht sich Hinteregger eine Dauerlösung, auch wenn mit Rodnei und Franz Schiemer zwei Routiniers bald zurück sind.

Eine Mannschaft, die stets hungrig ist

Was bei Salzburg in erster Linie passt, sind die Offensivaktionen, die natürlich auch von der hoch stehenden Defensive eingeleitet werden. Vorne wirbelt dann die stets hungrige Jugend.

"Meine Mannschaft will stets aktiv sein", schilderte Schmidt zuletzt. "Sie hätte größere Probleme, wenn sie taktieren müsste." Deswegen setzten die "Bullen" auch gegen Fenerbahce auf ihr schnelles Gegenpressing.

Mit jungen, talentierten Technikern wie Sadio Mane oder Kevin Kampl, die noch dazu dynamisch sind - das kommt beim Publikum sehr gut an.

„Wir waren 80 Minuten die aktivere Mannschaft und wenn Fenerbahce im Rückstand Spielanteile bekommt, dann ist das nicht ungewöhnlich. Von dem her sollten wir eher über die viele Spielzeit reden, in der wir dominant waren und das Spiel 100 Prozent im Griff hatten. Wir haben da auf Istanbuler Seite eine Chance gesehen, von denen wir sieben, acht hatten", lobte Schmidt seine Truppe.

Jene, die er 2012 übernommen hat und vor allem charakterlich zu der gemacht hat, was sie jetzt ist: Ein echtes Team.

Schmidt erklärte zuletzt: „Manchmal ist nicht die individuell höhere Qualität das, was die Mannschaft besser macht.“

Auch ein gutes mannschaftliches Auftreten kommt sehr gut an, vor allem, wenn man nie aufgibt.

Eine Mannschaft, die nicht aufgibt

"Wir werden auf dieses Tor, das wir brauchen, spielen", schickt Meilinger etwa vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag voraus.

Kampl schlägt sowieso immer in diese Kerbe: "Wir werden die Köpfe wieder hochkriegen, ein gutes Spiel gegen Innsbruck machen, uns Selbstvertrauen holen und mit Vollgas nach Istanbul reisen. Wir werden alles aus uns herausholen und zeigen, dass wir dort bestehen können."

Eine Einstellung, die sie von ihrem Trainer eingeimpft bekommen. Denn der Deutsche gab sich nach dem bitteren 1:1 schnell optimistisch.

"Klar ist man enttäuscht, aber es ist ja jetzt nicht so, dass das ein Endspiel war und wir ausgeschieden sind. Wir sind für unser gutes Spiel einfach nicht genügend belohnt worden", resümierte Schmidt nach dem Hinspiel, um klipp und klar die Marschroute fürs Rückspiel zu geben.

"Meine Mannschaft fährt nicht nach Istanbul, um ein bisschen mitzuspielen und auszuscheiden. Wir werden die Enttäuschung in absolute Entschlossenheit umwandeln. Wir werden in Istanbul, natürlich in einem schwierigen Spiel, mit Leidenschaft und alles, was wir haben, kämpfen, um weiter zu kommen."

Jung, dynamisch, leidenschaftlich, willig - das kam im internationalen Vergleich nicht nur in Salzburg an, auch spürbar außerhalb.

Eben eine Mannschaft, die begeistert.

 

Bernhard Kastler

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