Winter-Check: SK Rapid Wien

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Winter-Check: SK Rapid Wien

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Dass Rapid nach der Herbstsaison unter den Top drei zu finden ist, ist wenig überraschend. Dass der Rückstand auf Spitzenreiter Austria allerdings schon zehn Punkte beträgt, konnte keiner zuvor ahnen.

Den Meistertitel hält man in Hütteldorf für nicht mehr realistisch, an der Qualifikation für den Europacup sollte es aber keine Zweifel geben.

Die Strapazen der Hinrunde haben sich schlussendlich doch ausgewirkt. 33 Pflichtspiele binnen weniger Wochen und Monate haben ihre Spuren hinterlassen.

Zudem gesellte sich Verletzungspech und der längere Ausfall von Spielmacher Steffen Hofmann.

Im Frühjahr können sich die Hütteldorfer nun wieder voll auf die Meisterschaft konzentrieren und nach punktuellen Verstärkungen aus dem Vollen schöpfen.

Die Ausgangslage ist nichts Neues. Rapid geht als Jäger ins Rennen, denn Platz zwei - und damit ein CL-Quali-Platz - ist mit drei Punkten Rückstand auf Salzburg im Bereich des Möglichen.

LAOLA1 hat die große Frühjahrsvorschau für den SK Rapid Wien:



UNTER DRUCK:

Markus Katzer: Einige Jahre konnte dem Linksverteidiger kaum jemand bei Rapid Paroli bieten, sein Stammplatz war gesichert. Im Herbst wendete sich das Blatt des mittlerweile 33-Jährigen. Während er zu Saisonbeginn gesetzt war, verlor er den Platz in der Viererkette mit der Zeit immer mehr an Thomas Schrammel. Nun muss der im Oktober zum zweiten Mal Vater gewordene Linksfuß diesem den Kampf ansagen. Denn ohne Einsätze und gute Leistungen gerät eine Vertragsverlängerung in weite Ferne. Sein Kontrakt läuft im Sommer aus.

Markus Heikkinen: Dem kühlen Finnen kann keiner so schnell was anhaben. Seine Zukunft lässt aber einige Fragen offen. Mit nur 14 Einsätzen - darunter wurde er sieben Mal eingewechselt - ist er längst kein Fixstarter mehr und bekommt mit Fortdauer der Saison immer weniger Zeit, sich zu beweisen. Obwohl der 34-Jährige niemals nie sagt, deutet alles auf einen Abgang im Sommer hin. Da er sich aber in Österreich wohl fühlt und gerne bleiben würde, muss er sich gegen die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld durchsetzen.

SCHLÜSSELSPIELER:

Steffen Hofmann: Der Kapitän bleibt das Um und Auf im Spiel der Hütteldorfer. Nach einem durchwachsenen Herbst mit der unglücklichen Augenverletzung und Oberschenkelproblemen will es Hofmann nun noch einmal so richtig wissen. Sein Vertrag wurde vorzeitig bis 2016 verlängert, somit hat der Deutsche noch einiges mit Rapid vor. In der Vorbereitung präsentierte sich der Regisseur topfit und wurde nicht müde zu trainieren, als die anderen schon in der Kabine waren.


Deni Alar: Der Stürmer wurde in seinem zweiten Jahr bei Rapid jener unverzichtbare Faktor, den einige schon früher gerne gesehen hätten. Mit neun Treffern auf seiner bevorzugten Position in der Spitze, Technik, Übersicht und dem Auge für den Mitspieler hat er sich zum Leistungsträger gemausert. Zudem stellt er auch kreativ eine Bereicherung für das Spiel der Hütteldorfer dar und konnte im Herbst auch schon Hofmann entlasten.

