"Das war einer Austria unwürdig"

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Kraft-, saft- und mutlos. Was die Austria bei der 0:1-Niederlage in Kapfenberg ablieferte, glich teilweise einer Arbeitsverweigerung.

Keine einzige herausgespielte Torchance, kaum ansehnliche Spielzüge. Dazu zwei verschuldete Elfmeter.

Und die Veilchen waren mit dem knappen Ergebnis sogar noch gut bedient, denn die Gastgeber trafen dreimal Aluminium und vergaben den ersten Strafstoß.

„Es ist zum Kotzen“

„Es ist zum Kotzen, wie wir Fußballspielen“, war Michael Liendl unmittelbar nach Spielende bei LAOLA1 frustriert.

Der Vorarlberger tat sich schwer, Gründe für den beschämenden Auftritt der Wiener zu finden. „Es ist zu wenig Bewegung drinnen. Wir spielen ständig hohe Bälle und hoffen, dass vorne ein glücklicher Abpraller passiert. So werden wir kein Spiel gewinnen. Man muss neidlos anerkennen, dass uns Kapfenberg gezeigt hat, wie man Fußball spielt.“

Die offensive Bankrott-Erklärung wollte Liendl nicht erneut auf die Abgänge von Zlatko Junuzovic und Nacer Barazite schieben.

„Das kann ich nicht mehr hören, kann nicht die Ausrede sein, warum wir schlecht Fußballspielen. Wir haben auch mit Junuzovic und Barazite Spiele verloren. Wir haben genug Qualität, aber wenn wir diese nicht zeigen, wird es schwierig.“

Suche nach einer Erklärung

Teamkollege Georg Margreitter wirkte ebenfalls geknickt. „Ich tue mir schwer, eine Erklärung zu finden. Es ist einfach unglaublich, dass wir als Tabellendritter zum Letzten fahren und hier nicht den Funken einer Chance haben“, so der Innenverteidiger, der vom Ende aller Meisterträume sprach:

„Wir werden jetzt alles daran setzen, um den internationalen Startplatz zu sichern. Das ist für den Verein und jeden Spieler wichtig. Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen Brust zeigen.“

Warum bei der Austria an diesem Tag so gar nichts funktionierte, konnte der Abwehrchef nicht erklären.

„Müssen uns bei Fans entschuldigen“

„Vielleicht ist es eine mentale Blockade. Wir haben einen qualitativ hochwertigen Kader. Niemand hat das Fußballspielen verlernt. Wir müssen uns jedenfalls für die katastrophale Leistung bei den Fans entschuldigen. Es war einer Austria nicht würdig. Wir haben über 90 Minuten nicht aufs Tor geschossen – das ist sehr bedenklich“, gab der 23-Jährige zu.

Und die Fans ließen ihrem Unmut freien Lauf. Die „Vastic-Raus-Rufe“ wurden in der zweite Halbzeit immer lauter, kurz vor Schluss wurde mit viel Aufwand gerade noch ein Platzsturm verhindert.

„Ich verstehe den Unmut. Sie glauben wahrscheinlich, wir haben Dressen getauscht – so hat es heute zumindest ausgesehen“, meinte Heinz Lindner.

Kritik an Linienrichter

Der Austria-Goalie ließ die Violetten mit dem gehaltenen Elfer (Nathan Junior scheiterte) in der 89. Minute vom schmeichelhaften Punktgewinn träumen, doch nur zwei Minuten später zeigte Referee Hameter nach einem fragwürdigen Foul von Peter Hlinka erneut auf den Punkt. Diesmal war der 21-Jährige gegen Sanel Kuljic machtlos.

„Normalerweise ist die Partie nach dem ersten Elfmeter vorbei. Ich weiß nicht, was der Linienrichter gesehen hat. Der Schiedsrichter ist näher gestanden, hat eigentlich weiterspielen lassen. Innerhalb von zwei Minuten zwei Elfmeter zu bekommen, ist sehr bitter“, lautete Lindners resignierender Kommentar.

Während die Spieler selbstkritisch mit der Niederlage umgingen, suchte Trainer Ivica Vastic hingegen nach Ausreden: „Im Frühjahr sind wir gegen Kapfenberg schon zum zweiten Mal vom Schiedsrichter benachteiligt worden. Im ersten Spiel wurde ein reguläres Tor aberkannt, und jetzt wurde ein fragwürdiger Elfmeter gegeben.“

Sieben Defensive zu Beginn

Vielleicht hätte eine mutigere Aufstellung etwas bewirkt, doch die sieben Defensivkräfte in der Startelf ließen nichts Gutes erahnen.

Zudem rotierte der 42-Jährige erneut durch, bot Emir Dilaver als rechter Verteidiger und Florian Klein am rechten Flügel auf. Links in der Vierkette spielte Marin Leovac, vor ihm agierte Tomas Simkovic. Markus Suttner bildete gemeinsam mit Florian Mader die Doppel-Sechs, Alexander Gorgon kam als hängende Spitze zum Zug.

„Wir müssen rotieren. Es war notwendig. Wir hatten drei Ausfälle von Stammspielern. Das waren Leute, die zuletzt starke Leistungen gebracht haben“, verteidigte der Ex-Internationale seine Aufstellung.

Seine abschließende Analyse fiel genauso ernüchternd, wie der Auftritt der Mannschaft aus - kraft-, saft- und mutlos: „Kapfenberg ist eine gute, routinierte Mannschaft. Das zeigen sie auch. Unsere Leistung war nicht berauschend. Es gibt solche Tage im Fußball. Da muss man durch…“

Martin Wechtl

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