Saisonvorschau 2014: SCR Altach

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Die Zeit des Aufstiegs war reif. 

Seit dem Abschied des SCR Altach von der Bundesliga 2009 belegten die Rheindorfer in der zweithöchsten Spielklasse drei Mal den zweiten und einmal den dritten Rang. 

Im abgelaufenen Spieljahr lief aber alles nach Plan, die "Mission Aufstieg" wurde zum vollen Erfolg. 73 Punkte, 14 Zähler Vorsprung auf den Zweiten Austria Lustenau und ein Torverhältnis von +38 waren ein eindeutiger Beleg dafür.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Alles begann Ende 2012, als von der Rückkehr ins Oberhaus keine Rede sein konnte. 15 Punkte fehlten damals auf den ersten Platz.

Neue und alte Köpfe schlossen sich zusammen, um sich ein neues Ziel zu stecken. Johannes Engl, der schon während der ersten Bundesliga-Ära der Altacher an der Spitze des Vereins stand, übernahm erneut das Präsidentenamt. Georg Zellhofer, 2009 Trainer im Abstiegsjahr, wurde zum Sportdirektor ernannt und bekleidete damit eine Position, die es zwei Jahre lang im Verein gar nicht gab.

Nur wenige Wochen nach diesem ersten Schritt hat man mit Damir Canadi den absoluten Wunschtrainer als Nachfolger von Rainer Scharinger verpflichtet. Der hatte zunächst ein halbes Jahr Zeit, sich mit Klub und Spielern vertraut zu machen, wurde am Ende Vizemeister und konnte dann zum großen Siegeszug ansetzen.

Jetzt geht es darum, sich als erste Kraft im Ländle auch in der Bundesliga zu etablieren. 

Ist die Mannschaft dafür gerüstet?

Der SCR Altach in der LAOLA1-Vorschau:

Soweit es ging, hat man in Altach versucht, die Meister-Truppe zusammen zu halten. Das gelingt natürlich nicht immer, gab es doch den einen oder anderen unzufriedenen Spieler, der ein für ihn reizvolleres Angebot auf den Tisch gelegt bekam.

Oder, wie im Fall von Martin Harrer, lag die Entscheidung nicht bei den Vorarlbergern, sondern im Osten Österreichs. Anfang Mai entschied sich die Wiener Austria dazu, dass Harrer nach seiner Leihe zu den Veilchen zurückkehren wird. Und das, obwohl sich der Spieler selbst in Altach wohl gefühlt hat. Abgesehen davon hatte er mit neun Toren und 13 Assists wesentlichen Anteil am Aufstieg. 

Mit Patrick Salomon (Lustenau) und Ivan Kovacec (Liefering bzw. LASK) versuchte man personell nachzurüsten, dazu fand mit Ronald Gercaliu ein ehemaliger Teamspieler nach einem Auslandsengagement wieder eine Heimat in der Bundesliga. 

Trainer Canadi wird auch in der obersten Etage auf Offensivfußball setzen und sich in punkto System nicht von seinem variablen 4-3-3 abbringen lassen.

WUNSCHELF & KADERBEWERTUNG

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Ronald Gercaliu (U. Cluj) Julian Erhart (Ziel unbekannt)
Patrick Salomon (Austria Lustenau) Florian Neuhold (LASK)
Andreas Lukse (SV Kapfenberg) Sasa Pantic (Ziel unbekannt)
Darijo Pecirep (Wallern) Felipe Dorta (LASK)
Ivan Kovacec (FC Liefering) Martin Harrer (zurük zur Austria)
Jan Zwischenbrugger (SV Ried)
César Ortiz (FC Vaslui)

 TOR:

Am 18. März 2009 absolvierte Martin Kobras seinen letzten von bislang fünf Bundesliga-Einsätzen für den SK Sturm (2:4 bei Austria Kärnten). Im selben Jahr brach der nunmehr 28-Jährige seine Zelte in Graz ab und mauserte sich in Altach zur Stammkraft. In der abgelaufenen Saison wurde der Bregenzer aufgrund seiner überragenden Leistungen zum besten Torhüter der Ersten Liga gewählt. Als Nummer zwei sicherten sich die Rheindorfer die Dienste des Wandervogels Andreas Lukse - ein Mann, auf den man sich zuletzt in Kapfenberg verlassen konnte. Goalie Nummer drei ist Routinier Sebastian Brandner. 

LAOLA1-Bewertung: Viel Bundesliga-Luft durfte Kobras einst in Graz zwar nicht schnuppern, bei Altach entwickelte er sich aber zu einem sehr verlässlichen Rückhalt. Gemeinsam mit Lukse, der Fußball-Österreich zur Genüge kennt, hat man in Altach ein solides Keeper-Gespann beisammen.