Neo-Sportdirektor Helmut Schulte wurde mit Vorschusslorbeeren überhäuft, doch im Frühjahr muss der Deutsche tatsächlich beweisen, welch Verhandlungsgeschick ihn auszeichnet. Die Winter-Verpflichtungen von Marcel Sabitzer und Branko Boskovic gehen ja noch nicht ganz auf seine Kappe. Dafür sicherte der 55-Jährige mit der Vertragsverlängerung von Peter Schöttel bis 2015 eine kontnuierliche Weiterführung. Im Fall von Gerson hat oberste Priorität, die Option zu ziehen, so dass sich dessen Leihgeschäft vom Kapfenberger SV um ein weiteres Jahr bis 2014 verlängert. Ansonsten laufen vor allem die Verträge einiger Routiniers aus. Während eine Verlängerung von Markus Heikkinen eher unwahrscheinlich ist, pokern die Langzeit-Rapidler Markus Katzer und Stefan Kulovits um neue Verträge. Harald Pichler hat aufgrund seines vielfältigen Betätigungsfeldes gute Chancen, dass er über den Sommer hinaus ein Grün-Weißer bleibt. Thomas Prager, dem schon im Winter ein Wechsel nahegelegt wurde, wird sich wohl um einen neuen Verein umsehen. Bleibt noch Jan Novota, der sich als zweiter Torhüter nichts zu schulden kommen ließ, jedoch als Legionär jungen österreichischen Torhütern bisher die Chance nahm. Vor allem gilt es, sich so früh wie möglich um Alternativen für in die Jahre gekommene Leistungsträger zu suchen. Das gilt nicht nur für jene, deren Verträge im Sommer auslaufen, sondern auch weitsichtig für den Fall, dass Steffen Hofmann trotz Vertragsverlängerung bis 2016 irgendwann nicht mehr die Kohlen aus dem Feuer holen kann.

Das sagen unsere Facebook-User: Wir haben unsere Facebook-User befragt, welche Platzierung Rapid in der Endtabelle erreicht. Wenn es nach ihnen geht, dann werden die Wiener klar zwischen zwei und vier landen.

Zugänge Abgänge
Branko Boskovic (D.C. United) Muhammed Ildiz (1. FC Nürnberg)
Marcel Sabitzer (Admira) Christopher Drazan (1. FC Kaiserslautern)
Boris Prokopic (SCR Altach)
Thomas Dau (SV Mattersburg)
Kristijan Dobras (SV Grödig/leihweise)
Brian Behrendt (SV Horn/leihweise)

Wer einen Rapidler sein Eigen nennen will, muss meist tief in die Tasche greifen. Im Fall von Dominik Wydra könnte sich die Investition von lediglich 2,50 Millionen aber durchaus lohnen. Im Herbst war der erst 18-jährige Mittelfeldspieler bereits drei Mal in der Bundesliga und drei Mal in der Europa League im Einsatz und stellte seine Qualitäten unter Beweis. Da auch Trainer Peter Schöttel viel vom Youngster hält, ist davon auszugehen, dass er im Frühjahr noch mehr in die Mannschaft wachsen könnte. Wenn es aufgrund der starken Konkurrenz doch nicht reicht, hat man immerhin einen preiswerten Joker im Kader.

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BRANKO BOSKOVIC BRINGT RAPIDS SPIEL WEITER

PRO - Ein Kommentar von Alexander Karper

Ich lehne mich weit aus dem Fenster, aber ich bin der Meinung, dass Branko Boskovic genau jenes Puzzleteilchen ist, das Rapid in den letzten zweieinhalb Jahren so schmerzlich abgegangen ist. Junge Wilde? Schön und gut. Davon hat Rapid mittlerweile einige. Doch einen abgebrühten Spielgestalter, der vor allem die nötige Ruhe am Ball mitbringt, ein Spiel lesen kann und mit einem Pass eine ganze Abwehr aushebeln kann, suchte man oft vergeblich. Zudem hat er die spielerische Klasse und technische Finesse einen oder mehrere Spieler stehen zu lassen. Das Spiel wird variantenreicher, da nicht nur mit Tempo über die Seiten für Gefahr gesorgt wird, sondern auch durch einen überlegten Spielaufbau in der Zentrale. Was fast noch mehr wiegt: Mit Boskovic ist jener Mann zurück, auf den sich Steffen Hofmann blind verlassen kann und der ihm - wie er schon in seinen ersten Laufzeit bei Rapid bewiesen hat - den nötigen Druck von den Schultern nehmen kann. Als Achter wird auch das eingefahrene Defensivkonzept mit zwei Sechsern endgültig über Bord geworfen. Klar, der Montenegriner war und wird nicht als Laufwunder in die Rapid-Geschichte eingehen, aber mit seinem Spielverständnis ist weniger oft mehr.


