Saisonvorschau 2014: Austria Wien

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Am Ende blieben hängende Köpfe und jede Menge Handlungsbedarf.

Zwar durfte sich die Austria vor nicht ganz einem Jahr über den erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Champions League freuen, in weiterer Folge überwog jedoch das Negative.

Stöger-Nachfolger Nenad Bjelica stellte sich als Fehlbesetzung heraus, der (interimistisch) eingesetzt Herbert Gager vermochte die Kohlen auch nicht mehr aus dem Feuer zu holen und scheiterte am Mindest-Ziel Europacup-Startplatz.

Also mussten die violetten Führungsgremien einige wegweisende Entscheidungen treffen. Eine davon war die Ablöse Gagers, der ursprünglich durch Manfred Schmid ersetzt werden sollte. Doch die Verpflichtung des Wunschtrainers stellte sich alsbald als Ding der Unmöglichkeit heraus, weshalb abermals ein Plan B - diesmal namens Gerald Baumgartner - zum Zug kam.

Die zweite wichtige Entscheidung wird die Veilchen wohl über weite Strecken der Saison hin verfolgen: Sport-Vorstand Thomas Parits verabschiedet sich spätestens mit Saisonende, die Suche nach einem geeigneten Nachfolger läuft.

Darüber hinaus wird weiterhin fleißig an der Verbesserung der Infrastruktur gearbeitet. In dieser Saison wird in einem Stadioneck eine kleine Baustelle zu sehen sein, die Planungen für den teilweisen Neubau der Generali Arena werden indes intensiv fortgesetzt, diverse Bewilligungen sind noch ausständig.

Ebenfalls eine Baustelle war der Kader für die neue Saison. Sieben der 20 Spieler mit den meisten Bundesliga-Minuten aus der Vorsaison sind nicht mehr beim Verein. Anders ausgedrückt: 30 der 58 erzielten Tore sind abgewandert.

Letztere Zahl ist in erster Linie durch Philipp Hosiners Abgang zu Stade Rennes zu begründen. Mit Kaja Rogulj, Tomas Jun und - mit Abstrichen - Marko Stankovic haben drei weitere Kicker, die das Spiel der Veilchen geprägt haben, den Verein verlassen.

Gekommen sind mit Mario Leitgeb, Vance Shikov, Jens Stryger Larsen und Marco Meilinger vier Kicker, die den Anspruch haben, zum Stamm zu gehören. Intensiv wird noch nach einem Stürmer gesucht.

Doch nicht aufgrund dieser Namen, sondern wegen Neo-Coach Gerald Baumgartner wird der FAK in der neuen Saison ein neues Gesicht zeigen. Aggressives und hohes Pressing ist künftig angesagt. Diese Spielweise soll mit attraktivem Offensivspiel - wie es der traditionelle Anspruch des Klubs vorgibt - gepaart werden. "Hohe Spielkultur, Spielaufbau von hinten heraus, weniger mit hohen Bällen und aggressiv", nennt Baumgartner den Ideal-Zustand.

"Der Anspruch ist, guten Fußball zu spielen. Wir dürfen nebenbei jedoch nicht vergessen, auch die nötigen Siege einzufahren", gibt Baumgartner die Marschroute vor.

Und so nebenbei sollte auch noch das ein oder andere Talent des exzellenten Nachwuchses in die Kampfmannschaft eingebaut werden...

TOR:

Heinz Lindner ist der einzige Torhüter der Bundesliga, der in den vergangenen drei Saisonen eine Fangquote von jeweils über 70 Prozent aufweisen kann und gilt noch dazu als zukünftige Nummer eins im ÖFB-Team (bisher sieben Länderspiele). Mit seinen fast 24 Jahren (Geburtstag am 17. Juli) hat der Oberösterreicher bereits 135 Bundesliga-Spiele am Buckel und ist mit seiner Entwicklung noch lange nicht am Ende. Zudem ist Lindner, der aufgrund seiner verhältnismäßig schmächtigen Statur hie und da Schwächen bei der Strafraumbeherrschung hat, einer der wenigen Keeper in Österreich, die auch gute Fußballer sind. Endgültig zur Nummer zwei aufgerückt ist der 18-jährige Osman Hadzikic, der sogar schon weiter ist, als es Lindner in seinem Alter war. Die Nummer drei ist ebenfalls 18 Jahre alt und heißt Tino Casali - er braucht noch einige Jahre, um Bundesliga-Reife zu erlangen. 

