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Atletico folgt dem Stadtrivalen in historisches Finale

Als Atletico Madrid im Herbst dieser Champions-League-Saison die Wiener Austria mit einem Gesamtscore von 7:0 abfertigte, zollte man den unnachgiebigen Madrilenen hierzulande zwar ordentlich Respekt, eine derart beeindruckende Reise konnten sich aber nur wenige vorstellen.

Nach zwölf Spielen sind die „Rojiblancos“ als einziges CL-Team immer noch ungeschlagen und stehen nach dem 3:1-Auswärtserfolg (Gesamtscore 3:1) über den FC Chelsea sogar im Endspiel der Königsklasse.

Diego Simeone, der Vater des Erfolges, der während des Spiels so leidenschaftlich an der Seitenlinie agiert, wie zu seinen besten Zeiten auf dem Platz, erntet mit dem „Derbi madrileno“ nun die Früchte seiner jahrelangen Arbeit.

„Kinder mit großen Eiern“

„Ich gratuliere ihnen, dass sie Kinder mit so großen Eiern zur Welt gebracht haben“, gibt Simeone das Lob in unmissverständlicher Art und Weise an die Eltern seiner Spieler weiter. Auch die beeindruckende Kulisse an der Londoner Stamford Bridge vermochte sein Team nicht einzuschüchtern.

Der 1:0-Rückstand durch den auf einen Torjubel verzichtenden Ex-Madrilenen Fernando Torres war nur ein kurzer Schock für Atletico, das dadurch erst so richtig in Fahrt kam und durch Adrian prompt ausglich.

„Es ist nicht leicht, hier zu gewinnen“, weiß auch Atletico-Mittelfeldmann Tiago. „Chelseas Tor hat nichts verändert. Wir wussten, dass es passieren kann, aber wir wussten auch, dass wir mit einem Tor wieder dabei wären.“

Atletico kommt gut aus der Pause

Auch Simeone wusste, dass das Momentum nun auf seiner Seite war: „Sie nutzten ihre erste Torchance, aber glücklicherweise konnten wir schnell ausgleichen. Das führte dazu, dass wir in der zweiten Spielhälfte so spielen konnten, wie wir es am besten können.“

Und das bedeutete ordentlich Druck auf die nun unter Zugzwang stehenden Londoner aufzubauen, sodass sogar der eben eingewechselte Samuel Eto’o im eigenen Strafraum aushelfen musste und durch ein ungestümes Einsteigen gegen Diego Costa den vorentscheidenden Elfmeter verursachte.

Der stets geladene Sturmtank kämpfte erst wutentbrannt mit dem unebenen Elfmeterpunkt und sah dafür die Gelbe Karte, bevor er den Strafstoß verwandelte und das Spiel endgültig in die gewünschte Bahn lenkte.

„Bitter, wenn man ein Halbfinale verliert“

Jose Mourinho hingegen muss zum vierten Mal in Folge die Segel im Halbfinale der Königsklasse streichen. Nach drei erfolglosen Anläufen mit Real Madrid scheitert „The Special One“ nun auch mit seiner wahren Liebe, dem FC Chelsea.

Obwohl der Portugiese damit weiterhin auf seinen dritten CL-Titel warten muss, beweist er sich als fairer Verlierer.

„Es ist immer bitter wenn man ein Halbfinale verliert. Das Spiel war lange ausgeglichen. Der Knackpunkt war, als Courtois gegen Terry gehalten hat und im Gegenzug der Elfer passiert ist. Danach war Atletico mehr von sich überzeugt. Es war ein verdienter Sieg."

Zur Krönung schloss Arda Turan noch einen Doppelpass mit der Latte zum 1:3 aus Sicht der Gastgeber ab – die Stamford Bridge hatte schon bessere Tage erlebt.

Eine Stadt fährt nach Lissabon

Ein Jahr nach dem deutschen Finale hat der größte Bewerb im Klubfußball nun also sein Spanisches. Und das mit einer Premiere, denn noch nie zuvor in der Geschichte der Königsklasse kämpften zwei Vereine aus derselben Stadt um den begehrten „Henkelpott“.

„Wir werden das Finale genießen, denn diese Möglichkeit bekommst du nicht oft. Wir werden alles dafür tun, um zu gewinnen. Die UEFA Champions League ist etwas Besonderes, aber gegen Real wird es sogar noch spezieller“, weiß Diego Costa, der mit Reals Innenverteidigern Sergio Ramos und Pepe schon einige hitzige Privatduelle hinter sich gebracht hat.

Auch für Linksverteidiger Filipe Luis kann es am 24. Mai in Lissabon nur ein Ziel geben: „Real Madrid ist derzeit meiner Meinung nach das beste Team Europas, der härteste Gegner, den wir haben könnten. Aber, bei allem Respekt werden wir natürlich versuchen zu gewinnen.“

Folgt jetzt die Kür?

Während Atletico mit dem ersten Meisterpokal-Finaleinzug seit 1974 aber schon weit über den eigenen Erwartungen steht, liegt der Druck im Endspiel klar auf Seiten Real Madrids.

Das weiße Ballett wartet seit mittlerweile zwölf Jahren auf den zehnten Titelgewinn in dem Bewerb und macht naturgemäß auch keinen Hehl daraus, endlich ans Ziel der königlichen Träume zu kommen.

Atletico hingegen kann mit einem Triumph über Real ein Stück Fußballgeschichte schreiben, über das in der spanischen Hauptstadt noch sehr lange geredet werden würde.

Nicht auszudenken, wenn ausgerechnet der oft belächelte kleine Bruder neben dem möglichen Titelgewinn in der Liga auch der Mission „La Decima“ einen Strich durch die Rechnung macht.

Vorerst steht für beide Teams aber das Liga-Finale auf dem Programm. Am Sonntag gastiert um 17:00 Uhr Atletico bei Levante, bevor Real um 21 Uhr den FC Valencia im Bernabeu-Stadion empfängt. Beide Partien sehen Sie LIVE bei LAOLA1.tv.

 

Niki Riss

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