Saisonvorschau 2015: SV Grödig

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SV Grödig – wohl der Abstiegskandidat Nummer eins.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um den Salzburgern eine immens schwierige Saison zu prophezeien.

Denn so wie nach der starken Premiere vor einem Jahr, ist es auch in diesem Sommer zu einer Völkerwanderung unweit des Untersbergs gekommen. Doch diesmal ist es noch wesentlich drastischer als zwölf Monate zuvor.

Fast die komplette Startelf aus der Vorsaison hat den Verein verlassen. Von Trainer Michael Baur hat man sich getrennt.

Neo-Coach Peter Schöttel fängt daher nicht nur für sich, sondern auch, was die Mannschaftfindung betrifft, bei Null an.

Die Verpflichtung des Wieners kann zumindest als ein Lichtblick gewertet werden.  

Der 48-jährige Coach gilt als umgängliche Person, als Fachmann und jemand, der mit jungen Leuten gut zurecht kommt.

Er könnte also genau der Richtige sein, um eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen.

Denn Grödig hat versucht, die Abgänge mit ein paar routinierten, aber zum großen Teil blutjungen Kickern zu kompensieren.

Summa summarum hat der Klub wohl das Bestmögliche für seine Verhältnisse herausgeholt. Ob es reichen wird, um in der Bundesliga zu bestehen, ist jedoch eine andere Frage.

Schöttel lassen die Nebengeräusche naturgemäß kalt. Der Ex-Internationale wird auf ein 4-2-3-1 setzen.

In der kurzen Vorbereitungs-Zeit wurde vor allem am Defensivverhalten gearbeitet. Das sei das Um und Auf, um positive Resultate zu bringen. Denn nach vorne „können wir variabler auftreten“, erklärt der Grödig-Trainer.

TOR:

Cican Stankovic hinterlässt eine große Lücke. Der 22-Jährige zählt zu den stärksten Tormännern Österreichs und hatte in den vergangenen zwei Jahren großen Anteil am Erfolg der Salzburger. Als Reaktion auf seinen Abgang engagierte man Rene Swete von Erste-Liga-Klub FAC. Der 26-Jährige wird sich somit mit Pirmin Strasser um das Einserleiberl duellieren. Wer sich schlussendlich durchsetzt, ist noch offen. Zudem wurde der 19-jährige Alexander Schlager, zuletzt bei der U19-EM im Einsatz, von FC Liefering für eine Saison ausgeliehen.

LAOLA1-Bewertung: Der Verlust von Stankovic schmerzt gewaltig, denn den Nachfolgern mangelt es an Erfahrung. Nur Strasser hat bisher in der Bundesliga gespielt – gerade einmal zwei Begegnungen. Die drei aktuellen Torhüter sind solide, fällt einer aus, kann bedenkenlos ein anderer einspringen. Bewiesen hat jedoch noch keiner etwas.

ABWEHR:

Der Aderlass in der Verteidigung war exorbitant. Potzmann, Karner, Cabrera, Martschinko, Handle, Hart – alle weg. Das zu verkraften, wird schwierig. So haben die Grödiger etwa keinen gelernten Rechtsverteidiger im Kader. Deswegen wird Neuerwerbung Tobias Kainz diese Rolle ausüben. Für den 22-Jährigen nichts Neues, wurde er doch schon im Frühjahr in Wr. Neustadt auf diese Position umgeschult. Roman Kerschbaum, auch kein gelernter Verteidiger, ist sein Backup. Mit Harald Pichler konnte ein routinierter Mann für die Innenverteidigung gewonnen werden. Der Ex-Wikinger soll als Abwehrchef gemeinsam mit Matthias Maak das Zentrum dicht machen. Links spielt mit Lukas Denner eine weitere Neuverpflichtung von Absteiger Wr. Neustadt. Die Alternativen sind überschaubar: Für die Innenverteidigung stehen noch die jungen Fabio Strauss (20) und Dominik Baumgartner (18), der nach einem Kreuzbandriss noch rekonvaleszent ist und auch Sechser spielen könnte, zur Verfügung. Dazu gibt es noch den linkslastigen Allrounder Robert Strobl.

LAOLA1-Bewertung: In kurzer Zeit eine funktionstüchtige Abwehr auf die Beine zu stellen gleicht fast einer „Mission Impossible“. Denn gerade in der Defensive ist ein blindes Verständnis Voraussetzung, um den Angreifern den Zahn zu ziehen. Qualität und Quantität sind im Sommer verloren gegangen. Es könnte ein böses Erwachen geben.

MITTELFELD:

Mit Huspek und Nutz hat man zwei Kreativspieler verloren, die so schnell nicht ersetzt werden können. Dennoch scheint gerade im Mittelfeld genug Spielermaterial vorhanden zu sein, das für Impulse sorgen kann. Die besten Karten auf die defensive Doppel-Sechs haben Timo Brauer und Robert Völkl, mit Martin Rasner und Roman Kerschbaum steht Ersatz parat. Den offensiveren Part soll Ex-Deutschland-Legionär und Nachwuchshoffnung Christian Derflinger ausüben. Doch auch Sandro Djuric und Thomas Goiginger können in diese Rolle schlüpfen. Am rechten Flügel scheint Benjamin Sulimani den Vorzug gegenüber Daniel Schütz zu erhalten. Der Ex-Admiraner  kann jedoch auch problemlos ganz vorne zum Einsatz kommen. Links dürfte Venuto zum Zug kommen.

