Aufmacherbild

"Dante hat noch seine Skischuhe an"

Die schlechten Tage des FC Bayern innerhalb einer Spielzeit, kann man im Normallfall locker an einer Hand abzählen. Bitter für die Münchner und ihren Trainer Pep Guardiola, dass man sich seine schlechteste Saisonleistung nun schon zum zweiten Mal in Folge, nach dem 0:4 im Vorjahr gegen Real Madrid, in einem K.o.-Spiel der Champions League leistete.

Eine von haarsträubenden Patzern geprägte Partie gegen den FC Porto bescherte den Deutschen am Mittwochabend eine 1:3-Auswärtsniederlage, die den Einzug in das Halbfinale der Königsklasse in weite Ferne rücken lässt. Große Kritik der Bayern-Bosse war aber nicht auszumachen, stattdessen herrschte vielmehr Verständnis.

Defensive von der Rolle

Die zahlreichen Ausfälle von Leistungsträgern wie Robben, Ribery, Alaba, Schweinsteiger, etc. sind auch für einen FC Bayern nicht ohne Qualitätsverlust zu kompensieren, die Startelf der Münchner konnte sich aber immer noch mehr als sehen lassen.

Dennoch fehlte ohne die angestammte Flügelzange offensiv die Durchschlagskraft und vor allem die Defensive zeigte sich fehleranfällig wie selten zuvor. Die Folge: ein katastrophaler Start in die Partie.

„Das war ein Beginn zum Vergessen. Nach zehn Minuten steht es 2:0, ohne dass der Gegner eine herausgespielte Torchance hatte“, war Thomas Müller nach dem Spiel ratlos. Xabi Alonso sowie Dante vertändelten die Kugel und ermöglichten Porto die ersten beiden Tore, Boateng verschätzte sich in Halbzeit zwei bei einem hohen Ball und „schenkte“ den Hafenstädtern auch noch ein drittes.

„Wissen, dass wir es verbockt haben“

„Wir haben uns das anders vorgestellt. Wir waren nicht so sicher im Passspiel und haben uns kaum Torchancen herausgespielt. Das war das eine Manko. Und das andere die Fehler, die wir gemacht haben. Da wirst du in der Champions League bestraft“, analysierte Manuel Neuer und versicherte: „Wir wissen, dass wir es heute zusammen verbockt haben. Und trotzdem geht es weiter.“

Während man in der Entstehung des Elfmeters zum ersten Treffer noch über ein Foul von Jackson Martinez an Xabi Alonso diskutieren konnte, musste man bei Dante und Boateng von kompletten Aussetzern sprechen. Nicht das erste Mal, dass einem der beiden ein solcher unterlief. Denkbar ungünstig jedoch, wenn das Duo im selben Spiel derart patzt.

 

Vor allem der Brasilianer bestätigte damit, warum er schon länger in der Kritik steht. "Wenn er Isländer oder vom Nordpol wäre, dann würde ich sagen: 'Der hat noch seine Skischuhe an'. Aber er muss doch nur den Ball stoppen", kommentierte Franz Beckenbauer Dantes Bock bei „Sky“ süffisant.

Der „Kaiser“ ließ generell kein gutes Haar am Auftritt der Münchner: "Ich habe heute Abend keinen Bayernspieler gesehen, der Normalform hatte. Es war ein schwarzer Abend. Manchmal spielt der Torwart schlecht oder ein Verteidiger. Aber in diesem Spiel haben sie alle zusammengearbeitet, dass dieses Ergebnis herauskam."

Verständnis bei Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge nahm die Spieler auf dem obligatorischen Bankett indes in Schutz. „Ich tue mir schwer mit der Bewertung dieses Spiels“, meinte der Vorstandsboss und erläuterte: „Auf der einen Seite haben wir große Fehler gemacht, auch nicht gut gespielt. Das muss man selbstkritisch sagen und auch anerkennen. Auf der anderen Seite bin ich auch nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren.“

„Es sind 13, 14 Spieler, die im Moment noch gesund sind – und die seit Wochen dreimal die Woche spielen. Die in Dortmund gefightet haben wie die Verrückten. Die in Leverkusen letzten Mittwoch 120 Minuten und Elfmeterschießen gemacht haben. Die am Samstag gegen Frankfurt gespielt haben – und nun ein paar Tage später hier. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Irgendwann ist dann der Tag, an dem du ein bisschen kaputt bist. Weil du müde bist, weil die Beine schwer sind. Und wo dann auch im Kopf vielleicht die Konzentration ein bisschen fehlt“, zeigt Rummenigge Verständnis.

Trotz der Enttäuschung gab man sich bereits kämpferisch für das nächste Woche anstehende Rückspiel gegen die Portugiesen. Eine Aufholjagd im eigenen Stadion ist das erklärte Ziel.

„Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man in der Lage sein, das wegzustecken“, stellte Matthias Samer klar. Pep Guardiola sprach zwar von einem „komplizierten Ergebnis“, versprach aber: „Wir werden es im Rückspiel mit unseren Fans versuchen und nicht so schnell aufgeben.“

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»