Saisonvorschau: SC Wiener Neustadt

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In Wr. Neustadt ist im Sommer kein Stein auf dem anderen geblieben: Mit einem neuen Trainer und vielen neuen Spielern geht der Vorletzte der letzten Saison in sein viertes Bundeslliga-Jahr.

Speziell die Fluktuation am Spielersektor war gewaltig. 17 Akteure haben den Klub verlassen, 13 neue sind gekommen.

An vorderster Front steht aber Neo-Coach Heimo Pfeifenberger, der in die Fußstapfen von Peter Stöger tritt. Auf den 45-Jährigen wartet in seiner ersten Station als Bundesliga-Trainer gleich viel Arbeit.

Der 40-fache Internationale muss schnellstmöglich die richtige Elf finden, um von Beginn an präsent zu sein. Denn die Zielsetzung ist klar definiert: Klassenerhalt.

Dabei ist jeder Punktgewinn wichtig. Der Salzburger ist natürlich guter Dinge: „Es sind sehr viele neue Spieler hier, zum Teil auch sehr unerfahrene Spieler. Die Truppe ist aber total willig. Sie nehmen die Dinge an, die man mit ihnen bespricht. Es macht wirklich Spaß, mit den Jungs zu arbeiten. Ich hoffe, dass wir positive Fortschritte machen, damit wir einen guten Start in der Liga hinlegen.“

Dass die Niederösterreicher als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt werden, sieht er als zusätzlich Motivation: „Wenn du von Beginn an abgeschrieben wirst, hast du nichts mehr zu verlieren. Dann ist Fußballspielen total lässig, denn du kannst befreit aufspielen.“ Ob es gelingt, wird sich zeigen.

LAOLA1 hat die große Saisonvorschau für den SC Wiener Neustadt:



SHOOTINGSTAR:

Dominik Hofbauer: Im Nachwuchs bei Austria und Sturm tätig, wechselte der mittlerweile 21-Jährige im Sommer 2007 gemeinsam mit seinem damaligen ÖFB-U17-Teamkollegen Andreas Weimann zum Premier-League-Klub Aston Villa. 2010 endete das Abenteuer jedoch wieder. Der Mittelfeldspieler lieferte zuletzt in der Ersten Liga bei St. Pölten eine starke Saison ab und soll nun den endgültigen Durchbruch in der Bundesliga schaffen.


UNTER DRUCK:

Dario Tadic: Es hat nicht sollen sein. Der Stürmer konnte sich bei der Wiener Austria nicht wirklich durchsetzen. Speziell in der abgelaufenen Saison pendelte der 21-Jährige mehr zwischen Ersatzbank und Tribüne statt zwischen dem Mittelfeld und dem Strafraum. Aus diesem Grund wagte er im Sommer den Sprung nach Wiener Neustadt. In Niederösterreich soll die Lust am Fußballspielen zurückkehren und sein Name nicht in Vergessenheit geraten.


STAR:

Jörg Siebenhandl: 111 gehaltene Torschüsse, ein erzieltes Tor (!) beim Bundesliga-Debüt und die erstmalige Einberufung ins ÖFB-Team. Neustadts Keeper kann auf eine fantastische Saison zurückblicken. Der 21-Jährige hatte maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt seiner Mannschaft. Und auch im neuen Spieljahr wird es erneut auf den Blondschopf ankommen.



Neben der sportlichen Herausforderung gibt es beim SC Wiener Neustadt eine weitere große Baustelle: Die Suche nach einem Hauptsponsor. Diese entpuppt sich allerdings als schwierig. „In Zeiten wie diesen ist es für einen Verein, wie wir es sind, nicht einfach, einen Hauptsponsor an Land zu ziehen. Aus diesem Grund wurde auch ohne diese Einnahmequelle budgetiert“, erklärt Pressesprecher Christoph Ungerböck. Als Konsequenz wurden die Neuverpflichtungen auch über weite Strecken nur mit einem Einjahres-Vertrag ausgestattet. „Erstens, weil wir es uns anders nicht leisten können, und zweites, weil wir damit kein Risiko eingehen, sollte einer nicht die gewünschte Verstärkung sein.“ Somit kann man davon ausgehen, dass es nächstes Jahr im Sommer ein ähnlich hektisches Treiben in der Kaderzusammenstellung geben wird. Vorausgesetzt ist natürlich der Klassenerhalt. Summa summarum gilt für die Verantwortlichen eine große Devise: Ruhe bewahren!

Das sagen unsere Facebook-User: Wir haben unsere Facebook-User befragt, welche Platzierung Wiener Neustadt in der kommenden Saison erreicht. 37,9 Prozent sind der Meinung, dass die Pfeifenberger-Truppe absteigen muss.

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MANAGER-SCHNÄPPCHEN

Dennis Mimm: Der Tiroler hat es über Regionalliga und Erste Liga zurück in die Bundesliga geschafft. Nach seiner guten Saison beim FC Lustenau mit 35 Einsätzen und drei Toren winkt im auch in Neustadt ein Platz in der Startelf. Und 5,2 Millionen sind für einen Stammspieler ein wahres Schnäppchen.

