Grazer Selbstkritik

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"Dann braucht man sich nicht zu beschweren"

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Irgendwie kann man schon eine Schablone über die Begründungen für eine Sturm-Enttäuschung legen, so sehr ähneln sie sich von Partie zu Partie.

Aus der oftmaligen spielerischen Überlegenheit resultierten bislang einfach zu wenig Tore.

Wobei man nach dem 0:1 in Ried allerdings einschränken muss, dass die Grazer erst in der zweiten Halbzeit klar den Ton angaben.

Am Schluss stand dennoch die erste Saison-Niederlage und zum vierten Mal im sechsten Meisterschaftsspiel ein Punktverlust, den man als nicht notwendig bezeichnen konnte.

Selbstkritik statt Schiedsrichter-Ärger

Der Ärger über das Innviertler Abseitstor von Daniel Sikorski war naturgemäß ein großer. „Für mich ist diese Szene ein absoluter Wahnsinn“, schnaubte der frühere Ried-Kicker Anel Hadzic.

Im Mittelpunkt der schwarz-weißen Analyse stand jedoch weniger der Schiedsrichter-Lapsus, sondern Selbstkritik bezüglich des eigenen Auftretens.

Goalie Michael Esser: „Wir haben in der ersten Halbzeit zu verhalten und zu langsam gespielt. Dann braucht man sich auch nicht zu beschweren, wenn man 0:1 verliert.“

„Das war nicht das, was wir uns vorgenommen haben“, meinte Hadzic, „wir haben uns nicht auf ihre langen Bälle, die sie aus der Dreierkette rausgespielt haben, einstellen können. Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen. Darauf hat uns der Trainer hingewiesen. Zweite Halbzeit waren wir klar feldüberlegen und nur in ihrer Hälfte. Wir müssen einfach einmal ein Tor machen, dann schaut das Spiel wieder anders aus.

Probleme mit dem „eigenartigen System“

Auch Thorsten Schick wies auf das „extrem defensive und eigenartige System“ der Rieder hin, das Sturm gerade zu Spielbeginn vor Probleme stellte: „Die ersten 30 Minuten haben wir komplett verschlafen, da waren wir überhaupt nicht im Spiel und sind mit dem System überhaupt nicht klargekommen.“

Was es so schwer macht, das 3-3-3-1 der Oberösterreicher zu bespielen? „In der Defensive ist es eine reine Fünferkette mit vier Spielern davor und einem Stürmer. Das heißt, es verteidigen neun Spieler. Wir als Offensivspieler wissen irgendwie nicht, wo wir hinlaufen sollen, denn die stehen so tief, dass du nicht tief gehen kannst, weil du quasi schon im Sechzehner drinnen bist, Du kannst auch nicht kurz kommen, weil immer zwei, drei Spieler bei dir rundherum sind. Es ist einfach ein extrem schwieriges System, das sicherlich seine Nachteile hat, aber die haben wir zu wenig aufgezeigt.“

Zumindest wurden die einstudierten Trainingsinhalte zu wenig konsequent auf den Platz gebracht, in der Anfangsphase gar nicht.

Schick: „Wir haben trainiert, dass wir sie auf eine Seite locken, schnell ins Zentrum kommen und dann wechseln. Das haben wir zweite Halbzeit besser gemacht, da sind wir ein paar Mal durchgekommen. Vor der Pause haben wir das komplett vermissen lassen.“

„Eigentlich kannst du auswärts nicht besser spielen als zweite Hälfte“

Auch Trainer Franco Foda sprach von 25 verschlafenen Minuten. Beginnend mit der hundertprozentigen Chance von Schick, der alleine auf Ried-Goalie Thomas Gebauer zulief, den Ball jedoch über das Tribünendach schoss (Schick: „Der muss drinnen sein, dann steht es 1:0“), hätte seine Mannschaft jedoch das Kommando übernommen.

