Große Träume, kleines Geld

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Nächstes Jahr begeht Innsbruck ein trauriges Jubiläum. Genauer gesagt, der Fußball-Klub.

2012, vor genau zehn Jahren, musste der damalige FC Tirol als frischgebackener Meister aufgrund des horrenden Schuldenbergs Konkurs anmelden.

Der Verein löste sich daraufhin auf und wurde als FC Wacker Tirol neu gegründet. Mittlerweile alles Gras von gestern.

An den Skandal von einst erinnert nicht mehr viel. Aus Wacker Tirol wurde 2007 Wacker Innsbruck, der Klub spielt seit 2010 wieder in der Bundesliga.

Nur die lästigen Finanz-Probleme wurden die Schwarz-Grünen nicht ganz los.

Den Widerständen zum Trotz, will sich die Truppe von Walter Kogler in der Bundesliga etablieren und vielleicht irgendwann wieder einmal im Konzert der Großen mitspielen.

LAOLA1 nimmt für die Bundesliga-Vorschau den FC Wacker Innsbruck unter die Lupe:

AUSGANGSLAGE

Eigentlich müsste in und um Innsbruck in einer Tour die Sonne scheinen. Im Jahr eins nach dem ersehnten Aufstieg präsentierte sich Wacker durch und durch Bundesliga-tauglich. Sportlich war die Kogler-Truppe eine der großen Überraschungen der vergangenen Saison, spielte lange um die internationalen Plätze mit und war im Herbst sogar kurzzeitig Tabellenführer. Auch der Zuschauer-Schnitt konnte sich mit 10.400 (Platz drei hinter Rapid und Sturm) mehr als sehen lassen.

Alleine die leidigen und immer wiederkehrenden finanziellen Probleme trübten das gute Jahr. Der Tiroler Traditionsverein hat die Lizenz erst in zweiter Instanz unter Auflagen erhalten, nachdem Obmann Kaspar Plattner in kürzester Zeit ein 200.000-Euro-Loch stopfen konnte.

Positiv: Der Spielbetrieb für die kommende Saison ist ausfinanziert. "Wir werden mit einem Sechs-Millionen-Euro-Budget in die Saison gehen", so Plattner, der künftig auch auf "Hervis" als Sponsor bauen kann. Das Sportartikel-Geschäft wird im Stadion werben und die Kampfmannschaft mit Sportartikeln ausstatten.

PERSONAL

Viel Spielraum hatte Kogler im Sommer nicht, auch wenn Pascal Grünwald (Austria) und Harald Pichler (Rapid) zusammen rund 500.000 Euro in die klamme Vereinskassa spülten. Ein Teil des Geldes wurde für das Stopfen des Budgets verwendet, mit dem Rest konnte der Wacker-Cheftrainer immerhin Talent Daniel Schütz (Altach/rund 180.000 Euro) an den Inn locken. "Mit Schütz ist es uns erstmals gelungen, einen Spieler zu holen, der jung und interessant ist, und schon einen gewissen Marktwert hat. Sonst holen wir immer junge Spieler von ganz unteren Ligen", freut sich Kogler. Außerdem hat der 43-Jährige mit Szabolcs Safar einen routinierten Schlussmann als Grünwald-Ersatz bekommen, der über 200 Bundesliga-Spiele vorweisen kann. Die von Regionalligist Wattens gekommenen Markus Egger (Tor) und Mathias Perktold (Mittelfeld) verstärken den Innsbrucker Kader in der Breite. Nur für den abgewanderten Pichler haben die Tiroler keinen Ersatz geholt - der Innenverteidiger wird intern nachbesetzt.

AUSBLICK

Die Rahmenbedingungen wären in Innsbruck eigentlich ideal, um wieder einen Topklub aufzubauen. Das Tivoli neu, eines der vier EM-Stadien von 2008, ist ein Schmuckkästchen, das mit 17.400 Zuschauern eine passable Kapazität bietet. Und dass Wacker sein "Wohnzimmer" auch gut auslasten kann, hat die vergangene Saison gezeigt. Auch für die kommenden Saison ist zu erwarten, dass der Boom anhält.

