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Ist der FC Barcelona das beste Team aller Zeiten?

Ehe der FC Barcelona seinen Kampf um den Spanischen Supercup fortsetzt, gilt es einer Frage nachzugehen, über deren Antwort Experten seit geraumer Zeit rätseln.

Mit dem Triumph in der Champions League 2010/2011 unterstrich der katalanische Spitzenklub seinen Anspruch auf den Titel "Bester Verein der Gegenwart".

Angesichts der namhaften Verstärkungen - ob sie nun Fabregas oder Sanchez heißen - fürchten Gegner gar eine weitere Leistungssteigerung.

Dominanz im CL-Finale

Die Gala-Vorstellung Barcas gegen Manchester United veranschaulichte die aktuelle Konkurrenzlosigkeit selbst auf europäischem Terrain.

Selten war die Dominanz eines Teams im CL-Finale so offensichtlich. Selten wurde eine Mannschaft vom Format des englischen Rekordmeisters derart vorgeführt.

Fußball-Feinschmecker geraten angesichts von schier endlosen Ballstaffetten und technischen Einlagen auf Höchstniveau ins Schwärmen und finden kaum Superlative, um diese Freude in Worte zu fassen.

Nicht selten wurde die Elf um Trainer Pep Guardiola im Rausch der Begeisterung als "Beste Mannschaft aller Zeiten" gepriesen.

Derartige Titulierungen sind stets subjektiv und äußerst schwer zu belegen.

LAOLA1 hat dennoch versucht, das katalanische Star-Ensemble vor seinem Angriff auf die CL-Titelverteidigung mit den erfolgreichsten Europacup-Teams zu vergleichen und ist dabei auf interessante Parallelen gestoßen.

 

FC Barcelona 2008 - ?

Den Beginn der Untersuchung macht der Herausforderer auf den Titel „Beste Mannschaft aller Zeiten".

Der FC Barcelona weiß seit Jahren mit berauschendem Offensiv-Fußball zu begeistern. Der erste Champions-League-Triumph fiel dabei noch unter die Ära Rijkaard-Ronaldinho. Im Sommer 2006 krönte sich eine Elf um den brasilianischen Superstar in Paris zu den Königen Europas und feierte nach dem Sieg im Pokal der Landesmeister 1992 den zweiten Erfolg auf höchster Klub-Ebene.

Aber erst drei Jahre später unter dem aktuellen Coach Pep Guardiola formte sich ein Team, das Anspruch auf Perfektion erheben kann. Perfektion, die man selbst kreiert hat. Acht Stammspieler durchliefen die eigene Nachwuchs-Akademie "La Masia". Diese Mannschaft rund um Superstar Lionel Messi gewann in den Jahren 2009-2011 drei Mal in Folge die spanische Meisterschaft und brach dabei nahezu alle bestehenden Rekorde.

Kritiker, die diese Erfolge mit zu schwachen Gegnern in der heimischen Primera Division erklären, verstummen spätestens bei einem Blick auf die vergangenen Champions-League-Saisonen. Auch auf der europäischen Bühne feierte man in steter Regelmäßigkeit Spektakel.

In den letzten vier Jahren kamen die Katalanen jeweils unter die besten vier Mannschaften Europas. 2008 und 2010 scheiterte man knapp am späteren Sieger, 2009 und 2011 holte man die begehrte Trophäe mit den großen Ohren nach Barcelona. Dass mit dem Finalgegner in beiden Jahren, Manchester United, selbst eine der erfolgreichsten Mannschaften aller Zeiten geschlagen wurde, unterstreicht lediglich die Bedeutung der Titel.

Erfolge national:
Meister 2009, 2010, 2011; Cupsieger 2009
Erfolge international:
CL-Sieger 2009, 2011; CL-Halbfinale 2008, 2010
Stars des Teams:
Lionel Messi, Xavi, Andres Iniesta

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AC Milan 1988 - 1990

Van Basten und Gullit, zwei der drei "großen" Holländer

Das letzte Team, das zwei Mal in Folge im Turnier der Meister-Mannschaften Europas die Oberhand behalten konnte, war der AC Milan. 1989 und 1990 triumphierten die "Rossoneri" im Pokal der Landesmeister, dem Vorgänger der Champions League.

Kernstück einer Erfolgself mit den italienischen Internationalen Maldini, Donadoni, Ancelotti, Costacurta und Baresi war das niederländische Trio Gullit - Rijkaard - van Basten. Hier lässt sich sogleich die erste Parallele zu den aktuellen Barca-Stars ziehen, belegten doch 1988 eben genannte, und somit erstmals drei Spieler des selben Teams, die ersten drei Plätze bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres. Ein Kunststück, das im Jahr 2010 von Messi, Xavi und Iniesta wiederholt wurde.