LAOLA1-Bewertung: Lindner hat in der Champions League endgültig seine Reifeprüfung abgelegt und ist ein sehr sicherer Rückhalt, der auch schon mal "Unmögliche" pariert. Mit Hadzikic steht ein Teenager, dem zweifellos das Prädikat "Riesentalent" gebührt, dahinter. Eine tolle Besetzung.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Jens Stryger Larsen (FC Nordsjaelland) Philipp Hosiner (Stade Rennes)
Mario Leitgeb (Grödig) Kaja Rogulj (FC Luzern)
Vance Shikov (Volyn Lutsk) Marko Stankovic (Sturm Graz)
Marco Meilinger (RB Salzburg) Tomas Jun (FK Jablonec)
Martin Harrer (zurück von Altach) Emir Dilaver (Ferencvaros)
Sebastian Wimmer (zurück von Parndorf) Thomas Murg (SV Ried)
Lukas Rotpuller
Pascal Grünwald (Wacker Innsbruck)
Ivan Kardum

ABWEHR:

Mit 44 Gegentreffern war die violette Abwehr in der Vorsaison die drittbeste der Liga (hinter Salzburg 35 und Rapid 40). Allerdings sind im Sommer zwei Innenverteidiger, mit denen man eigentlich verlängern wollte, gegangen - Kaja Rogulj und Lukas Rotpuller. Deshalb gibt es nunmehr statt eines Vier- nur noch einen Dreikampf um die zwei Plätze in der Zentrale. Vance Shikov, der bislang einen sehr starken Eindruck machte und vor allem extrem kopfballstark ist, wird sich über kurz oder lang durchsetzen. Daneben spielt entweder Kapitän Manuel Ortlechner oder Christian Ramsebner. Mit Sebastian Wimmer, Philipp Koblischek und Tarkan Serbest runden drei Youngster das Angebot ab. In der Linksverteidigung ist Markus Suttner, zweifellos einer der Besten in der Liga, weiterhin das Um und Auf. Thomas Salamon und Serbest sind Alternativen. Rechts ist Jens Stryger Larsen neu. Der Däne wirkt dynamisch und offensiv stark. Dementsprechend wird Fabian Koch nur schwer an ihm vorbei kommen. Der 18-jährige Petar Gluhakovic ist sehr talentiert, muss sich aber erst an die Bundesliga gewöhnen - für die eine oder andere Einsatzminute dürfte es aber reichen. 

LAOLA1-Bewertung: Die Abwehr ist trotz der Abgänge stark geblieben. Die Außen sind gut besetzt, wobei ein Abgang Suttners einen großen Qualitätsverlust bedeuten würde. In der Innenverteidigung könnte es im Falle von Verletzungspech eng werden, ein vierter "Gestandener" hätte dem Kader gut getan.

  MITTELFELD:

Dass Marko Stankovic und Tomas Jun die Violetten verlassen haben, schmerzt nicht wirklich - beide waren zuletzt keine Leistungsträger mehr. Nominell wurde das Mittelfeld sogar verstärkt. Mario Leitgeb ist der neue Taktgeber im Pressing. Der von Grödig gekommene Steirer ist auf der Sechs zunächst gesetzt, weil James Holland durch seine WM-Teilnahme die Vorbereitung verpasst hat. Wimmer und Serbest können zur Not auch einspringen. Auf der Acht hat David de Paula, der auch eine Position weiter nach vorne rücken kann, die Nase vorne. Florian Mader muss mit weniger Einsatzzeit als in den vergangenen beiden Jahren rechnen. Talent Peter Michorl könnte Bundesliga-Luft schnuppern, muss sich dafür aber noch steigern. Auf der Acht und der Zehn ist Sascha Horvath, der sich in der vergangenen Saison einen Namen gemacht hat, ein Thema - zunächst aber nur als Joker. Denn Alexander Grünwald, der nach seinem Kreuzbandriss wieder in Hochform ist, wird die Rolle hinter der Solospitze einnehmen. Martin Harrer ist auch eher auf dieser Position denn als klassischer Stürmer eingeplant. Die Flügelzange wird vorerst aus Daniel Royer und Alexander Gorgon, der dem Offensivspiel nach überstandener Verletzung einen Schub geben dürfte, bestehen. Neuzugang Marco Meilinger muss sich ebeso hinten anstellen wie Thomas Salamon und Bernhard Luxbacher.

LAOLA1-Bewertung: Dass es dieses Mittelfeld spielerisch drauf hat, steht außer Frage. Entscheidender wird aber sein, wie die Kicker mit dem neu praktizierten Pressing zurechtkommen. In diesem Zusammenhang wird in den ersten Wochen Neuzugang Leitgeb von unschätzbarem Wert sein. Grünwald und Gorgon sollten für die Torgefahr, die im Vorjahr über weite Strecken abging, sorgen. 

ANGRIFF:

Nach dem Abgang von Philipp Hosiner, der in den vergangenen beiden Saisonen Top-Torschütze der Veilchen war, ist der Angriff die größte Baustelle. Es wird intensiv nach einem neuen Stürmer gefahndet, noch ist er aber nicht da. Deshalb ruhen die Hoffnungen vorerst auf Ola Kamara. Nach einem halben Jahr Eingewöhnungszeit muss der Norweger nun beweisen, was er drauf hat. Die neue Spielphilosophie dürfte ihm aber behagen, er wirkt sehr agil und gut ins Kombinationsspiel integriert. Ein wenig schwerer tut sich da schon Roman Kienast, dem es an Dynamik fehlt, um aggressives Pressing zu praktizieren. Dass er immer für Tore gut ist, hat er aber schon zur Genüge unter Beweis gestellt - auch als Joker. Rückkehrer Martin Harrer ist an vorderster Front eher eine Notlösung, mit ihm wird eher als falsche Neun - Baumgartner überlegt, das über kurz oder lang auszuprobieren - geplant. Tamas Priskin steht auch im Kader, soll aber wieder abgegeben werden.

LAOLA1-Bewertung: Dass Hosiners Abgang noch nicht kompensiert wurde, ist augenscheinlich. Die Austria muss und wird in Sachen Stürmer noch etwas tun. Kamara könnte die positive Überraschung der Saison werden. Auf Kienast warten wieder schwere Zeiten. Sämtliche Offensivspieler werden die Last des Toreschießens unter sich aufteilen müssen. 

 TRAINER:

Cup-Spezialist Gerald Baumgartner hat den Sprung von Zweitligist St. Pölten zu einem der größten Klubs des Landes geschafft. Dem Salzburger, der mit Renato Gligoroski (37) auch einen neuen Co-Trainer mitgebracht hat, eilt ein ausgezeichneter Ruf voraus. Sein Pressing soll den in der Vorsaison teilweise lethargisch wirkenden Veilchen ein neues Gesicht verpassen. Dass der 49-Jährige die nötige fachliche Kompetenz mitbringt, um Erfolg zu haben, ist unbestritten. Doch Wien ist nicht St. Pölten und bei der Austria haben Trainer traditionell einen schweren Stand. Baumgartner muss erst beweisen, dass er mit dem gestiegenen Druck auch umgehen kann und sich nicht verbiegen lässt.

LAOLA1-Bewertung: Baumgartner hat einen Plan, das ist auch bei den Spielern angekommen. Ob er diesen auch umsetzen kann, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Nur wenn er rasch lernt, sich den Gegebenheiten in Wien-Favoriten anzupassen, wird er Erfolg haben. 


