Sommer-Check: SV Grödig

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Herzlich Willkommen, SV Grödig!

Nun beginnt auch sportlich endgültig der Ernst des Lebens für die Salzburger: Den Aufsteiger trennen nur noch wenige Tage vom historischen Heimspiel gegen die SV Ried am 20. Juli. Dann wird erstmals in der Geschichte eine Bundesliga-Partie in Grödig stattfinden.

Der dafür benötigte große Coup gelang dem Klub aus der 7000-Seelen-Gemeinde dieses Frühjahr, als man den überlegenen Winterkönig Austria Lustenau in der Ersten Liga noch einholte und Anfang Mai den Titel und Aufstieg ins Oberhaus fixierte.

Die Begeisterung ob des neuen Bundesligisten hielt sich vielerorts in Grenzen, die Grödiger rund um Manager Christian Haas wollen es nun umso mehr allen zeigen und sich in Österreichs Elite halten.

LAOLA1 hat die große Sommervorschau für den SV Grödig:



UNTER DRUCK:

Sascha Boller: Wie heißt es so schön? Worten müssen Taten folgen. Und der Neuzugang vom großen Rivalen der vergangenen Saison, Austria Lustenau, hatte viel zu sagen. Zumal sich der Kreativspieler entschied, mitten im heißen Titelkampf zum großen Rivalen aus Salzburg zu wechseln. Ex-Kollege Patrick Salomon meinte in weiterer Folge, Boller erzähle "Scheiße". Wie auch immer, während der Rest der Mannschaft relativ befreit die erste Saison im Oberhaus starten kann, werden die Augen der Öffentlichkeit vor allem auf den 31-Jährigen gerichtet sein. Der Blondschopf polarisiert, nun liegt es an ihm, zu zeigen, dass er auch das Zeug für die Bundesliga hat.

SHOOTINGSTAR:

Cican Stankovic: Der 20-Jährige gehörte der Grödiger Meistermannschaft der vergangenen Saison ebenso wenig an wie Boller, hat sich aber diesen Aufstieg redlich verdient. Der Keeper zeigte beim SV Horn tolle Leistungen, spielte elf von 34 Spielen zu Null und galt als bester Torhüter der Ersten Liga 2012/13. Nun liefert sich der Austro-Bosnier ein Duell mit dem drei Jahre älteren Kevin Fend um die Nummer 1. Es würde nicht überraschen, wenn sich der Neuzugang durchsetzen würde. Zumindest erhöht es den Konkurrenzkampf, was bekanntlich nie schaden kann.

SCHLÜSSELSPIELER:

Ione Cabrera: Nach seinem Wechsel von Altach zu Grödig 2011 übernahm der Spanier die Führungsrolle in der Abwehr der Salzburger und wurde Kapitän. Vergangene Saison war die Grödiger Verteidigung die beste der Liga, 30 Gegentore standen nach 36 Runden zu Buche. In der ersten Saison in der Bundesliga ist es hinsichtlich des erklärten Ziels Klassenerhalt essenziell, dass die Abwehrleistungen entsprechen und dafür zeichnet Cabrera hauptverantwortlich. Gemeinsam mit Dominique Taboga soll er das Zentrum dicht machen und die teilweise sehr jungen Außenspieler wie Vorderleute dirigieren.

Thomas Salamon: Der 24-Jährige kennt die Bundesliga bereits, spielte der frühere Austrianer doch bis 2011 für den SV Mattersburg. Bei den Burgenländern konnte sich der Mittelfeldspieler aber nicht so richtig über längere Zeit in Szene setzen, das gelang ihm in seinem zweiten Jahr bei den Grödigern umso mehr. In diesem gelangen dem Burgenländer bei 35 Einsätzen in der Ersten Liga zwölf Treffer sowie 13 Assists. Er war damit einer der Schlüssel zum Aufstieg in die Bundesliga. Der offensive Außenspieler ist bei Trainer Adi Hütter gesetzt und soll auch im Oberhaus viele Akzente im Spiel nach vorne setzen.

