Wunschelf und Kaderbewertung SK Sturm

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Übertrieben formuliert war im Herbst oftmals eher der Vereinsarzt für die Mannschaftsaufstellung verantwortlich als Trainer Franco Foda.

Nach und nach leert sich das Grazer Lazarett jedoch, was einen quantitativ und auch qualitativ durchaus ansprechend besetzten Kader zum Vorschein bringt.

Der Konkurrenzkampf beim Titelverteidiger sollte im Frühjahr – noch dazu ohne internationale Doppelbelastung - definitiv ein größerer sein. Auch im Angriff, wo der Verlust von Roman Kienast ein schmerzlicher ist, der aber durch die Verpflichtung von Rubin Okotie und Srdjan Pavlov aufgefangen werden soll.

LAOLA1 nimmt den Kader des SK Sturm  genau unter die Lupe:

TOR:

Dass die Torhüter-Situation in Österreich aktuell nicht unbedingt rosig ist, zeigten alleine die jüngsten Diskussionen rund um die Goalie-Berufungen im Nationalteam. An Christian Gratzei liegt es nicht. Wenn fit, zählt Sturms Nummer eins fraglos zu den besten Schlussmännern dieses Landes. Nach mehrmonatiger Verletzungspause wird der 30-Jährige im Frühjahr zurückkehren. Während seiner Abwesenheit wurde er von Silvije Cavlina großteils würdig vertreten. Von allen Keepern, die zumindest ein Drittel der Matches absolviert haben, kam der Kroate im Herbst mit 75,4 Prozent auf die beste Fangquote der Liga. Youngster Alexander Schachner rückt wieder ins dritte Glied zurück.

LAOLA1-Bewertung: Die hohe Anzahl von 28 Gegentoren ist weniger auf die Torhüter-Performances zurückzuführen. Im Tor ist Sturm gut aufgestellt.

ABWEHR: 

Wie in allen Mannschaftsteilen wütete der Verletzungsteufel im Herbst auch in der Abwehr, was immer wieder zu Umstellungen führte. Auch der Abgang von Gordon Schildenfeld konnte durch Milan Dudic nicht gänzlich kompensiert werden, obwohl der Serbe trotz fehlender Vorbereitung solide agierte. Alles in allem stand Sturm jedoch nicht so kompakt wie gewohnt. Die anderen beiden Innenverteidiger, Ferdinand Feldhofer und Thomas Burgstaller, wirkten nicht immer sattelfest, vor allem Letzterer erlaubte sich den einen oder anderen Schnitzer. Dafür wächst mit dem erst 18-jährigen Florian Neuhold ein hoffnungsvolles Talent heran. Rechts in der Viererkette zählte Martin Ehrenreich zu den positiven Erscheinungen, Stammkraft bleibt jedoch Routinier Joachim Standfest. Auch die linke Seite kennt mit Christian Klem einen Gewinner. Der gelernte Mittelfeldspieler brachte einige auffällige Leistungen, während der georgische Legionär Georgi Popkhadze noch einiges zu beweisen hat. Zum Notnagel degradiert wurde indes Dominic Pürcher.

LAOLA1-Bewertung: Bemängelt man die Kompaktheit, durften sich im Herbst auch die Vorderleute der Verteidigung angesprochen fühlen. Bisweilen wurde die Innenverteidigung schlicht und einfach im Stich gelassen. Dennoch muss man von dieser großteils ausgesprochen routinierten Einheit mehr verlangen als biederen Durchschnitt. Sollte Lichtblick Klem auf der Linksverteidiger-Position bleiben, darf man auf seine weitere Entwicklung gespannt sein.

MITTELFELD: 

Konnten Manuel Weber und Jürgen Säumel gemeinsam im zentralen Mittelfeld aufgeboten werden, war die qualitative Steigerung deutlich spürbar. Aufgrund von Säumels Verletzungssorgen konnte das Duo jedoch nicht allzu oft gemeinsam agieren. Neuzugang Matthias Koch erwischte auf dieser Position keinen idealen Start und brach sich zu allem Überdruss bald darauf das Schlüsselbein. Im Herbst-Ausklang deutete der Vorarlberger jedoch durchaus an, dass er eine Bereicherung sein kann. Trainer-Sohn Sandro Foda bleibt die eiserne Reserve. Rechts kam Andreas Hölzl verletzungsbedingt kaum auf Touren. Der Frühjahrs-Start kommt wohl zu früh für ihn. Findet der Tiroler seinen Rhythmus, gehört er zu den Leistungsträgern. Der pfeilschnelle Patrick Wolf, der zweite rechte Flügelflitzer, war für 53 der 198 Sturm-Flanken (Standfest rangiert mit deren 21 mit Respektabstand auf Rang zwei) verantwortlich, hat in punkto Effizienz jedoch Steigerungsbedarf (nur zwei Assists). Top-Vorlagengeber der Grazer ist in dieser Saison bisher übrigens Florian Kainz mit fünf Assists. Der Youngster lieferte auf links immer wieder Talentproben ab und steht dort im Konkurrenzkampf mit Haris Bukva. Eine einzige Enttäuschung war indes mit Samir Muratovic einer der Helden des meisterlichen Frühjahrs. Ob der Bosnier noch einmal seine Form findet? Rückkehrer Christoph Kröpfl stellt wie im Angriff auch am Flügel eine Alternative dar.

LAOLA1-Bewertung:  Wie auch in anderen Mannschaftsteilen übertünchte im Herbst die Personalnot, dass Sturm im Mittelfeld über zahlreiche erprobte Kandidaten verfügt. Sind alle gesund, sollte sich der Konkurrenzkampf als belebend erweisen. Von immensem Vorteil wäre, wenn Taktgeber Säumel von seinem Körper die Chance bekommt, über längeren Zeitraum zu alter Form zu finden.

ANGRIFF: 

Der Abgang von Roman Kienast zur Austria wiegt natürlich schwer. Mit Rubin Okotie und Srdjan Pavlov wurden in letzter Minute zwei Ersatzkräfte verpflichtet, die zuletzt eher die Talsohle ihrer Karriere durchschritten. Wie einst bei Kienast sind Fodas Künste im Aufpäppeln von Spielern gefordert. Okoties Potenzial ist unbestritten und auch Pavlov hat theoretisch bessere Anlagen, als ihm die zahlreichen Kritiker zugestehen wollen. Darko Bodul erwies sich als das Schnäppchen dieser Saison. Als Nobody verpflichtet, führt er mit neun Treffern die Torschützenliste an. Dass er nun auch eine komplette Vorbereitung intus hat, sollte ihm zusätzlich helfen. Imre Szabics wiederum versäumte verletzungsbedingt einen großen Teil des Herbstes, gehört, wenn fit, jedoch zu den besseren Angreifern der Liga. Für die lebende Vereinslegende Mario Haas ist und bleibt die Rolle als Edeljoker vorgesehen. Marvin Weinberger scheint weiter keine echte Chance zu bekommen.

LAOLA1-Bewertung: Nominell ist der Sturm des Meisters auch ohne Kienast gut besetzt. Erforderlich wäre für die Spielanlage der Grazer, dass einer der beiden groß gewachsenen Nachfolger des Goalgetters auch wirklich einschlägt. Eine spannende Frage ist zudem, inwiefern der technisch versierte Bodul seinen guten ersten Eindruck bestätigen kann.

Peter Altmann


Anmerkung:
Wie schon im Herbst gibt es als Bewertungsgrundlage 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

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