Zwei Zwillinge erobern die große Fußball-Welt

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Bei Ajax Amsterdam spielte er sich erstmals ins internationale Rampenlicht, wurde zum besten Ehrendivision-Spieler 2004 gewählt.

Über Inter Mailand schaffte er schließlich im Sommer 2009 den Sprung zum damals regierenden Champions-League-Sieger FC Barcelona.

Mittlerweile ist der 33-Jährige beim französischen Meister Paris St. Germain aktiv.

Denjenigen, die nun noch immer nicht wissen, welcher Spieler sich hinter dieser bemerkenswerten Karriere verbirgt, sei noch ein letzter eindeutiger Hinweis gegeben: Das Nationalteam des gesuchten Spielers läuft in markanten blauen Hosen und gelben Trikots auf.

Wer könnte das sein?

"Zwillinge"

Falsch! Damit ist ausnahmsweise nicht Zlatan Ibrahimovic gemeint. Vielmehr soll diesmal dessen PSG-Teamkollege Maxwell Scherrer Cabelino Andrade, den Meisten kurz als Maxwell bekannt, im Fokus stehen.

Dabei ist nicht bestreitbar, dass die beiden Ballkünstler eine verblüffend deckungsgleiche Visitenkarte vorweisen können. Zudem beide Jahrgang 1981 sind und mit Mino Raiola denselben Berater vorweisen.

Aber vielleicht ist gerade Letzterer das Erfolgsgeheimnis dafür, dass die schwedisch-brasilianische Kombination schon vier Stationen (Ajax, Inter, Barcelona und nun PSG) gleichzeitig beehrte. Im heutigen Fußball eine wahrlich seltene Begebenheit.

Und so verwundert es auch nicht, dass beide seit den ersten gemeinsamen Tagen in den Niederlanden eine dicke Freundschaft verbindet.

LAOLA1 begibt sich vor dem Champions-League-Achtelfinal-Rückspiel zwischen Chelsea FC und Paris St. Germain (Mittwoch, 20:45, Hinspiel: 1:1) auf Streifzug durch die Karriere vom brasilianischen Linksverteidiger Maxwell (mittlerweile aus der Selecao zurückgetreten), ohne dabei seinen schwedischen Freund aus den Augen zu verlieren.

"Kann ich bei dir wohnen?"

„Ich strengte mich an, nett zu sein, und grüßte den Burschen. Es war ein Junge in meinem Alter, der schüchtern zu sein schien, aber ziemlich gut Englisch sprach. Er hatte einen langen Namen, den ich nicht richtig mitbekam. Aber ich konnte ihn Maxwell nennen und wir tauschten die Telefonnummern aus.“

So erinnert sich Zlatan Ibrahimovic in seiner Biographie an die erste Begegnung mit Maxwell im Sommer 2001 in Amsterdam zurück.

Beide Spieler waren zeitgleich zum niederländischen Rekordmeister Ajax gewechselt.

Die schwedische Sturmhoffnung für rund acht Millionen Euro aus Malmö, der brasilianische Linksverteidiger für 3,5 Millionen Euro von Ronaldo-Klub Cruzeiro.

Und die kurze Bekanntschaft wurde alsbald mehr oder weniger freiwillig intensiviert. Zlatan war nach dem Kauf eines Mercedes SL55AMG knapp bei Kassa, der Kühlschrank leer, da fiel ihm der nette Brasilianer vom Flugplatz wieder ein. „Maxwell, ich krieg hier die Krise, ich habe nicht einmal Cornflakes im Haus. Kann ich bei dir wohnen?“

Der Beginn einer dreiwöchigen Wohngemeinschaft und einer jahrelangen Freundschaft.

Zlatan schlief auf einer Matratze am Boden, in der Freizeit wurde gemeinsam gekocht und über die Heimat erzählt. Auch das Nachtleben wurde zusammen erforscht, obwohl der Brasilianer auf den Schweden nicht wirklich brasilianisch wirkte: „Maxwell war ganz und gar nicht wie die anderen Brasilianer, die ich kennenlernen sollte. Er war kein „party animal“, keiner, der sich regelmäßig auf Feten die Nächte um die Ohren schlagen musste, sondern im Gegenteil, er war unglaublich sensibel, ein Familienmensch, der unentwegt zu Hause anrief.“

Österreichisches Opfer und erstes Wiedersehen

Sportlich fügten sich die beiden nach anfänglichen Anpassungsproblemen in die Mannschaft ein.

Am Ende der Saison stand das Double auf der Habenseite, Zlatan hatte Ajax im Beker-Finale gegen Utrecht per Golden Goal zum Cupsieg geschossen.

Ein Jahr später machte auch ein österreichischer Klub unliebsame Bekanntschaft mit dem schwedisch-brasilianischen Duo. Meister GAK schied in der Champions-League-Qualifikationsrunde 2003/2004 nach einem 1:2 n.V. (Silver Goal) in Amsterdam aus. Den so wichtigen, frühen Führungstreffer erzielte Zlatan per Kopf - nach technisch perfekter Bilderbuchflanke von Maxwell.

Dies sollte die letzte volle gemeinsame Saison der beiden Freunde in der Ehrendivision bleiben. Im Sommer 2004 wechselte Zlatan zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin, Maxwell folgte im Jänner 2006 dem Ruf der Serie A.

