"Waren wir uns selbst schuldig"

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Sturm findet zu Ostern Effektivität wieder

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Das Glück ist sprichwörtlich ein Vogerl, am Ostersonntag wehte der Mattersburger Wind selbiges zu Sturm.

In den vergangenen Wochen lief beim Meister nicht allzu viel zusammen, auch beim 2:0 im Pappelstadion begannen die Grazer bereits wieder mit den Umständen zu hadern – spätestens als ein regulärer Treffer von Rubin Okotie aberkannt wurde.

Mit dem 1:0 des 24-Jährigen aus klarer Abseitsposition – das erste Tor des Winter-Neuzugangs im Sturm-Dress – drehte sich jedoch das Schicksal.

„Diesmal waren wir wieder sehr effizient“

Die „Blackies“ bogen auf die Siegerstraße ein, erhöhten durch ein Traumtor von Darko Bodul und entledigten sich mit ihrem ersten Saison-Erfolg in der Fremde ihres hartnäckigen Auswärts-Fluchs.

„Die letzten Spiele waren sehr unglücklich für uns, weil wir meistens die bessere Mannschaft waren, super Torchancen hatten, aber das Tor nicht gemacht haben“, blickte Okotie zurück.

In der Tat erzielten die Steirer in den ersten neun Frühjahrs-Partien lediglich drei Treffer – eine indiskutable Quote.

„Wir haben uns eigentlich in den letzten Spielen viel mehr Torchancen erarbeitet, sie allerdings nicht genutzt. In Mattersburg haben wir aus wenigen Möglichkeiten zwei Tore erzielt. So ist der Fußball, diesmal waren wir wieder sehr effizient“, betonte Trainer Franco Foda.

„Die Effektivität war unser Meisterrezept“

Eine zutreffende Analyse, denn Sturm benötigte diesmal für seine zwei Treffer lediglich sechs Torschüsse – eine hervorragende Quote.

„Voriges Jahr war die Effektivität unser Meisterrezept. Es ist schön, dass wir wieder darauf zurückgreifen konnten. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis der Knopf aufgeht“, meinte Goalie Christian Gratzei.

Auch wenn die Schiedsrichter-Crew um Markus Hameter beim vorentscheidenden Führungstreffer falsch lag, war der Faktor Glück natürlich nicht der entscheidende. Dafür traten die Grazer, wenngleich phasenweise merklich verunsichert, doch zu dominant auf – und die vor allem in Halbzeit eins viel zu passiven Burgenländer zu ungefährlich.

„Kein Nachdruck, keine Courage“

Das sah auch Mattersburg-Coach Franz Lederer so, der von seiner Mannschaft merklich enttäuscht war.

„Unsere Leistung war in keinster Weise so, wie wir es schon gezeigt haben. Da war kein Nachdruck, keine Courage, dazu das eine oder andere Mal Halbherzigkeiten in der Defensive, denn die Tore waren meiner Meinung nach auch vermeidbar – auch wenn das erste Abseits war. Aber da hat sich der Schiedsrichter uns angepasst“, wollte der 48-Jährige nicht den Referee als Hauptgrund für die Niederlage ausmachen, auch wenn es natürlich ein Nachteil gewesen sei.

„Sturm bekommt nicht so viele Tore, aber es waren mit Nachspielzeit noch 50 Minuten zu spielen“, so Lederer, „aber bei uns war kaum einer in dem Zustand, in dem er sein kann.“

„Sturm hat hier kein Feuerwerk geboten“

Der SVM hat beim 3:3 im ersten Heimspiel gegen die Grazer bekanntlich in der Nachspielzeit einen Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt. Das Gefühl, dass solch eine „Wiederauferstehung“ auch am Ostersonntag gelingen könnte, kam jedoch wohl bei kaum einen der 3800 Zuschauer auf.

„Ich habe auch diesmal daran geglaubt, aber die Mannschaft muss ebenfalls daran glauben, und darauf habe ich während des Spiels keinen Einfluss. Sturm Graz hat hier kein Feuerwerk geboten, aber für uns hat es gereicht“, ärgerte sich Lederer.

Der Trainer mutmaßte, dass seine Mannschaft vielleicht nicht damit umgehen könne, dass man ob der gesicherten Tabellensituation „befreit und locker darauf los spielen“ könnte. Auf den Tisch hauen und seine Elf aufwecken müsse er in der kommenden Woche jedoch nicht:

„Da muss jeder so ehrlich zu sich selbst sein, dass der Trainer nicht große Schlägereien veranstalten muss. Wenn einer von uns zufrieden nach Hause geht, macht er sowieso den falschen Job.“

Foda vermisste Zielstrebigkeit

Auch Foda sah seine Mannschaft als verdienten Sieger, ortete jedoch weiter jede Menge Luft nach oben. Vor allem die fehlende Zielstrebigkeit nach dem 2:0 war dem Deutschen ein Dorn im Auge:

„Da gab es viele Räume, wir haben jedoch aus den vielen Kontermöglichkeiten zu wenig gemacht, weil wir zu unkonzentriert waren, der letzte Pass gefehlt hat. Da hätten wir noch einmal nachsetzen müssen.“

Unterm Strich zählte für Sturm jedoch nur, endlich den leidigen Auswärts-Fluch zu den Akten gelegt zu haben. „Endlich müssen wir diesen Mist nicht mehr hören“, atmete Thomas Burgstaller auf.

„Wir wollten in dieser Saison unbedingt noch einen Auswärtssieg erreichen, das waren wir uns selbst schuldig“, betonte Gratzei.

„Nicht nach links und rechts schauen“

Zudem wussten die Steirer, dass es ob der Siege von Salzburg, Rapid und Austria dringend von Nöten war, den Anschluss zu halten. Eine Niederlage wäre ein schwerer Rückschlag im Kampf um einen internationalen Startplatz gewesen.

Foda: „Nachdem die anderen Mannschaften vorgelegt haben, war die Situation für die Spieler natürlich nicht einfach, aber damit muss man leben. Ich sage den Spielern immer wieder, dass wir unseren Weg beschreiten müssen und nicht nach links oder rechts schauen dürfen.“

Nächstes Hindernis auf diesem Weg ist im ÖFB-Cup-Viertelfinale Zweitligist Hartberg. Auf den ersten Blick vor heimischem Publikum eine dankbare Aufgabe, wobei Gratzei warnt:

„Die werden alles in die Waagschale werfen. Man weiß von den legendären Cup-Fights, das wird uns nicht erspart bleiben. Aber wir sind bereit.“

Peter Altmann

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