Kopfsache! Keine Champions League, kein Beric?

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Plötzlich war alles ganz anders.

Statt der zum Greifen nahen Champions League bleibt für Rapid nur das Trostpflaster Europa League.

Dabei hätte der Goalgetter vom Dienst alles entscheiden können – wer auch sonst? Es war diese verhängnisvolle 90. Minute, in welcher ein tragischer Held geboren wurde: Robert Beric.

Der 24-jährige Slowene hätte einmal mehr zu Rapids Trumpf werden können. Ausgerechnet sein Fehlversuch könnte für die Hütteldorfer nun aber doppelt bitter werden.

Keine Champions League, kein Beric?

"Ich würde alle meine Tore gegen dieses eine eintauschen“, war Beric am Boden zerstört. Sein vergebener Kopfball aus völlig freier Position wird ihn wohl noch im Schlaf verfolgen.

Normalerweise versenkt der Stürmer Bälle wie diese, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Dieses Mal kostete der vergebene Matchball, den Trainer Zoran Barisic schon drin sah, Rapid Millionen.

Keine Champions League, kein Beric? So wurde es im Vorfeld der Partie vermutet. Nicht umsonst betonte Sportdirektor Andreas Müller in den vergangenen Wochen bei LAOLA1, dass die Königsklasse das beste Argument wäre, um den Topscorer zu halten.

So muss Rapid möglicherweise ohne beides auskommen, und Beric trägt noch dazu eine Teilschuld. Eine verzwickte Lage für den Tabellenführer der Bundesliga.

Wie ein Häufchen Elend

Nur die größten Optimisten glauben daran, dass der Ex-Sturm-Angreifer mit Rapid auch die Europa-League-Saison bestreiten wird.

Reading und St. Etienne gaben bereits Angebote ab, weitere werden im heißen Transferfinish noch folgen – so viel ist garantiert.

Trotz aller Abwanderungsgelüste war Beric nach dem Spiel bei Shakhtar ein Häufchen Elend, am Boden zerstört, den Tränen nahe.

Verständlich war demnach die Antwort auf die Frage, ob dies sein letztes Spiel für Rapid war: „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt.“

Löst CL-Out Abwanderungswelle aus?

Die so souverän in die Saison gestarteten Wiener sehen sich plötzlich in einer völlig neuen Situation. Das gefestigte Konstrukt könnte nicht nur durch einen Beric-Abgang Risse bekommen.

Denn weitere Abgänge könnten folgen. Aus sportlicher Sicht der Spieler, aus finanzieller Sicht des Vereins.

Der Name Louis Schaub geisterte zuletzt durch die Gazetten. Mit einer abgelaufenen Ausstiegsklausel meinte Müller, dass Vereine für ihn tiefer in die Tasche greifen müssten, als noch vor einem Monat. Ausgeschlossen ist dies aber nicht, der HSV wittert seine Chance.

Verein Spiele Tore
SK Rapid 49 33
SK Sturm 42 12
NK Maribor 127 36
NK Ljubljana 41 14
NK Krsko 6 1
Slowenien U21 13 4
Gesamt 278 <span style=\'color: #ff0000;\'>100

 

Danke für diesen Empfang! #UCLPlayOff

Posted by SK Rapid Wien on Dienstag, 25. August 2015

Auch bei Angeboten für weitere Spieler könnte man möglicherweise schwach werden. Denn statt der erhofften 14 Millionen Euro sind es nun „nur“ 5,4 Millionen.

"Die Spieler haben in Europa für Aufsehen gesorgt und sich für andere Klubs interessant gemacht, aber so soll es auch sein. Es wäre schlimm, wenn wir schlecht wären und keiner unsere Spieler haben will“, ging Barisic auf dieses unangenehme Thema ein.

„Robert ist ein wichtiger Bestandteil davon“

Konkret ist es vorerst aber nur im Fall Beric. Trainer Barisic und der sportliche Leiter Müller verweisen darauf, dass bis zum 31. August noch alles möglich ist und ein Wechsel nicht ausgeschlossen werden kann. Trotzdem will man ihn mit einer Vertragsverlängerung bis 2019 und aufgebesserten Konditionen von einem Verbleib überzeugen.

Bei Geschäftsführer Christoph Peschek hört man die Hoffnung heraus: „Wir werden uns auf jeden Fall darum bemühen. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie zu ganz Großem fähig ist, und da ist Robert ein wichtiger Bestandteil.“

Bis Ende der Woche soll es eine Entscheidung geben, damit Rapid im Fall der Fälle auch vorsorgen kann. Bereits am Freitag erfahren die Hütteldorfer, gegen wen es in der Europa League geht – mit oder ohne den besten Torschützen.

Nach dem ersten verdauten Schock werden alle Beteiligten bemüht sein, die CL-Enttäuschung beiseite zu legen und wieder nach vorne zu blicken.

„Jetzt rocken wir halt die Europa League“

Durch das Erreichen des Playoffs kassierte Rapid bereits drei Millionen Euro, als Startgeld für die EL-Gruppenphase kommen 2,4 Millionen dazu. Zusätzlich würde jeder Sieg 360.000 und jedes remis 120.000 Euro in die Kassen spülen.

„Es ist für dieses Geschäftsjahr sehr gut. Aber das Geld ist für mich gar nicht das Primäre. Wir haben gesehen, dass die Mannschaft unglaubliches Potenzial hat. Jetzt heißt es: Kopf raus aus dem Sand und Vollgas geben in der Europa League“, meinte Peschek.

Barisic‘ Ziel ist es, in dieser erstmals zu überwintern und eine gute Rolle zu spielen. Auch Präsident Michael Krammer ist stolz auf seine Mannschaft. Daran ändert auch das Scheitern auf dem Weg in die Champions League nichts.

„Jetzt rocken wir halt die Europa League. Wir werden dort unseren Mann stehen und zeigen, wo Rapid in Europa steht.“

Sofern das ohne den tragischen Helden Beric und möglicherweise noch anderen Ausreißern umsetzbar ist.



Alexander Karper

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