Winter-Check: FC Wacker Innsbruck

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Ein Schritt vorwärts und zwei zurück.

Nach den Endrängen sechs und sieben in den letzten beiden Saisonen steckt der FC Wacker Innsbruck vor dem Frühjahr 2013 als Tabellenletzter mitten im Abstiegskampf.

Zunächst sah es mit drei Punkten nach elf Runden schon sehr düster aus. Einem Trainerwechsel und schwächelnder Konkurrenz aus Wiener Neustadt und Maria Enzersdorf sei es verdankt, dass der Abstiegskampf offen gehalten werden konnte. Den möglichen Vorteil bei Punktegleichheit nahm sich der Klub aber beim Abbruch gegen Sturm selbst.

Große Verstärkungen über die Winterpause waren finanziell nicht realisierbar. Geht sich der Klassenerhalt dennoch aus? Oder gibt es die endgültige Entscheidung darüber ohnehin erst bei der Lizenzvergabe?

LAOLA1 hat die große Frühjahrsvorschau für den FC Wacker Innsbruck:



UNTER DRUCK:

Carlos Merino: Angesichts nur 16 Toren nach 20 Spielen kann man zweifelsfrei feststellen, dass der Tiroler Kreativabteilung im Herbst herzlich wenig eingefallen ist. Hauptverantwortlich dafür ist Carlos Merino. Der Spanier war seit dem Wiederaufstieg der Tiroler Denker und Lenker. So wie viele seiner Kollegen suchte er im Herbst aber verzweifelt nach seiner Form. Nur zwei Assists sprechen Bände. Noch dazu kam keiner davon aus dem Spiel heraus. Im Frühjahr ist seine Rolle als Routinier mehr gefragt denn je, will man die Rote Laterne nach 36 Runden einem anderen Klub umhängen.

Christoph Saurer: Die Erwartungen waren groß, als der 27-Jährige im Sommer von Rapid an den Inn wechselte. Nicht im geringsten sollte er sie erfüllen. Kein Treffer, ein Assist. Ebenso ein Experiment als Rechtsverteidiger ging schief. Auch auf der zentralen Position herrscht, etwa in punkto Zweikampfstatistik, noch Aufholbedarf. Lediglich in einer Tabelle ist Saurer hinter Roman Wallner top. Den Fouls.

SCHLÜSSELSPIELER:

Roman Wallner: Mit drei Treffern im Herbst stünde er wohl bei jedem anderen Klub stark in der Kritik. Bei Wacker ist Wallner damit dennoch der erfolgreichste Angreifer. Dass es der 31-Jährige auch noch besser kann, steht wohl außer Zweifel. Dazu kommt, dass ein Typ wie er, vorausgesetzt er bleibt Herr seiner Emotionen, die Innsbrucker nach vorne peitschen kann.


Szabolcs Safar: Das Bussi von Roland Kirchler nach dem 1:0-Sieg gegen Ried spürt der ungarische Ruhepol zwischen den Pfosten vielleicht noch immer. Es spricht zwar nicht für eine Mannschaft, wenn der beste Spieler des Herbstes der Goalie ist, auf Szabolcs Safar trifft es aber mehr als zu. Nachdem die Defensive kaum aufgebessert wurde, muss Wacker darauf hoffen, dass der 38-Jährige im Frühjahr nur annährend so gut aufgelegt ist wie bisher.

Nachdem das nötige Kleingeld für einen namhaften Neuzugang in der Winterpause fehlte, muss man sich in Innsbruck tunlichst darum kümmern, die im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern. Auch wenn das aufgrund der unsicheren Ligazugehörigkeit kein einfaches Unterfangen werden dürfte. Fakt ist, dass im Sommer zwölf Verträge auslaufen. Darunter beide Torleute, drei Viertel der Stammabwehr und die offensiven Leistungsträger Merino und Schreter. Eine gute Gesprächsbasis führt da wohl nur über ein erfolgreiches sportliches Abschneiden. Steigt der Traditionsverein nach zwei Spielzeiten in der Bundesliga wieder ab, droht der totale Zerfall. Dazu kommt die wirtschaftlich angespannte Situation. Das negative Eigenkapital wurde zwar wieder kleiner, beim Lizenzierungsverfahrung im April ist aber wohl ein hartes Match zu erwarten.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Lukas Hinterseer (Vienna) Fabian Hafner (SV Grödig)
Sebastian Siller (SV Grödig) Marcelo Fernandes (Vertrag aufgelöst)

Das sagen unsere Facebook-User: Wir haben unsere Facebook-User befragt, welche Platzierung Wacker in der Endtabelle erreicht. Eine überwiegende Mehrheit traut den Innsbruckern den Klassenerhalt zu.

Was erreicht der SC Wiener Neustadt? Stimme hier ab!

Christian Schilling spielte sich gegen Ende des Herbstes in die Startelf und machte dabei gute Figur auf der linken Seite. Setzt Trainer Roland Kirchler auch im Frühjahr auf den 21-Jährigen, dürfte sein Marktweit, nach soliden ersten Noten, weiter steigen. Derzeit ist er mit 3,79 Millionen ein echtes Schnäppchen.