Sportlich hat Trainer Walter Kogler ein solides Fundament geschaffen, auf dem er weiter aufbauen kann. Der 43-jährige Kärntner geht in seine vierte Saison und will auch das für Aufsteiger traditionell schwere zweite Jahr gut überstehen. Für Kogler sind aber auch die Perspektiven wichtig - und die haben für ihn nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun. "Wir haben zwar nicht viel Spielraum, aber für mich ist das auch eine Herausforderung. Nur muss man sich die Ziele realistisch setzen. Wenn die Zielsetzung mit den Möglichkeiten einhergeht, kann man vernünftig arbeiten." Gelingt Kogler mit seiner Truppe ähnliches wie in der vergangenen Saison (Platz sechs), werden sich wohl auch weitere Sponsoren finden lassen, die Wacker auf dem Weg nach oben unterstützen. Träumereien von Meistertiteln oder Europacup-Teilnahmen sind derzeit noch nicht angebracht.

FÜNF FRAGEN AN DEN TRAINER

LAOLA1: Herr Kogler, Sie haben in der Vorbereitung auch das 4-3-3-System ausprobiert. Ein System mit Zukunft?

Walter Kogler: Stimmt, ich habe das 4-3-3 im Testspiel gegen Schachtjor Donzek ausprobiert. Ich wollte einfach sehen, ob wir auch etwas anderes spielen können. Unser Basis-System ist weiterhin das 4-1-4-1, da wissen die Spieler genau, wie sie sich verhalten müssen. Aber es ist immer gut, wenn man ein, zwei andere Systeme intus hat. Du musst im modernen Fußball flexibel sein.

LAOLA1: Es heißt, das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das schwerste. Stimmen Sie dem zu?

Kogler: Ich hoffe, dass dem nicht so ist. Aber es fällt die Aufstiegs-Euphorie weg, die einen am Anfang natürlich schon trägt. Dafür wissen wir, wie wir in der Liga dran sind. Ich denke, dass wir ganz gut unterwegs sind.

LAOLA1: Es scheint, als gäbe es mit Kapfenberg, Mattersburg, Wr. Neustadt, Admira und Wacker fünf Vereine, die sich auf Augenhöhe befinden. Wo würden Sie ihre Mannschaft einordnen?

Kogler: Ich sehe sie mittendrin. Darum tue ich mir schwer, vor der Saison eine Prognose abzugeben. In den letzten Jahren hat es mit dem LASK und Austria Kärnten immer Mannschaften gegeben, die deutlich vom Rest abgefallen sind. Ich denke, dass das heuer nicht der Fall ist.

LAOLA1: Es gab und gibt immer wieder finanzielle Probleme. Warum ist es in Tirol so schwierig, potente Sponsoren zu finden, die den FC Wacker unterstützen?

Kogler: Da bin ich zu wenig involviert. Die Rahmenbedingungen, die wir im letzten Jahr geschaffen haben, sind sicher positiv. Wir sind Sechster geworden und waren auch lange Zeit im Spitzenfeld dabei. Der Punkterekord seit Neugründung des Vereins wurde geknackt, die Mannschaft kommt mit ganz geringen finanziellen Mitteln aus, der Zuschauerschnitt lag über 10.000. Warum es dennoch finanzielle Probleme gibt, weiß ich nicht.

LAOLA1: Ist es da überhaupt möglich, dass Wacker mittel- bzw. langfristig wieder einmal oben anklopfen kann?

Kogler: So wie sich die Situation momentan darstellt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr gering. Rein vom Umfeld und von der Tradition muss es natürlich das Ziel von Wacker sein, wieder oben mitzuspielen. Aber derzeit können wir nicht davon träumen, den Anschluss an die Top vier zu schaffen. Im Gegenteil: Wir müssen eher aufpassen, dass wir nicht abdriften.

LAOLA1: Was geben Sie dann als Saisonziel aus?

Kogler: Wir wollen tunlichst nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Können wir uns da raushalten, ist nach oben sicher auch etwas möglich. Die anderen Ziele sind, dass wir die jungen Spieler weiter fördern und dazu einen schönen Fußball zeigen. Natürlich wollen wir auch wieder viele Zuschauer ins Stadion locken.

Kurt Vierthaler

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