CONTRA - Ein Kommentar von Martin Wechtl

Groß war die Freude der Rapid-Fans über die Rückkehr von Branko Boskovic. Viele erhoffen sich dadurch eine Verbesserung der Spielkultur. Ich stehe dem Ganzen jedoch skeptisch gegenüber – und das nicht nur wegen seines Trainingsrückstands. Der 32-Jährige mag ein guter Fußballer sein, doch schon zu seiner Blütezeit fehlte es ihm an Dynamik. Im Spätherbst seiner Karriere wird sich daran erst recht nichts ändern. Sollte der ehemalige Nationalspieler aus Montenegro einen Platz in der Startelf ergattern, würde dies auf Kosten eines „Sechsers“ gehen. Somit müsste der „verlorene Sohn“ viel Defensiv-Arbeit in der Zentrale verrichten. Und auch das gehört nicht unbedingt zu seinem Spezialgebiet. Sein  Einsatz würde zwangsläufig zu einer Systemumstellung führen. Zwar erntete Schöttels Ausrichtung mit zwei defensiven Mittelfeldspielern teilweise heftige Kritik, doch es funktionierte. Immerhin holte Rapid damit 38 Punkte. Ein guter Wert, der jedoch durch die außergewöhnliche Ausbeute von Erzrivale Austria (48) anders wahrgenommen wird…


  • 3 - Deni Alar zählt zu jenen sieben Spielern, die es in dieser Saison schon auf drei Tore in einem Spiel schafften. Der Offensivspieler bezwang Ried beim 4:3-Heimsieg fast im Alleingang. Spitzenreiter ist wenig überraschend Philipp Hosiner, der dieses Kunststück gleich drei Mal zustande brachte.
  • 5 - So lange dauerte Rapids längste Erfolgsserie in der Hinrunde an. Von der siebenten bis zur elften Runde hielt man sich schadlos und holte drei Siege und zwei Remis. Zwischen der 16. und 19. Runde wurden vier Siege eingefahren. Zum Vergleich: Erzrivale Austria blieb elf Runden ohne Niederlage.
  • 16 - Die Abwehr hält und erwies sich im Herbst für viele Angriffsreihen als unüberwindbar. Mit 16 Gegentoren hat man genauso viele auf dem Konto wie der überlegene Tabellenführer Austria. RB Salzburg musste zum Vergleich vier Tore mehr hinnehmen.
  • 36 - Trotz kopfballstarker Spieler strahlt Rapid vor dem Tor nur wenig Gefahr aus. Lediglich 36 Torschüsse per Kopf wurden im Herbst abgegeben, nur der SC Wiener Neustadt probiert es seltener (35). Das Resultat: Vier Kopfballtore, nur der Tabellenvorletzte hat eines weniger.
  • 14.400 - In punkto Zuschauer ist Rapid weiterhin unangefochten die Nummer eins. Im Herbst kamen im Durchschnitt rund 14.400 Fans ins Hanappi-Stadion. Damit besuchen im Schnitt 3000 Leute mehr ein Spiel der Grün-Weißen als die Nummer zwei in dieser Wertung SK Sturm Graz.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Wohin führt Rapids Weg? Die drei ersten Runden werden sicherlich Aufschluss darüber geben, wohin man steuert. Denn mit dem 304. Wiener Derby, Salzburg und Sturm startet Rapid gegen die besten Teams der Liga ins Frühjahr. Hält man sich anfangs schadlos, kann es schnell in eine andere Richtung gehen. Muss man empfindliche Niederlagen einstecken, könnten die Ziele schnell einmal in weite Ferne rücken. Mit den Verpflichtungen von Branko Boskovic und Marcel Sabitzer hat sich Rapid gewappnet und die Hausaufgaben erledigt. Auch wenn Salzburg immer Favorit ist, ist Platz zwei durchaus noch möglich, der ganz große Coup ist der Austria wohl nicht mehr zu nehmen. Somit wird keiner mehr zum großen Angriff blasen. Ein nicht unwesentlicher Aspekt wird sein, ob man den Angriff Sturms abwehren kann, denn Platz vier wäre für die Pläne der Hütteldorfer eindeutig zu wenig. Im ÖFB-Cup verfolgt man noch ein großes Ziel. Denn erstmals seit 1995 soll der Pokal wieder im grün-weißen Lager landen.


Alexander Karper

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