Der umstrittene Macher

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Die Vereine hassen ihn, seine Spieler lieben ihn.

Mino Raiola hat es geschafft, von der Pizzeria seiner Eltern aus zu einem der erfolgreichsten Spielermanager aufzusteigen. Seine Methoden sind aber umstritten.

Angefangen hat der Aufstieg des heute 45-Jährigen in den Niederlanden. Kurz nachdem der kleine Carmine, sein richtiger Vorname, in Nocera Inferiore, einer kleinen Stadt in Kampanien, zur Welt gekommen war, wanderten seine Eltern aus.

„Wir haben in Haarlem, 15 Kilometer von Amsterdam entfernt, zuerst einen Sandwich-Laden, dann eine Pizzeria und schlussendlich ein Spitzenrestaurant betrieben“, erzählt er.

Wegen seiner Vergangenheit nennen sie ihn in Italien „il pizzaiolo“, den Pizzabäcker. Dass Raiola von sich selbst behauptet, noch nie in seinem Leben eine Pizza gebacken zu haben, tut da nicht viel zur Sache.

Mit 22 Jahren Sportdirektor

Viel mehr als Pizza interessierte ihn sowieso der Fußball, wenngleich er schon im Alter von 18 Jahren seine aktive Karriere für beendet erklärt hatte. Die Nähe zum HFC Haarlem, dem örtlichen Klub, war trotzdem gegeben. Vorstände und Spieler dinierten regelmäßig im Lokal seiner Eltern.

Und weil Raiola immer schon eine große Klappe hatte, wurde er im Alter von 22 Jahren Sportdirektor des Vereins. „Ich sagte dem Haarlem-Präsident, dass er keine Ahnung von Fußball hätte. Einmal nahm er mich zur Seite und sagte: 'Dann versuch‘ du es doch.'“

Die Aufgabe war ob der geringen finanziellen Mittel allerdings nicht befriedigend für den Jung-Manager, schon bald warf er frustriert das Handtuch.

„Ich habe das dann geklärt“

Außerdem hatte er entdeckt, dass er für einen anderen Bereich des Geschäfts besser geschaffen war – die Vermittlung.

„In unserem Restaurant waren immer wieder niederländische Geschäftsleute, die nicht verstanden haben, wie man mit Italienern umgeht. Sie haben in Italien Waren bestellt, diese sind aber nie angekommen. Ich habe das dann für sie geklärt“, erzählt er.

Raiola selbst spricht acht Sprachen: Italienisch, Englisch, Französisch, Holländisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch „und natürlich Neapolitanisch“. Ideal, um nicht nur Waren zwischen verschiedenen Ländern zu transferieren.

Die ersten großen Deals

„Es war Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Italien war das Paradies für Fußballer, damals wollte keiner nach Barcelona oder Manchester gehen“, sagt er. 1993 fädelte der junge Mann seinen ersten Deal ein – er vermittelte Bryan Roy von Ajax Amsterdam zu Foggia.

Auch Juves Paul Pogba gehört zu Mino Raiolas Schützlingen

Manchester ist sauer

Da wäre etwa Mario Balotelli. Als es unwahrscheinlich erschien, dass der Italiener im Winter von Manchester City zum AC Milan wechseln würde, konnte die Ablösesumme gedrückt werden, nachdem sich der Spieler und Trainer Roberto Mancini im Training von Kameras bestens dokumentiert an die Gurgel gingen. Ein Schelm, wer denkt, Raiola könnte seine Finger im Spiel gehabt haben.

Auch der andere Teil Manchesters – der rote von United – ist seit geraumer Zeit sauer auf den Mann. Immerhin schaffte er es, das Riesentalent Paul Pogba trotz der vermeintlichen Zusage einer Vertragsverlängerung ablösefrei bei Juventus unterzubringen. „Pogba hat einen Berater, der offensichtlich ein wenig schwierig ist“, sagte Alex Ferguson damals.

Sein neuester Fang

Raiolas neuester Klient heißt Bartosz Salamon. Der Pole erzählt: „Vor rund drei Jahren hat er mich angerufen und gefragt, ob er mein Agent sein kann. Ich habe verneint, weil ich schon einen hatte und glücklich damit war. Am Ende des Gesprächs hat er mir gesagt, dass er mich nicht mehr anrufen würde. Und das war auch so.“

Diesen Sommer läutete aber Raiolas Telefon – Salamon war dran und bat nun doch um eine Zusammenarbeit. „Er hat mir gesagt, ich solle im Training und in den Spielen alles geben, dann würde er mich zu einem Klub, den ich verdiene, bringen“, berichtet der 21-Jährige. Raiola hielt sein Versprechen. Nur sechs Monate später wechselte der Innenverteidiger nach einigen Jahren in der Serie B von Brescia zum AC Milan.

Keine Frage, Salamon liebt seinen Berater dafür. Ebenso wie ihn Ibrahimovic monatlich für die dicken Gehaltsschecks in Paris liebt. Und jene Leute, die nicht bei ihm unter Vertrag stehen, sind Raiola egal. Denn Geschäfte machen sie trotzdem mit ihm.


Harald Prantl

Kurz darauf stieg Raiola schon in die Champions League der Spielervermittler auf – für 19,7 Millionen Euro transferierte er Dennis Bergkamp und Wim Jonk zu Inter Mailand. 1996 brachte der Berater Pavel Nedved bei Lazio Rom unter.

Goldjunge Zlatan

Und dann kam Zlatan Ibrahimovic. Über 150 Millionen Euro an Ablösesumme hat er mit dem Schweden bereits umgesetzt. Er hat ihn zu Juventus, Inter, Barca, Milan und zuletzt Paris SG gebracht.

Dass so mancher Transfer nicht immer astrein über die Bühne gegangen ist, belegen abgehörte Telefonate zwischen ihm und dem damaligen Juve-Manager Luciano Moggi. „Morgen bleibt Zlatan den ganzen Tag daheim, ich schicke ihn nicht zum Training. Ich habe um 12 Uhr ein Treffen mit den Ajax-Verantwortlichen, komme aber erst um 14 Uhr. Mach dir keine Sorgen, wir bringen ihn nach Turin“, sagte er. Und so kam es auch.

„Ich habe nie unangebrachte Aktionen gemacht, oder Aktionen, die ich persönlich nicht als korrekt ansehe“, verteidigt er sich. Er mache eben keine Kompromisse und arbeite ausschließlich im Interesse seiner Klienten.

Vorbild Jerry Maguire

Seine Berater-Firma heißt übrigens „Maguire Tax & Legal“ – benannt nach Raiolas großem Vorbild, dem von Tom Cruise gespielten Sportagenten Jerry Maguire im gleichnamigen Film.

Vor allem die Verantwortlichen diverser Vereine empfinden das als Hohn, macht Raiola doch nicht wirklich den Anschein, ein fürsorglicher, vielmehr ein gieriger Mann zu sein.

Den Manager, der mittlerweile in Monte Carlo residiert, wird das wenig jucken. Er findet nämlich immer einen Weg, mit seinen Spielern Geld zu scheffeln. Dass diese zumeist nicht gerade den Ruf haben, die einfachsten Charaktere zu sein, mag auch an den Methoden ihres Beraters liegen.

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