TRAINER:

Adi Hütter: In seinem fünften Jahr als Trainer gelang dem Vorarlberger jener große Coup, der ihm die Jahre zuvor mit seinem Heimatverein SCR Altach verwehrt blieb. "Das mit Grödig zu schaffen hat schon mehr Gewicht", zeigte sich der 42-Jährige stolz. Gemeinsam mit Co-Trainer Edi Glieder ("Adi und Edi") will die Austria-Salzburg-Ikone nun beweisen, dass Grödig in der Bundesliga bestehen kann. Der früherere Mittefeldspieler setzt dabei auch eine Liga höher auf den von ihm geforderten Kombinationsfußball. "Da bin ich einfach ein Verfechter, das gefällt den Spielern, das gefällt den Zuschauern", meinte Hütter, der sich dafür dynamische Spieler um sich schart, bereits 2012. Der Grödig-Coach hat einen (Karriere-)Plan und ein Konzept, das er nun erstmals als Trainer in der Bundesliga erfolgreich umsetzen will.

Wie Adi Hütter darf sich nun auch Manager Christian Haas erstmals in der Bundesliga beweisen. Und der frischgebackene 36-Jährige hatte schon in der Sommerpause genügend zu tun. Auf wie abseits des Platzes gab es einige Baustellen, die schönste Nachricht folgte für den Dorfklubs zuletzt: Die so dringend benötigte Stadion-Zufahrt von der Tauernautobahn zur Unterbergsarena wurde bewilligt, nach einer 150.000-Euro-Spritze vom Land Salzburg wird seit Montag gebaut. Im Stadion sind auch Bauarbeiten im Gange, provisorische Tribünen werden aufgebaut. Am 20. Juli soll beim Heimspiel gegen Ried alles fertig sein. "Als Aufsteiger hat man zudem den Bonus, dass man die Bundesliga-Statuten erst mit den Lizenzunterlagen des kommenden Jahres erfüllen muss. Wir wollen einfach ein kleines, schönes Stadion", erklärte Haas unlängst im LAOLA1-Interview. In diesem skizzierte der Grödiger Macher auch, warum Stürmer Radovan Vujanovic trotz Zusage doch nicht zu den Salzburgern wechselte. Neben einem Angreifer soll auch noch ein Mittelfeldspieler kommen, links in der Verteidigung ist der ehemalige Mattersburger Potzmann vorgesehen, dessen Verpflichtung aber noch nicht offiziell ist. "Ich bin vom Klassenerhalt überzeugt", gibt sich Haas in jedem Fall optimistisch. Sicherlich wird das erste Bundesliga-Jahr aber auch ein Lernprozess.

Seien wir uns ehrlich: Die Liga-Manager im ganzen Land kaufen erst die Stars und dann geht ihnen das Geld aus, obwohl vielleicht noch nicht einmal eine Startelf vorhanden ist. Glücklicherweise gibt es aber auch Schnäppchen und wir helfen gerne, auf welche aufmerksam zu machen. Im Fall von Aufsteiger Grödig gibt es naturgemäß einige, aber Thomas Zündel wird sich auch rechnen. Der Außenverteidiger, der links wie rechts spielen kann, hat sein Stammleiber praktisch fix und ist dafür mit 7,6 Millionen preiswert. So kann mit bestem Gewissen das restliche Geld woanders investiert werden.

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THESE: DIE BUNDESLIGA BRAUCHT DEN SV GRÖDIG NICHT

PRO - Ein Kommentar von Martin Wechtl

Zuerst einmal ein höfliches „Grüß Gott“ SV Grödig. Wer sich in der Ersten Liga durchsetzt und Meister wird, hat es verdient, in der Bundesliga zu spielen. Soweit so gut. Bereicherung für Österreichs höchste Spielklasse ist die Hütter-Truppe jedoch keine. Woher dieses negative Vorurteil kommt? Sagen wir so, die Bundesliga genießt bereits seit längerer Zeit nicht unbedingt den besten Ruf. Nun beschert uns der Fußball-Gott mit Grödig einen weiteren Verein der Kategorie „Dorfklub“. Haben wir denn davon nicht schon genug? Ich will hier nicht Teams wie Wiener Neustadt oder Admira Wacker anprangern, aber teilweise bietet sich für die Öffentlichkeit bei Spielen dieser Mannschaften ein verheerendes Bild. Angefangen von den furchtbaren Plätzen, die teilweise als Acker bezeichnet werden können, bis hin zum fehlenden Zuschauer-Interesse. Und Grödig hat nicht annähernd eine Heimstätte, die als Stadion bezeichnet werden kann, geschweige denn ein großes Fan-Potenzial. Die Salzburger mögen sportlich ihre Berechtigung haben, um in der Bundesliga auflaufen zu dürfen. Doch darauf hätte ich gerne verzichten können.