Nach dem Seitenwechsel habe seine Mannschaft „ein super Spiel“ gezeigt, weshalb Foda von Problemen mit der Rieder Spielanlage nichts wissen will: „Zweite Hälfte haben wir doch eindeutig gezeigt, wie es geht. Wir sind sechs, sieben Mal ganz alleine über die Seite durch, jedes Mal wurde der finale Pass nicht gespielt. Wir hatten gute Möglichkeiten, viel Ballbesitz – eigentlich kannst du auswärts nicht besser spielen als in der zweiten Hälfte. Du musst jedoch das Tor machen.“

Ein Blick auf die Torschuss-Statistik belegt die Leistungssteigerung. Gingen die Rieder diesbezüglich mit einer 5:3-Führung in die Pause, hieß es am Ende 15:8 für Sturm.

Bis auf das Abseitstor und den zweiten Aluminiumtreffer von Petar Filipovic ließen die „Blackies“ nach der Pause nichts mehr zu – beide Szenen resultierten aus Standards, bei denen Sturm schon in den ersten 45 Minuten bisweilen nicht gut aussah.

Nicht eingehaltene Anweisungen

„Wir haben uns beim Freistoß zum Gegentor nicht gut angestellt. Es gab klare Anweisungen, die haben wir nicht eingehalten“, monierte Schick, der generell feststellte:

„Ried hat mit Oliver Kragl und Dieter Elsneg zwei Superschützen, die Bälle sind sehr gefährlich gekommen. Kopfballstarke Spieler haben sie auch. Das wussten wir, dennoch hatten wir unsere Probleme. Die werden gegen Ried aber auch andere Mannschaften haben, weil sie einfach viel mit Flanken, Freistößen und Cornern agieren.“

Dennoch bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass Sturm zwar – wieder einmal – dem Sieg nahe war, sich jedoch nicht mit Toren und der erhofften Anzahl an Punkten belohnte.

„Richtig, wir haben in fast allen Spielen viele Torchancen liegen gelassen. Da müssen wir uns einfach verbessern. In den nächsten Spielen wird das hoffentlich der Fall sein“, meinte Foda.

Eine konkrete Begründung für diese Problematik blieb der Deutsche schuldig. So bleibt nur die Hoffnung, dass der Knopf auch vor dem Tor aufgeht.

„Wichtig ist erst einmal, wie eine Mannschaft Fußball spielt. In der zweiten Hälfte haben wir das richtig gut gemacht. Wir haben viele Torchancen kreiert, sind ruhig geblieben, hatten gute Ballstafetten. Aber das muss man über 90 Minuten zeigen“, betonte der 49-Jährige.

Sturm läuft Plansoll hinterher

In den Heimspielen gegen die Admira, Grödig und Rapid ließen die Steirer bereits sechs Punkte liegen, nun weitere drei in Ried. Damit läuft man dem eigenen Plansoll bereits erheblich hinter her.

Schick: „Wenn wir nach dem Ried-Spiel sagen könnten, wir haben bislang jedes Meisterschaftsspiel gewonnen, dann würde man sagen, dass es durch die Bank verdiente Siege waren. Denn wir waren eigentlich immer die bessere Mannschaft oder zumindest so weit, dass wir das Spiel locker gewinnen hätten können. Leider haben wir jetzt schon drei Unentschieden und eine Niederlage eingefahren. Das war nicht in unserem Plan. Aber die Saison ist noch jung, wir können die Punkte wieder gut machen.“

Und genau damit gilt es möglichst schnell zu beginnen, denn einen Schönheitspreis gibt es im Fußball eben nicht.

Peter Altmann

Ried Sturm
Ballbesitz 39,4% 60,6%
Zweikämpfe 42,4% 57,6%
Eckbälle 6 8
Torschüsse 8 15
Torschüsse außerhalb Strafraum 1 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 9
Kopfballchancen 3 0
Abseits 3 0
Fouls 31 16
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