Schwache Bayern stolpern ins Viertelfinale

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Stell dir vor du erreichst das Champions-League-Viertelfinale und keiner feiert - Zumindest keiner der Verantwortlichen des FC Bayern München.

Die Granden des deutschen Rekordmeisters waren trotz des Aufstiegs in die Runde letzten Acht der „Königsklasse“ alles andere als glücklich. Zu knapp war man gegen den FC Arsenal an einer Blamage vorbeigeschrammt.

„Das muss ein Warnschuss sein“

Einzig durch die Auswärtstorregel kegelte der deutsche Rekordmeister die Engländer aus dem Bewerb. Dem souveränen 3:1-Auswärtssieg auf der Insel, folgte ein 0:2 vor eigenem Publikum.

„Wir können von Glück reden, dass wir in London ausreichend Tore erzielt haben, dass wir weitergekommen sind. Das muss ein Warnschuss sein“, brachte Vorstandsvorsitzender Karl Heinz Rummenigge die Gemütslage auf den Punkt.

Präsident Uli Hoeneß stieß ins selbe Horn: „Die heutige Niederlage muss jedem klarmachen, dass wir wieder anders spielen müssen, wenn wir das Ziel in der Champions League erreichen wollen."

Denn nicht nur die Niederlage an sich, vor allem die Art und Weise muss den Bayern zu denken geben. Zu sehr ließ sich die ansonsten so sicher auftretende Mannschaft durch das frühe Gegentor von Olivier Giroud (3.) verunsichern, zu oft kamen eigentlich harmlose Londoner vor Manuel Neuers Tor und zu selten wurden die Münchner selbst gefährlich.

Nur Weitschüsse aufs Arsenal-Tor

„Wir hatten eigentlich gute Torchancen, die wir schlecht ausgespielt haben. Dann muss man am Ende zittern. Wenn man 0:2 verliert, war es letztlich knapp. Wenn man das Spiel über 90 Minuten sieht, haben wir einfach nicht die Tore gemacht“, log sich Kapitän Philipp Lahm selbst in die Tasche.

Abgesehen von einer vergebenen Großchance durch Arjen Robben, der nach einem sensationellen Ferserl-Pass von Thomas Müller alleine vor Lukasz Fabianski auftauchte, machte die Bayern-Offensive nämlich lediglich durch Weitschüsse auf sich aufmerksam. Nicht umsonst erzielten die Bayern erstmals seit 37 Pflichtspielen keinen Treffer.

„Die Bayern haben schon versucht, Druck zu machen. Wir haben defensiv besser gearbeitet, wir haben wenig zugelassen“, sah auch Per Mertesacker das Arsenal-Tor kaum einer Gefahr ausgesetzt.

Hoeneß schimpft gegen Medien

Von heute auf morgen setzte sich dieser Schlendrian im Bayern-Spiel allerdings nicht fest. Schon in den letzten Wochen in der Bundesliga waren die Auftritte des Tabellenführers mehr als durchwachsen, was natürlich auch Hoeneß nicht entgangen war.

"The trend is your friend und seit drei Wochen spielen wir schönen Dreck", schimpfte er. „Wir haben schon gegen Hoffenheim nicht gut gespielt. Gegen Düsseldorf haben wir zwar gewonnen, aber das ist nicht gerade unser Anspruch, mit Mühe und Not 3:2 zu gewinnen.

Hoeneß nahm seinen Verein aber auch in Schutz und nutzte die Niederlage zu einem verbalen Rundumschlag gegen die Medien. „Die Journalisten müssen mal endlich aufhören, unsere Gegner schon vorher niederzumachen“, war er über die Vorberichterstattung erzürnt. „Gegen Düsseldorf war nur die Frage, schießen wir fünf oder zehn Tore und in Hoffenheim würde auch die Reserve locker gewinnen. Das geht einfach nicht.“

Bayern zeigen sich demütig

Was bleibt, ist die Tatsache, dass man bei den Bayern wohl endgültig gemerkt hat, dass man in der Bundesliga zwar eine Klasse für sich ist, es aber international nicht von selbst läuft.

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Das Spiel muss uns eine Lehre sein, dass man die nächste Runde nicht schon vor dem Rückspiel erreicht hat", ist sich Jupp Heynckes bewusst.

Und auch Rummenigge warnt vor zu viel Selbstsicherheit im internationalen Geschäft. „In der Champions League hängen die Trauben noch, das hat man gesehen, da muss man mit Demut rangehen und nicht glauben, dass man von alleine von Runde zu Runde weiterkommt.“

„So kann man nicht Fußball spielen“

Das Minimalziel Viertelfinale ist jedenfalls erreicht und nun werden die Karten neu gemischt. Zu einem Wunschgegner ließ sich freilich kein Bayern-Spieler hinreißen, einzig Lahm gab offen zu, „so spät wie möglich gegen Dortmund“ spielen zu wollen.

So oder so, die Bayern werden sich in der Champions League steigern müssen, denn wie es Franz Beckenbauer treffend formuliert:

„Wenn du so weiterspielst, bist du in der nächsten Runde draußen - egal gegen wen, so kann man nicht Fußball spielen.“

 

Fabian Santner

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