CONTRA - Ein Kommentar von Bernhard Kastler

In erster Linie braucht die Bundesliga Grödig alleine schon deswegen, um die Zehnerliga ordnungsgemäß umzusetzen. Und aus diesem pragmatischen Grund heraus ergibt sich der eigentliche, warum die Liga den SVG braucht: Der Aufstieg der Salzburger macht endgültig bewusst, was anderorts so schief läuft. Da bahnt sich der nächste Dorfklub aus einer 7000-Seelen-Gemeinde den Weg in die höchste Spieklasse Österreichs. Warum? Weil es Traditions- und Möchtegern-Spitzenklubs schlicht und einfach nicht besser können - obwohl sie aus im Vergleich riesigen Städten und damit Wirtschaftsräumen kommen. Grödig ist der Spiegel der teilweise inferioren Klubführung im heimischen Fußball. GAK und LASK seien etwa als Beispiele angeführt. Die Salzburger haben sich völlig verdient ihren Weg in die höchste Spielklasse gebahnt. Ob das der Bundesliga gut tut oder nicht, mag jeder für sich selbst beantworten. Aber vielleicht hat die Bundesliga gerade Grödig gebraucht, um ein Umdenken da wie dort anzustiften.


  • 9 - So viele Punkte Rückstand hatte Grödig (damals Dritter) in der vergangenen Winterpause auf den Tabellenführer der Ersten Liga, Austria Lustenau. 17 Spieltage später beendete der SVG die Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung auf Altach, 14 auf Lustenau.
  • 10 - Wenn die neue Zufahrt fertig ist, wird man mit dem Auto in etwa zehn Minuten (ohne Stau) von der Untersberg-Arena in die Red-Bull-Arena nach Salzburg brauchen.
  • 71 - Die Grödiger waren vergangene Saison die Tormaschinerie der Ersten Liga. Mehr als 70 Treffer standen am Ende zu Buche und sorgten für den Aufstieg ins Oberhaus.
  • 4000 - So viele Zuschauer sollen am 20. Juli beim ersten Heimspiel gegen die SV Ried in der Untersbergarena Platz finden.
  • 150.000 - So viele Euro kostet die neue Zufahrt, die von der Tauernautobahn bis zur Untersbergarena führen wird. Das Land Salzburg hat die Kosten übernommen.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Keiner gibt Grödig eine Chance, die wollen die Salzburger nutzen. Zwar war es in den vergangenen Jahren so, dass die Aufsteiger allesamt eine gute Rolle gespielt haben, doch die Mehrheit in Fußball-Österreich traut das den Grödigern nicht zu. Es gab nominell schon stärkere Aufsteiger in die Bundesliga, doch unterschätzen sollte man die Truppe von Trainer Adi Hütter auch wieder nicht. Wie eben erwähnt, haben die vergangenen Jahre bewiesen, dass der Unterschied zwischen dem Top-Team der Ersten Liga und der Bundesliga nicht unbedingt groß sein muss. Vor allem, wenn die Truppe eine eingespielte wie in diesem Fall ist. Die Grödiger werden sich nichtsdestoweniger im Kampf gegen den Abstieg wiederfinden, was nicht heißen muss, dass der verloren wird. Die Konkurrenz ist bei entsprechender Umsetzung des Leistungsvermögens sicherlich in Reichweite. Zumal hungrige Spieler am Werk sind, die sich in der Bundesliga einen Namen machen wollen. Und vermeintliche Abstiegskandidaten Nummer 1 haben es in den vergangenen Jahren auch vorgemacht, wie es möglich ist, die Klasse zu halten.


Bernhard Kastler

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