ABWEHR:

Routine und Erfahrung standen im Vordergrund der defensiven Kaderplanung. Nach dem Abgang von Florian Neuhold zum LASK holte man den spanischen Innenverteidiger Cesar Ortiz und Ex-Teamspieler Ronald Gercaliu für die linke Abwehrseite an Bord. Im Zentrum stehen dazu die erfahrenen Benedikt Zech, der auch außen spielen kann, und Alexander Pöllhuber zur Wahl. Ersterer fällt allerdings erst einmal lange aus. Lukas Jäger kam zuletzt ebenfalls auf verschiedenen Positionen in der Viererkette zum Einsatz und Stefan Umjenovic rückt von den Amateuren auf. Während links Emanuel Schreiner als Alternative zur Verfügunge steht, scheint rechts Andreas Lienhart gesetzt. 

LAOLA1-Bewertung: Die Mischung klingt ansprechend, aber ist sie auch erfolgreich? Gercaliu hat eine eher durchwachsene Zeit in Aue und Cluj hinter sich. Mit Ortiz hofft man dafür, einen Leader verpflichtet zu haben. Die Verletzung von Zech so kurz vor Start tut in jedem Fall sehr weh.

  MITTELFELD:

Im defensiven Mittelfeld ist Kapitän Philipp Netzer die unumstrittene Schaltzentrale. Die Position vor der Abwehr kann man dazu nach dem Abgang von Sasa Pantic auch mit Jan Zwischenbrugger besetzen, der zuletzt in Ried nicht wirklich zur Geltung kam. Davor tummeln sich auf den Halbpositionen mehrere vielseitig einsetzbare Spieler. Felix Roth und Daniel Luxbacher können auf ebenso viel Erste-Liga-Erfahrung bauen wie Neuzugang Patrick Salomon, der aus Lustenau kam. Mit Boris Prokopic gibt es immerhin auch jemanden mit 48 Bundesliga-Einsätzen. Dazu hofft man mit FAK-Leihgabe Ismael Tajouri, dem Brasilianer Rafinha und Timo Wölbitsch vielversprechenden Nachwuchs in den eigenen Reihen zu haben.

LAOLA1-Bewertung: In der Ersten Liga kennen die Herren jeden Grashalm in- und auswendig. Ob man sich einen Stock höher auch so gut zurechtfindet, wird sich erst weisen, auch wenn die Anlagen dazu auf jeden Fall vorhanden sind. 

ANGRIFF:

Der alte Mann will es noch einmal wissen: Hannes Aigner fühlt sich mit 33 Jahren fitter denn je und schoss sich mit zwei Torjäger-Kronen in Folge (18 bzw. 22 Treffer) noch einmal für die Bundesliga warm. Rechtsaußen scheint nichts an Patrick Seeger (13/14: 7 Tore, 8 Assists) vorbeizuführen. Dazu ist Louis Ngwat-Mahop vielseitig einsetzbar. Als Mittelstürmer-Hoffnung holte man Darijo Pecirep von Wallern aus der RL-Mitte und mit Ivan Kovacec, der von Liefering kam und zuletzt an den LASK verliehen war, hat man einen weiteren torgefährlichen Spieler für die linke Außenbahn unter Vertrag genommen.

LAOLA1-Bewertung: Alles auf Aigner? In der letzten Saison traf der Oldie nach Belieben, dass er das in der Bundesliga auch zustande bringen kann, ist bekannt. Bei einem Ausfall des Leithammels könnte es aber eng werden. 

 TRAINER:

Er zog einst aus, um Bundesliga-Trainer zu werden. Jetzt hat Damir Canadi sein Ziel erreicht - allen Unwägbarkeiten und einer fehlenden Lobby zum Trotz. Schon beim FC Lustenau machte der Wiener aus wenigen Mitteln sehr viel und sorgte mit kompromisslosem Angriffsfußball für Aufsehen. Ordnung hat dabei aber immer oberste Priorität. Auch wenn er selbst nicht viel auf die theoretische Anordnung am Feld gibt, kann man sagen, dass Canadis Spieler in Altach das 4-3-3 mittlerweile sehr gut verinnerlicht haben. An diesem System wird der Coach also weiter feilen. Aggressives Pressing steht dabei im Vordergrund.

LAOLA1-Bewertung: "Es wird nie Grenzen geben", sagte Canadi vor nicht allzu langer Zeit im Gespräch mit LAOLA1. Offensivfußball kann man sich schnell auf die Fahnen heften, der Wiener ist aber darum bemüht, diesen auch ständig weiterzuentwicken. Das machte ihn zuletzt so erfolgreich. Man darf gespannt sein, wie die Altacher die Bundesliga aufmischen. Wie es gehen kann, hat der SV Grödig schon gezeigt. 