LAOLA1-Bewertung: Das Mittelfeld scheint am wenigsten Sorgen zu bereiten. Hier wären Ausfälle wohl am ehesten zu kompensieren. Speziell die Offensiv-Abteilung ist sehr variabel einsetzbar, was je nach Situation und Gegner kein Nachteil ist. Wunderdinge sollte man sich von dieser Formation jedoch keine erhoffen.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Rene Swete (FAC) Cican Stankovic (RB Salzburg)
Alexander Schlager (FC Liefering/leihweise) Max Karner (Levski Sofia)
Harald Pichler (SV Ried) Simon Handle (Erzgebirge Aue)
Dominik Baumgartner (SV Horn) Ione Cabrera (LASK)
Lukas Denner (Wr. Neustadt) Marvin Potzmann (Sturm Graz)
Tobias Kainz (Wr. Neustadt) Christoph Martschinko (Hoffenheim/Austria)
Martin Rasner (FC Liefering) Stefan Nutz (Rapid)
Venuto (FC Liefering) Philipp Huspek (Rapid)
Christian Derflinger (HSV II) Tomi (Rapid)
Benjamin Sulimani (Admira) Florian Hart (Ziel unbekannt)
Emanuel Sunday (Ziel unbekannt)
Adnan Adilovic (Ziel unbekannt)

ANGRIFF:

He’s back! Nach seiner Degradierung unter Michael Baur wurde Roman Wallner im Sommer "begnadigt". In der Vorbereitung blühte der 33-Jährige richtig auf und scheint als Solospitze gesetzt. Bernd Gschweidl wird ebenfalls Einsatzzeit erhalten, entweder als Joker oder eben von Beginn weg. Und wenn Benjamin Sulimani nicht am Flügel eingesetzt wird, ist auch er für die Position des Mittelstürmers gut.

LAOLA1-Bewertung: Potenzial ist vorhanden. Auch wenn Wallner fast ein Jahr nicht gespielt hat, ist er für Tore gut, da er ein echter Instinktfußballer ist. Sulimani hat auch schon bewiesen, dass er weiß, wo das Gehäuse steht. Allerdings war er zuletzt bei der Admira kein Stammspieler mehr. Gschweidl gilt als Hoffnungsträger. Eines ist klar: Überangebot gibt es hier keines.

TRAINER:

Mehr als zwei Jahre nach seiner Beurlaubung bei Rapid kehrt Peter Schöttel auf den Trainerstuhl zurück. Der 48-Jährige folgt Michael Baur, dessen Gastspiel nach nur einem Jahr endete. Schöttel steht in Grödig vor einer schweren Aufgabe. Der Umbruch im Kader ist noch gewaltiger als im letzten Jahr, die Zeit, um eine Mannschaft zu formen, ist kurz. Seine große Stärke kommt ihm dabei zugute. Der Wiener behält die Ruhe. Egal wie schlimm die Situation, Rapids Rekordspieler versucht die Dinge sachlich zu analysieren, behält dabei die Nerven und wirkt cool. Sein Umgang mit den Spielern gilt als freundschaftlich aber respektvoll.

LAOLA1-Bewertung: Schöttel und Grödig, das passt auf den ersten Blick. Der Wiener hat einen – wie bereits mehrfach erwähnt – guten Ruf und hat bei seinen zwei Stationen im Oberhaus (Wiener Neustadt und Rapid) bewiesen, dass er jemand ist, der Spieler entwickeln und führen kann. Und so nebenbei hat er einen Punkteschnitt von 1,58.


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Du suchst für die neue Saison einen Tormann? Pirmin Strasser hat gute Chancen auf den Nummer-1-Spot bei SV Grödig. Der gute Mann kostet gerade einmal 3,7 Millionen Euro. Und da man annehmen kann, dass der 24-Jährige einiges zu tun bekommen wird, wird sein Wert schnell in die Höhe schießen.

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FÜNF FRAGEN:

 

War die Ablöse von Michael Baur die richtige Entscheidung?

13 Punkte holte der Tiroler in 17 Partien im Frühjahr. Für die Vereinsführung eindeutig zu wenig, weshalb die Reißleine gezogen wurde. „Damit war für uns die Entwicklung der Spieler in Gefahr“, begründete Haas die Entscheidung, den Trainer im Sommer zu wechseln. Hinter den Kulissen dürfte es jedoch schon länger gebrodelt haben. Obwohl nach außen hin immer die gute Miene aufgesetzt wurde, soll die Chemie zwischen Trainer und Manager nicht wirklich gepasst haben, schon während der Saison waren immer wieder Gerüchte über eine Ablöse von Baur aufgetaucht. Da ein schwieriges Jahr bevorsteht, musste also gehandelt werden.