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WACKER STEIGT UNGEACHTET DER SPORTLICHEN ERGEBNISSE AB

PRO - Ein Kommentar von Andreas Terler

Eigentlich ist es für den 1913 gegründeten FC Wacker Innsbruck ein Jubeljahr. Zum Feiern ist aber am Tivoli niemandem so recht zumute. In einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" gab der scheidende Präsident Kaspar Plattner im Dezember an, dass man für diese Saison, trotz Privatspenden des 73-Jährigen, schon mit 300.000 Euro in der Kreide steht. Auch ein Konkursverfahren soll man schon angedacht haben. Manager Gerald Schwaninger relativierte diese Zahlen zwar, das macht die Situation aber nur ungleich besser. Auf die sportliche Misere konnte man im Winter nicht mehr reagieren. Erste-Liga-Klub Altach hatte für Boris Prokopic mehr zu bieten als Wacker, was nicht nur Trainer Roland Kirchler sauer aufstieß. Der Zuschauerschwund setzt sich fort und dass die Politik vor den Wahlen im April Geld locker macht, ist wohl nur ein frommer Wunsch im Heiligen Land. Und da gibt es auch noch den Fall des "FC Lustenau", der sich aufgrund anhaltender Geldprobleme in den Amateurbetrieb zurückzuziehen wird. Die Bundesliga beteuerte zwar, dass sie nicht die wirtschaftliche Verantwortung der Klubs trägt. Es erschiene aber nur sinnvoll die Causa FCL zum Anlass zu nehmen, um die Lizenz-Kriterien noch einmal zu verschärfen. So verwundert es kaum, dass man in Innsbruck jetzt schon Bauchweh hat, wenn man an den 30. April denkt.

CONTRA - Ein Kommentar von Martin Wechtl

Zugegeben, Wacker hat schon rosigere Zeiten gesehen. Die Tiroler kämpfen sowohl sportlich, als auch wirtschaftlich ums Überleben. Ob der Innsbrucker Traditionsverein am Rasen den Klassenerhalt schaffen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden - schließlich sind noch 16 Runden, in denen alles möglich ist, ausständig. Auch die Lizenzierung im April wird eine Zitterpartie. Ich gehe jedoch davon aus, dass es zumindest in diesem Fall ein Happy End geben wird. Woher meine Zuversicht kommt? 122.945 Euro Gewinn weist die Bilanz 2011/12 des FC Wacker auf, womit das negative Eigenkapital auf 980.024 Euro vermindert wurde. Man ist also auf dem richtigen Weg, um die Altlasten los zu werden. Zudem ist die aktuelle Mannschaft „billig“. 2013 feiert der Klub sein 100-jähriges Bestehen – und da wird sich doch wohl der eine oder andere Geldgeber finden, um die Probleme mit der Sponsorenakquisition aus der Welt zu schaffen…

Platzierung Prozent Sommer-Ergebnis
1 8,3 7,7
2-4 4,2 12,4
5-7 12,5 57,2
8-9 62,5 20,1
10 12,5 2,6



  • 10 - So viele Gegentore bekam Wacker Innsbruck in der letzten Viertelstunde. Das sind ligaweit die meisten. Dafür gelangen den Tirolern auch ihre meisten Treffer in der Schlussphase, nämlich fünf.
  • 782 - Das ist die stolze Zahl der langen Bälle, die Wacker im Herbst gespielt hat. Es sind die drittmeisten der Liga. Allerdings hatten nur 282 davon den richtigen Adressaten, was wiederum die zweitschlechteste Quote darstellt.
  • 362 - Die Zahl der begangenen Fouls. Es sind ligaweit die zweitmeisten. Ein Zeichen für Zweikampfstärke ist das aber nicht. Bei den defensiven Duellen am Boden ist Wacker nämlich Schlusslicht.
  • 139 - Auf Schüsse aus der Distanz vertraut man. Es ist sogar um einer mehr als die Austria. Immerhin vier Mal gingen die Versuche dann auch ins gegnerische Tor.
  • 40 - So oft hat Marcel Schreter einen Torschuss vorbereitet. Der Routinier war damit mit Abstand fleißigster Assistgeber seiner Mannschaft.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Der Hunderter wird für Wacker Innsbruck zum Schicksalsmatch. Die erste Hälfte wird am Rasen ausgetragen. Dort hat Roland Kirchler mit seinen Tugenden schon bewiesen, dass er der richtige Mann für diese Truppe sein kann. Findet auch manch Routinier wieder ganz zurück in die Spur, ist dem FCW der Klassenerhalt mit seinem Umfeld und den Fans eher zuzutrauen, als etwa Wiener Neustadt. Bringt man das Wacker-Schiff sportlich auf Kurs, ist man auch in der zweiten Hälfte am grünen Tisch besser aufgestellt, wenn es im Frühjahr um die Lizenzverteilung geht. Sicher ist: Im Jubiläumsjahr muss beim FC Wacker der ganze Verein kräftig in die Hände spucken, damit der runde Geburtstag nicht zur traurigen Erinnerung wird.

 

Andreas Terler

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