Das Milan-Team unter Trainer Arrigo Sacchi zeichnete sich durch seine offensive Spielweise aus, die immer wieder zu regelrechten Kantersiegen führte. Im Halbfinale des Pokals der Landesmeister wurde Real Madrid mit 5:0 nach Hause geschickt, ehe im Finale Steaua Bukarest rund um Karpaten-Maradona Gheorghe Hagi mit 4:0 geschlagen wurde. Ein Jahr später hatte Benfica Lissabon im Wiener Praterstadion mit 0:1 das Nachsehen.

Was dem "holländischen Milan" im Vergleich zum FC Barcelona fehlte, war die nationale Dominanz. Der Scudetto ging in den Jahren 1989 an Lokalrivalen Inter und 1990 an den SSC Neapel. Erst 1992 bis 1994 setzte eine unter Trainer Fabio Capello veränderte, weil defensiver, spielende Milan-Elf zu einer Serie an, die 1994 auch mit dem ersten Erfolg in der Champions League gekrönt wurde. Da waren die Holländer aber längst wieder abgezogen.

Erfolge national:
Meister 1988
Erfolge international:
Pokal der Landesmeister 1989, 1990
Stars des Teams:
Marco van Basten, Ruud Gullit, Frank Rijkaard

FC Liverpool 1976 - 1981

Dass der FC Liverpool mit fünf Meistercup-Titeln unmittelbar vor den Katalanen liegt, resultiert zu einem großen Teil aus der Ära Bob Paisley. Der 1996 verstorbene Engländer war unmittelbarer Nachfolger von Bill Shankly an der Anfield Road und setzte dessen Kurs nach der Beförderung vom Co- zum Cheftrainer fort. Noch heute erinnern die Eingangstore "Shankly Gates" und "Paisley Gates" zur Liverpool-Heimstätte an die Väter des Erfolges.

Dieser manifestiert sich in einer Unzahl nationaler und internationaler Titel. In den untersuchten Zeitraum fallen vier Meistertitel, ein UEFA-Cup-Sieg sowie drei Triumphe im Pokal der Landesmeister. Paisley ist bis heute der einzige Trainer, der drei Mal den wichtigsten Bewerb im europäischen Klub-Fußball gewinnen konnte. Ein Highlight auf nationaler Ebene war die Saison 1978/79, als man in 42 Spielen nur 16 Gegentore kassierte. Der Hauptverdienst hierfür gilt Langzeit-Keeper und Hall-of-Famer Ray Clemence.

Der Torhüter ist neben Ray Kennedy, Terry McDermott, Jimmy Case und Phil Neal einer von fünf Liverpool-Akteuren, die in allen drei Landesmeister-Pokalfinali auf dem Feld standen. Die Rolle des Starspielers bei den "Reds" wurde hingegen von zwei sich abwechselnden Stürmern ausgefüllt. Waren die Tore Kevin Keegans noch für die ersten beiden europäischen Titel verantwortlich, etablierte sich nach dessen Abgang 1977 zum HSV Kenny Dalglish im Sturmzentrum. Der heutige Liverpool-Coach erzielte bei seinem ersten europäischen Pokal-Triumph 1978 das entscheidende 1:0 gegen den FC Brügge.

Um in Pep Guardiolas Fußstapfen zu treten und auch als Coach den "Coupe des Clubs Champions Européens" in die Luft zu stemmen, wird es allerdings noch ein Weilchen benötigen.

Erfolge national:
Meister 1976, 1977, 1979, 1980
Erfolge international:
UEFA-Cup 1976; Pokal der Landesmeister 1977, 1978, 1981
Stars des Teams:
Kevin Keegan, Kenny Dalglish

FC Bayern 1972 - 1976

Champions bei den Bayern und im DFB-Team

Wer sich auf die Suche nach den besten Teams aller Zeiten begibt, kommt auch um den großen FC Bayern München nicht herum. Dass sich der deutsche Traditionsverein dieses Adjektiv verdient, liegt vorwiegend an den Erfolgen der 70er Jahre.

Nicht nur auf Vereinsebene, auch im Dienste des Nationalteams machten die Bayern-Spieler den Weißwurst-Äquator zum Mittelpunkt der Welt. So wie Barcas Xavi, Iniesta oder Puyol das Herz des spanischen Nationalteams beim Gewinn der EM 2008 bzw. der WM 2010 bildeten, waren dies 36 Jahre zuvor die Herren Maier, Beckenbauer und Müller für Deutschland. Gemeinsam mit Schwarzenbeck, Breitner und Hoeneß standen insgesamt sechs Bayern-Akteure in der 1972 und 1974 erfolgreichen DFB-Elf.

Der nunmehrige deutsche Rekordmeister verfügte mit Franz Beckenbauer, der den Libero-Posten spielerisch neu definierte, über einen der besten Spieler aller Zeiten und mit Gerd Müller im Sturm über einen der torgefährlichsten. Dazu bewies Trainer Udo Lattek ein Händchen für Talente und formte aus 18-jährigen Neuverpflichtungen (1970 Breitner, Hoeneß und 1974 Rummenigge) weitere Star-Spieler. Diese Mannschaft gewann 1972-1974 drei Mal die deutsche Meisterschaft und 1974-1976 drei Mal in Folge den Pokal der Landesmeister.