 

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WIENER NEUSTADT IST DER FIXABSTEIGER

PRO - Ein Kommentar von Harald Prantl

Ja, auch im vergangenen Sommer wurde Wr. Neustadt als Fixabsteiger gehandelt. Ja, sie haben es allen Unkenrufen zum Trotz geschafft, die Klasse zu halten. Nein, das gelingt kein zweites Mal. Weil es diese Saison kein anderes Team geben wird, das einen Kapfenberg'schen Negativlauf hinlegt. Weil die Mannschaft mit Michael Madl, Mario Reiter und Andreas Schicker drei absolute Leistungsträger verloren hat. Weil die Neuzugänge nicht annähernd die Klasse des Trios haben. Weil Heimo Pfeifenberger - im Gegensatz zu Peter Stöger - keine Bundesliga-Erfahrung hat. Weil weit und breit kein Goalgetter in Sicht ist. Weil die Fusions-Gerüchte (St. Pölten) nicht verstummen und für Unruhe sorgen werden. Weil die Fan-Unterstützung denkbar gering ist. Und in erster Linie: Weil dieser Mannschaft alles in allem schlichtweg die Qualität fehlt. Ja, Wunder geschehen. Nein, nicht jedes Jahr.

CONTRA - Ein Kommentar von Peter Altmann

Du hast keine Chance, also nutze sie… Ja, Wiener Neustadt geht als Abstiegskandidat Nummer eins in die neue Spielzeit. Aber Fixabsteiger? Nein. Das wäre viel zu voreilig. Diesbezüglich reicht alleine ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Schon in der Vorsaison wurden die Niederösterreicher von vielen voreilig abgeschrieben, nur um dann von Anfang an wenig bis gar nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Im Jahr davor musste der LASK in den sauren Abstiegs-Apfel beißen, was damals vor dem Saisonstart in dieser Form nicht absehbar war. Kurzum: Auch Wiener Neustadt hat eine Chance. Und Chance ist auch das wichtigste Schlagwort bei den ehemaligen Stronach-Günstlingen. Finanziell eng limitiert, gibt der Verein talentierten Kickern wie Daniel Offenbacher oder Dominik Hofbauer, denen bislang aus verschiedensten Gründen der Durchbruch verwehrt blieb, die Chance, sich in der höchsten Spielklasse zu bewähren. Dies hat im Vorjahr bestens funktioniert, auch heuer könnte die Motivation aus diesem „Underdog-Effekt“ ein entscheidender Trumpf sein. Die Frage ist nur, ob Trainer Heimo Pfeifenberger diesen ebenso geschickt nutzen kann wie Vorgänger Peter Stöger…?



  • 4 – Jörg Siebenhandl, Günter Friesenbichler, Dario Tadic und Peter Hlinka. Nur diese vier Spieler aus dem aktuellen Kader haben in der vergangenen Saison ins Tor getroffen. Dass mit Siebenhandl ein Torhüter aufgelistet wird, ist bezeichnend für die schwache Offensiv-Abteilung. Kein Wunder also, dass Neustadt die wenigsten Torschüsse abgegeben hat (349).
  • 9 – Diesen Platz belegten die Niederösterreicher im letzten Jahr. Wird dieser Rang verteidigt, darf von einem Erfolg gesprochen werden.
  • 583 – Die Anzahl der eingesteckten Fouls. Kein anderes Team der Liga wurde seltener gefoult. Hatten es die Gegner nicht nötig, unlautere Mittel zu benutzen?
  • 1459 – So oft probierten die Blau-Weißen den Ball mit einem langen Pass zum Mitspieler zu bringen. 531 Mal war man damit erfolgreich. Somit ist der Versuch in 36 Prozent der Fälle gelungen.

DAS LAOLA1-FAZIT:

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Der SC Wiener Neustadt steuert einmal mehr einer ganz schweren Saison entgegen. Alles andere als der Abstieg wäre eine große Überraschung. Zwar wurden bereits vor einem Jahr ähnliche Prognosen aufgestellt, diesmal sehen die Vorzeichen jedoch noch schlechter aus. Konnte der Klassenerhalt im vergangenen Spieljahr auch dank der desolaten Leistung des Kapfenberger SV noch recht einfach und frühzeitig fixiert werden, dürfte es heuer ungleich schwieriger werden. Ein neuer Trainer, ein praktisch komplett neues Team. Wer die Fußball-Mechanismen kennt, der weiß, dass so ein radikaler Umbruch Zeit braucht. Zeit, die es im Fußball aber nicht gibt. Die anderen Bundesliga-Klubs sind definitiv einen Schritt weiter. Ob erneut eine Mannschaft a la KSV derart aus der Reihe tanzt, ist unwahrscheinlich.

Martin Wechtl

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