Ist dieser Kader bundesligatauglich?

Die Salzburger erinnern ein bisschen an den SC Wiener Neustadt der vergangenen Saison. Geholt wurden ein paar routiniertere Spieler (Pichler, Sulimani, Kainz), im Großen und Ganzen aber junge Spieler, die noch nie in der höchsten Spielklasse aufgelaufen sind. Und das ist ein riskanter Plan, andererseits Teil der Vereinspolitik: "Wir wollen junge, hungrige Spieler zu uns holen und sie dann verkaufen. Darauf ist der Verein aufgebaut", meint Haas. Das kann mitunter den sportlichen Erfolg bringen, jedoch auch mit dem Abstieg enden, wie eben in Niederösterreich in diesem Sommer. Es wäre jedenfalls unfair, bereits in dieser Phase eine Bewertung über die neu formierte Grödiger Truppe abzugeben. Nach ein paar Wochen wird sich zeigen, in welche Richtung es geht.

Wie ist der Verein finanziell aufgestellt?

Obwohl gute Spieler wie Stankovic, Huspek, Nutz oder Martschinko den Verein verlassen haben, ist nicht wirklich Geld in die Kasse geflossen. Lediglich für Letzteren gab es eine Ablöse. Für Stankovic überwies Salzburg bereits vor einem Jahr einen gewissen Betrag, Huspek und Nutz gingen – wie viele andere auch - ablösefrei. Auch aufgrund der ausbleibenden Einnahmen aus dem Ticketverkauf ist das Budget der Grödiger relativ weit unten angesiedelt. Erfreulich ist, dass mit „Interwetten“ ein neuer Trikotsponsor gefunden wurde. Und da Red-Bull-Farmteam FC Liefering seine Heimspiele im „DAS.Goldberg-Stadion“ austrägt, gibt es noch eine weitere Einnahme-Quelle. Große Sprünge darf jedoch niemand erwarten.

Ist sich Peter Schöttel seiner Situation bewusst?

Definitiv. Der Wiener weiß, dass das Ziel nur der Klassenerhalt sein kann. Und er weiß, dass es nicht einfach werden wird, da wenig Zeit bleibt, eine Einheit zu formen. „Die Vorbereitung stand und steht immer noch unter der Devise, einander kennenzulernen. Es war ja alles sehr kurzfristig, war eine schnelle, aber auch lustige Geschichte. Als Trainer gilt es nun weiterhin die beste Mischung zu finden“, erklärte Schöttel unlängst bei LAOLA1. Spannend wird zu beobachten sein, wie sich das Verhältnis Schöttel-Haas während der Saison entwickelt. Bei Baur-Haas war es offenkundig belastet.

Wie ist es um die Infrastruktur bestellt?

Erstmals seit der Bundesliga-Zugehörigkeit geht Grödig gelassen in das neue Spieljahr. Musste in der Vergangenheit teilweise bis zum Liga-Start fieberhaft gearbeitet werden, um den Anforderungen (Parkplatz, Fassungsvermögen, Rasenheizung…) gerecht zu werden, konnten dieses Mal sogar kleine Optimierungen vorgenommen werden. Dementsprechend gut ist die Stimmung. Selbst Schöttel zeigt sich vom Ambiente positiv überrascht. Jetzt fehlen eigentlich nur mehr zahlreiche Zuschauer. Doch da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.

DIE TIPPS DER LAOLA1-BUNDESLIGA-REDAKTION:

DAS LAOLA1-FAZIT:

Ein neuer Trainer, ein neuer, bunt zusammengemixter Kader, ein kaum vorhandenes Zuschauerinteresse… Ja, die Voraussetzungen könnten besser sein. Bereits in der letzten Saison kämpfte der SV Grödig als Europacup-Teilnehmer und trotz eines einigermaßen passablen Herbsts um den Klassenerhalt – was schlussendlich auch gelang. Doch die Tendenz ist ganz klar absteigend. Umso mehr nachdem etliche Stammkräfte im Sommer das Weite suchten. Daher werden sich die Salzburger heuer von Anfang an dem Kampf gegen den Abstieg widmen müssen. Nicht wenige würden diesen begrüßen. Nicht etwa, weil man die Blau-Weißen nicht mag, sondern weil das Interesse am Klub einfach gen Null geht. An dieser Stelle muss aber einmal ein Lob für Macher Christian Haas ausgesprochen werden. Der Salzburger ist allen Widrigkeiten zum Trotz fest entschlossen, seinen Klub in der Liga zu halten. Bisher konnte der SV Grödig jegliche Kritik mit dem Argument der sportlichen Leistung kontern, gelingt das auch ein drittes Mal?


Martin Wechtl

Redakteur Prognose Grödig
Peter Rietzler 9.
Peter Altmann 9.
Harald Prantl 10.
Martin Wechtl 10.
Alexander Karper 10.
Bernhard Kastler 9.
Andreas Terler 10.
Matthias Nemetz 10.
Jakob Faber 9.
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