Während die Münchner ihr Supremat in Europa behaupten konnten, wurde im Jahr 1975 mit Platz zehn das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Bundesliga-Geschichte engefahren. Dass mit Borussia Mönchengladbach der zweite "Groß-Lieferant" an deutschen Nationalspielern in Folge zum Serienmeister wurde, erinnert ebenso an den FC Barcelona und sein Pendant aus Madrid.

Erfolge national:
Meister 1972, 1973, 1974
Erfolge international:
Pokal der Landesmeister 1974, 1975, 1976
Stars des Teams:
Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier

Ajax Amsterdam 1970 - 1973

Totaler Fußball war ihr Markenzeichen. Totaler Erfolg ihr Vermächtnis. Das Ajax-Team rund um Johan Cruyff gewann zu Beginn der 70er Jahre so ziemlich alles, was es zu gewinnen gab. Drei Mal Meister, drei Mal Cupsieger und drei Mal Sieger im Pokal der Landesmeister sprechen eine deutliche Sprache. Alles überstrahlend ist das Jahr 1972, als man zusätzlich den Europäischen Supercup und den Weltpokal in die Grachtenstadt holte.

Dass den holländischen Stars in Reihen des Amsterdamer Renommier-Klubs nicht auch im Oranje-Dress der große Wurf gelang, lag, wie weiter oben beschrieben, an Deutschland. Im Finale der WM 1974 drehten Breitner und Müller die 1:0-Führung der Niederlande durch Neeskens zum 2:1-Sieg im Endspiel von München.

Selbst der Abgang von Erfolgstrainer Rinus Michels nach der Saison 1971 brachte die Erfolgswelle nicht zum Verebben. Viel mehr genossen die Ajax-Stars unter Nachfolger Stefan Kovacs größere Freiheiten, was dem Offensiv-Fußball weiter dienlich war.

Das Ende der Erfolgsserie folgte erst mit dem Abgang Cruyffs im Sommer 1973, der Michels zum FC Barcelona folgte. "König Johan" war es schließlich, der die Katalanen zum lange ersehnten Meistertitel 1974 führte und Jahre später die Idee des "totaalvoetbal" bis in die Jugendabteilungen injizierte. Der aktuelle Titelträger in der Champions League ist so betrachtet also eine weiterentwickelte Version des Ajax-Teams aus den 70ern.

Erfolge national:
Meister 1970, 1972, 1973; Cupsieger 1970, 1971, 1972
Erfolge international:
Pokal der Landesmeister 1971, 1972, 1973
Stars des Teams:
Johan Cruyff, Johan Neeskens, Johnny Rep

Real Madrid 1955 - 1960

Kopa, Rial, Di Stefano, Puskas und Gento (v.l.)

An Erfolgen im Pokal der Landesmeister gemessen, kann es eigentlich nur einen Sieger im Kampf um das beste Team aller Zeiten geben: Real Madrid. In den ersten fünf Editionen des 1955 von der französischen "L'Equipe" initiierten Wettbewerbs triumphierten die Madrilenen ebenso viele Male, ehe im Jahr 1960 ausgerechnet der FC Barcelona (damals als CF Barcelona) den Siegeslauf stoppen konnte.

Die Premierenjahre des bedeutendsten Vereins-Wettbewerbs der Welt waren sogleich die Geburtsstunde des weißen Balletts. Rund um den argentinischen Ausnahme-Fußballer Alfredo Di Stefano scharte Real-Präsident Santiago Bernabeu eine Mannschaft, die lange Zeit ihres Gleichen suchte. Eindrucksvollstes Zeugnis der madrilenischen Offensiv-Kraft war das legendäre 7:3 im Finale des Pokals der Landesmeister 1960 gegen Eintracht Frankfurt. Drei Tore erzielte "La Saeta Rubia" (der blonde Pfeil) selbst, vier sein kongenialer ungarischer Angriffspartner Ferenc Puskas.

Auf nationaler Ebene sank der Stern des weißen Ballets bereits früher. 1959 und 1960 hatte man hinter dem Erzrivalen aus Barcelona das Nachsehen. International konnte man 1966 noch einmal triumphieren, ehe eine 32-jährige Trockenperiode hereinbrach. Die ungeheure Dominanz zu Ende der 50er Jahre verhalf dem Klub aber schlussendlich auch zum von der UEFA im Jahr 2000 verliehenen Titel "Bester Fußballklub des 20. Jahrhunderts".

Man darf getrost erwarten, dass es eines der Ziele des FC Barcelona ist, diesen Titel für das 21. Jahrhundert verliehen zu bekommen.

Erfolge national:
Meister 1955, 1957, 1958
Erfolge international:
Pokal der Landesmeister 1956, 1957, 1958, 1959, 1960
Stars des Teams:
Alfredo Di Stefano, Ferenc Puscas, Francisco Gento

Christian Eberle

 

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