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

SCHLÜSSELSPIELER:

Mario Leitgeb: Der 26-Jährige weiß, was Trainer Gerald Baumgartner will, hat er doch eine sehr ähnliche Spielweise schon unter Adi Hütter praktiziert und seinen Mitspielern gegenüber dadurch einen klaren Vorteil. Zudem nimmt der Steirer auf der Sechs eine Schlüsselrolle ein und wird - zumindest in den ersten Wochen - unumstrittener Stammspieler sein, weil James Holland aufgrund seiner WM-Teilnahme die Vorbereitung fast zur Gänze verpasst hat.

 

Markus Suttner: Ein Außenverteidiger, der früh und aggressiv attackiert, schnell umschaltet und vorne Chancen kreieren kann - das braucht Coach Baumgartner, das ist Markus Suttner. Zudem ist auf der Position des Linksverteidigers Thomas Salamon die einzige echte Alternative, die aber nicht an die Qualität des Niederösterreichers herankommt. Sollte der 27-Jährige die Violetten im Sommer doch noch verlassen, wäre es ein riesiger Verlust.

UNTER DRUCK:

Manuel Ortlechner: Seit seiner Ankunft in Wien-Favoriten im Sommer 2009 war der Oberösterreicher fixer Bestandteil der violetten Innenverteidigung. Im Frühjahr 2014 änderte sich das zwischenzeitlich und auch unter dem neuen Coach scheint der - zwischenmenschlich innerhalb der Truppe so wichtige - Kapitän keinen Stammplatz mehr zu haben. "Orti" ist mittlerweile 34 Jahre alt, sein Vertrag läuft im Sommer aus. Es wird eine wegweisende Saison für ihn.

 

Roman Kienast: Der 30-Jährige hat die Veilchen in die Champions League geschossen und dort ihren ersten Treffer erzielt. Sein Standing innerhalb des Vereins hat das aber nicht erhöht. Zwar ist Philipp Hosiner weg, doch nun steht Ola Kamara vor ihm. Der unter Baumgartner gefragte Stil kommt dem Angreifer, der nicht unbedingt dynamisch ist, nicht entgegen. Der elffache Internationale muss sich abermals auf harte Zeiten gefasst machen und seine wenigen Chancen nutzen.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Martin Harrer hat in der ersten Cup-Runde schon überraschend begonnen und wird - zumindest solange kein weiterer Stürmer geholt wird - zu weiteren Einsatzminuten kommen. Für 5,4 Mio. ein überlegenswerter Joker. 

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DAS LAOLA1-FAZIT:

Nach einem - abgesehen von der CL-Teilnahme - verlorenen Jahr muss die Austria beweisen, dass sie die richtigen Lehren aus den vergangenen zwölf Monaten gezogen hat. Ein neuer Trainer ist da, ein neuer Sportvorstand wird kommen. Letzteres wird die spannendste Entscheidung der violetten Saison. Dass der Spielphilosophie unter Gerald Baumgartner ein neues, modernes Gesicht verpasst wurde, ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Freilich wird es aber auf die erfolgreiche Umsetzung ankommen. Da ist auch Geduld, die am Verteilerkreis traditionell nur schwer aufgebracht wird, gefragt. Dass die Veilchen im Herbst nicht international vertreten sind, schmerzt die Anhängerschaft natürlich, dieser Umstand hat sich allerdings auch schon im ersten Halbjahr unter Stöger positiv ausgewirkt, zumal Baumgartner dadurch mehr Zeit bleibt, um an den taktischen Feinheiten zu arbeiten. Ein internationaler Startplatz bleibt Pflicht, ein Titel kann jedoch nur geholt werden, wenn Baumgartner seinem Ruf als Cup-Spezialist erneut gerecht wird, in der Liga ist Salzburg zu übermächtig. Infrastrukturell sollte in dieser Saison der Neubau zweier Tribünen endgültig beschlossen werden.

 

Harald Prantl

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