Anmerkung: Als Bewertungsgrundlage gibt es 1 bis 10 Bälle, wobei 10 das Maximum darstellt.

SCHLÜSSELSPIELER:

Philipp Netzer: Der Kapitän nimmt als defensiv orientierter Spieler im zentralen Mittelfeld eine ganz wichtige Rolle im System der Altacher ein. Nach Benedikt Zech und Martin Kobras kam der ehemalige U21-Teamspieler mit 2710 Minuten auf die meiste Einsatzzeit bei den Vorarlbergern. Über die Jahre hat sich der ehemalige Austrianer zu einem unverzichtbaren Führungsspieler entwickelt. Nach sieben Bundesliga-Einsätzen für die Veilchen wird es aber auch für ihn ein Neuanfang in der obersten Spielklasse.

 

Hannes Aigner: Routine besitzt der Torjäger des Aufsteigers genug. In 171-Bundesliga-Einsätzen kam der Tiroler auf 41 Treffer und 14 Assists. In den vergangenen beiden Jahren holte er sich die Torjäger-Krone in der Ersten Liga und stellte dabei seine Abgebrühtheit vor dem gegnerischen Tor unter Beweis. Zum Glück der Rheindorfer blieb der mittlerweile 33-Jährige in der jüngeren Vergangenheit von gröberen Verletzungen verschont. Darauf muss Altach auch in Zukunft hoffen. Denn abgesehen von ihm kam keiner seiner Teamkollegen auf eine zweistellige Ausbeute.

UNTER DRUCK:

César Ortiz: Die Erwartungen an den Neuzugang vom FC Vaslui sind groß. "Er war in allen Teams, in denen er spielte in einer Leaderposition und Kapitän seiner Mannschaft", streut Sportdirektor Georg Zellhofer dem Spanier, der aus dem Nachwuchs von Atletico Madrid kommt und einst mit David de Gea von Manchester United zusammenspielte, Rosen. In der abgelaufenen Saison war Ortiz bei Vaslui zu Beginn kein fixer Bestandteil der Abwehr, erkämpfte sich aber im Verlauf der Saison einen Stammplatz. In Altach dürften seine Qualitäten von Beginn an gefragt sein.

 

Ronald Gercaliu: Mit seiner Routine und Erfahrung soll auch der Österreich-Heimkehrer den Altachern zusätzliche Qualität verleihen. Sporadische Einsätze in der zweiten deutschen Bundesliga, der deutschen Oberliga und Rumäniens Oberhaus in der abgelaufenen Saison spiegeln ein durchwachsenes Jahr für den Linksverteidiger wieder. In Altach ist man dennoch von seinem Potenzial überzeugt und er erhielt einen Vertrag über ein Jahr plus Option. Als Spieler mit ausgeprägtem Offensivdrang soll der Ex-Teamspieler auch nach vorne einiges bewegen.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Billige Stammkraft in der Verteidigung gefällig? Andreas Lienhart war in der Meister-Saison nicht nur ein Führungsspieler sondern auch fixer Bestandteil der Viererkette auf der rechten Verteidigerposition. Im Manager gibt es den Grazer für 7,40 Millionen zu haben. 

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DAS LAOLA1-FAZIT:

Erlebt die Bundesliga ihr nächstes (Dorf-)Wunder? Die Gegebenheiten sind in Altach zwar andere als im Vorjahr beim SV Grödig, allerdings traute bzw. traut man beiden Teams auf den ersten Blick kaum etwas zu. Dazu haben die Rheindorfer mit Damir Canadi, wie Grödig im Vorjahr mit Adi Hütter, einen Coach, der mit Offensivfußball die Liga aufmischen will. Warum soll das nicht noch einmal gelingen? Mit genug Routine ist man jedenfalls ausgestattet, zudem weiß man in Altach aus jahrelanger Erfahrung, wie Bundesliga geht. Auch die Begeisterung in der Region war in der abgelaufenen Spielzeit deutlich spürbar. Mit durchschnittlich 3.328 Zuschauern konnte man die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um satte 38,3 Prozent steigern. Bislang kann man also nur wenig an der einst im Jahr 2012 begonnen "Mission Aufstieg" aussetzen. Doch der schwerste Teil steht erst bevor. Mit einer hungrigen Mannschaft, einem verinnerlichten System und einem gewieften Coach ist dem SCR Altach das vorrangige Ziel Klassenerhalt allemal zuzutrauen.

 

Andreas Terler

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