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Bayern blickt nach CL-Aus nach vorne

„Es ist schön, dass wir mithalten konnten, aber dafür können wir uns nichts kaufen.“

Thomas Müller fasste die Stimmung nach dem 3:2-Sieg des FC Bayern im Semifinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona nüchtern zusammen.

Die Aufholjagd wie gegen Porto, als ein 1:3-Hinspiel-Handicap mit einem beeindruckenden 6:1-Kantersieg beantwortet worden war, wiederholte sich diesmal nicht, das Wunder gegen Barcelona blieb nach der 0:3-Niederlage im Hinspiel aus.

An Wunder geglaubt

"Eine Stadt, ein Traum" wurde mittels einer Fan-Choreographie vor Spielbeginn vermittelt. Und der Abend in München fing perfekt an. Medhi Benatia brachte das Heimteam nach einer Alonso-Ecke bereits in Minute sieben in Führung. Der Glaube daran, das Unmögliche möglich zu machen, war in der ausverkauften Allianz-Arena spürbar.

"Es war eine sensationelle Stimmung, ich habe selten so etwas erlebt. Als Spieler glaubt man immer dran. Wir haben alles reingelegt, haben den Willen gezeigt. Wir haben alle an das Wunder geglaubt", bestätigte Kapitän Philipp Lahm.

Anders als im Hinspiel, als man in der letzten guten Viertelstunde drei Gegentore fing, waren diesmal jedoch bereits nach der ersten Viertelstunde alle Hoffnungen zunichtegemacht.

MSN-Sturm on fire

Der Neymar-Ausgleich nach Messi-Suarez-Kombination (15.) beseitigte ruckartig alle Hoffnungen an ein mögliches Wunder. Lahm: „Wir haben zu früh den Ausgleich gefangen.“

Müller zeigte sich mit dem Abwehrverhalten alles andere als zufrieden: „Wir üben überhaupt keinen Druck auf Messi aus. Es ist doch klar, dass dann so ein Ball in die Tiefe kommt. Da musst du aufpassen und schon in der Rückwärtsbewegung sein."

Eine Viertelstunde später das Deja-vu. Wieder Messi auf Suarez. Wieder Suarez auf Neymar. Wieder lag der Ball im Tor. Wieder sah die Münchner Defensive unglücklich aus.

Für Oliver Kahn zeigte sich der Torschütze hauptverantwortlich dafür: „Benatia darf nicht in dieser Szene aus der Viererkette herausrücken. Was er da bei Schweinsteiger will, weiß ich nicht. Was macht er da? Ich bin kein Freund davon, dass Innenverteidiger so brutal aus der Viererkette herausrücken. Wenn sich solche Fehler auf dem Niveau summieren – keine Chance!“

Ter Stegen in Höchstform

Dafür hatte Bayern in der Offensive durchaus Chancen vorgefunden. Ausgerechnet der deutsche Torwart  (LAOLA1 berichtete) im gegnerischen Team hatte etwas mit zahlreichen Paraden dagegen. Vor allem als Marc-Andre ter Stegen Lewandowskis Schuss von der Linie kratzte, war das Momentum endgültig auf Barcas Seite.

Der Gelobte gab sich aber bescheiden: „Wir haben noch ein Spiel, alles andere ist unwichtig. Ich bin froh, dass wir im Finale sind.“

Coach Luis Enrique zeigte sich naturgemäß ebenfalls zufrieden: „Meine Mannschaft war gut, stand gut, wir kamen mit einer Führung in die Halbzeit. Die zweite Halbzeit war sehr physisch. Die Bayern haben gekämpft und gekämpft, um den Spieß noch umzudrehen.“

Moral gezeigt

Durch diesen Kampf sollte Bayern das Ergebnis zwar noch durch Lewandowskis (59.) und Müllers (74.) Tore drehen, am Gesamtergebnis änderte sich aber nichts mehr.

Wo die Münchner das Finale vergaben, darüber herrschte nach dem Spiel Einigkeit: „Wir wären gerne nach Berlin gekommen. Aber nach dem Hinspiel war das Finale schon verloren", so Coach Guardiola.

Dass die Mannschaft noch Moral zeigte und einen Sieg einfuhr, war für Sportvorstand Sammer nur ein schwacher Trost: „Wir haben 3:2 gewonnen, das ist okay, aber mehr auch nicht. Wir sind ausgeschieden, das ist ärgerlich. Die Mannschaft hat heute guten, außergewöhnlichen Charakter gezeigt, das nehmen wir mit.“

Folgt ein Umbruch?

Wie diese Zukunft aussieht, werden die nächsten Wochen aufzeigen. Gerade die personellen Probleme dieser Saison warfen Kaderfragen auf.

Bastian Schweinsteiger leitete die Frage des Umbruchs weiter: „Die müssen sie dem Vorstand stellen.“

Sportvorstand Sammer wiegelte ab: „Die Rückschläge konnten wir nicht so verkraften, wie wir uns das gewünscht haben. Aber bei aller teilweise berechtigten Kritik darf man nicht vergessen, auf welchem Niveau wir uns bewegen."

Auch Trainer Pep Guardiola steht im Mittelpunkt der Planungen. Der Katalane versicherte zwar unlängst erneut, kommende Saison in München zu verbleiben, doch inwiefern er einen möglichen Umbruch angesichts seines 2016 endenden und noch nicht verlängerten Vertrages gestalten darf, bleibt ungewiss.

Sammer sieht darin jedenfalls kein Problem: „Der FC Bayern hat nie nach einer Trainer-Wunschliste eingekauft. Ein Trainer muss immer gehört werden. Aber wir müssen für den FC Bayern agieren. Von einzelnen Personen war das nie abhängig. Der FC Bayern ist sowieso größer als jede Person."

Guardiola selbst blickte ebenfalls bereits nach vorne: „Ich habe mich bei der Mannschaft für das letzte Jahr bedankt. Das war ein sehr hartes Jahr. Das ist ein Jahr der Wahrheit gewesen, ein sehr viel härteres Jahr als das letzte. Wir hatten viele Probleme. Wir werden es im nächsten Jahr noch einmal angehen."

Dann mit einem fitten Robben und Ribery. Und dann soll es auch wieder weiter als ins Semifinale gehen.

 

Andreas Gstaltmeyr

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