Inter Mailand hatte die Fühler nach dem ablösefreien Offensivverteidiger ausgestreckt. Der Brasilianer, der zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Kreuzbandrisses seit April 2005 kein Spiel mehr für Ajax bestritten hatte, wurde allerdings wegen der EU-Ausländer-Beschränkung zunächst an Empoli verliehen, ehe er im Sommer 2006 in den Kader der „Nerazzurri“ stieß. Gleichzeitig mit wem?

Richtig, Zlatan Ibrahimovic, der die zwangsabgestiegene „Alte Dame“ verließ. Die beiden Freunde waren damit zum ersten Mal wiedervereint, die Amsterdamer Kühlschrank-Misere wurde gleich wieder Thema: "Hör mal, du, verfolgst du mich?"- „Jemand muss doch dafür sorgen, dass du Cornflakes im Haus hat.“

Maxwell erkämpfte sich nach seiner Reha im Verlauf der ersten Saison einen Stammplatz auf der linken Defensivseite. 2007/2008 stellte er sogar seine Flexibilität unter Beweis, als er auch im linken Mittelfeld durch gute Leistungen bestach. Sein schwedischer Freund schwärmte: „Ich glaube, ich kenne keinen eleganteren Spieler. Er ist der offensive brasilianische Verteidiger, der es wagt, tief hinten im Rückraum schön zu spielen und oft genieße ich es einfach nur, ihm zuzuschauen.“ Und auch die zweite Maxwell-Zlatan-Ära war ein voller Erfolg, drei Scudetti in Folge wurden eingeheimst.

Unglückliche Barcelona-Zeit

2009 standen dann die Zeichen erneut auf Veränderung, insbesondere Zlatan suchte eine neue Herausforderung, in Form von niemand geringerem als dem damaligen regierenden Champions-League-Sieger FC Barcelona.

Doch der Deal zog sich für den Schweden in die Länge, so präsentierten die Katalanen in der Zwischenzeit einen anderen Neuzugang für ca. 4,5 Millionen Euro: Maxwell.

Ibrahimovic dazu: „Dieser verfluchte Maxwell. Er ist zwar der netteste Kerl auf der Welt, aber dadurch trieb er mich in den Wahnsinn.“

Schlussendlich klappten beide Transfers: Ab Sommer 2009 standen die zwei Kumpels gemeinsam beim FC Barcelona unter Vertrag.

Trotz standesgemäßem Pflichtspieldebüt - Maxwell legte Ibrahimovic im Super-Copa-Finalhinspiel gegen Sevilla das Führungstor auf - wurden beide aber in Spanien nicht so wirklich glücklich.

Zlatan floh nach Streitigkeiten mit Trainer Pep Guardiola bereits nach einem Jahr zum AC Milan. Maxwell konnte (mit Ausnahme der Rückrunde 2010, als er den verletzten Abidal ersetzte) gegen die starke Konkurrenz auf Dauer keinen Stammplatz behaupten.

Immerhin konnte der Brasilianer seine Titelsammlung erweitern. Neben zwei Meistertiteln und dem spanischen Cup vollbrachte er auch das Kunststück, die Champions League zu gewinnen, was seinem schwedischen Freund bis heute nie gelang.

Deja-vu in Paris

Nichtsdestotrotz verließ Maxwell nach 89 Pflichtspieleinsätzen für Barca die iberische Halbinsel.

Der neureiche französische Hauptstadtklub, Paris St. Germain, klopfte im Jänner 2012 an, der Brasilianer kostete diesmal 3,5 Millionen Euro Ablöse und unterschrieb für drei Jahre.

Nur ein halbes Jahr später kam „Stalker“ Ibrahimovic nach. Die dritte Wiedervereinigung in gut 10 Jahren war perfekt und hält bis heute an.


Und nach all den gemeinsamen Jahren hat auch die Kameradschaft ein neues Level erreicht, wie Maxwell gegenüber uefa.com offenbart: „Es startete als Freundschaft zweier Junggesellen, heute ist er wie ein Bruder für mich, die Familienmitglieder gehören zum Freundeskreis dazu. Also denke ich, wird die Freundschaft auch über die Fußballkarrieren hinaus bestehen bleiben!“

Zlatan gibt das Kompliment gerne zurück: „Einfach durch und durch sympathisch, und wenn ich etwas Schlechtes über ihn sagen soll, dann, dass er zu nett ist. Ich wundere mich zuweilen darüber, dass er so gut geworden ist. So nette Burschen setzen sich in der Regel im Fußball nicht durch.“

Aber vielleicht ist ja gerade dies das Geheimnis der Freundschaft: Das schwedische Enfant terrible und der ruhige Brasilianer.

Momentan stehen die Chancen jedenfalls gut, dass beide Spieler Paris noch zumindest ein Jahr länger erhalten bleiben. Zlatan hat Vertrag bis 2016, derjenige von Maxwell läuft zwar im Sommer aus, soll aber unmittelbar vor der Verlängerung stehen, wie Agent Mino Raiola französischen Medien verrät: „Der Kontrakt muss nur noch unterschrieben werden.“

Hört sich ganz nach einem weiteren Kapitel der Freundschaft Maxwell und Ibrahimovic an. Bis der Brasilianer als Vorkoster zum nächsten Klub geschickt wird.

 

Andreas Gstaltmeyr

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