Rapid bestand Charakter-Test eindrucksvoll

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Es war der prophezeite Charakter-Test.

Sportdirektor Andreas Müller bezeichnete den Umstieg von der Champions League auf den Liga-Alltag im Vorfeld als „Frage des Kopfes“, den es gegen den SV Grödig zu beantworten galt.

Die Prüfung bestand die Mannschaft beim 3:0 (0:0) im Heimspiel eindrucksvoll, auch wenn das Spiel trotz beeindruckender Dominanz erst spät in Fahrt kam.

Ich bin sehr glücklich, dass wir das geschafft haben. In manchen Phasen hat uns das Glück gefehlt, früher in Führung zu gehen“, analysierte Trainer Zoran Barisic, dessen Mannschaft nie ungeduldig wurde.

Der zweite Anzug sitzt

Schon bei einem Blick auf die Aufstellung erinnerte Barisic' Truppe an ein zweites Aufgebot. Zwischen den CL-Playoff-Duellen gegen Shakhtar Donetsk war wieder einmal Rotation angesagt.

Wer glaubt, gegen den Wolfsberger AC wurde bereits der Allzeit-Rekord an Veränderungen aufgestellt, staunte bei acht neuen Spielern in der Startelf nicht schlecht.

Für Jan Novota, Mario Pavelic, Christopher Dibon, Thanos Petsos, Louis Schaub, Steffen Hofmann, Florian Kainz und Robert Beric tauschte der Chefbetreuer Richard Strebinger, Michael Schimpelsberger, Max Hofmann, Stefan Schwab, Philipp Huspek, Deni Alar, Philipp Schobesberger und Philipp Prosenik ein.

Wir haben keinen B-Anzug. Wir wollen immer frische Leute bringen. Die Mannschaft hat Geduld bewahrt und es war eine Kopfsache, schnell vom internationalen Spiel auf die Bundesliga umschalten zu können. Die Mannschaft hat das heute sehr gut gemacht“, lobte der sportliche Leiter Müller.

Muss die Einstellung auf den Platz bringen“

Aufgrund der Passivität der Gäste fand sich Rapid sehr schnell zurecht, wies meist um die 80 Prozent Ballbesitz auf.

Das Gefühl ist gut, wenn es egal ist, wer am Platz steht. Jeder zerreißt sich für Rapid Wien“, war Philipp Huspek vom Auftreten seiner Mannschaft gegen den Ex-Verein beeindruckt.

Trotzdem fehlte vor 16.800 Zuschauern vorerst noch die Durchschlagskraft, scheiterte der Ex-Grödiger und Alar jeweils an Torhüter Alexander Schlager, ehe einmal Alar und einmal Sonnleitner am Aluminium scheiterten.

Es war eben keine Champions-League-Atmosphäre, kein Alles-oder-Nichts-Spiel. Und trotzdem ging Rapid erneut als Sieger vom Platz und ist nun schon seit 18 Bundesliga-Spielen ungeschlagen.

Sicher ist es Kopfsache. Champions League und Liga ist für jeden Spieler etwas anderes, das ist klar. Aber man muss die Einstellung auf den Platz bringen, so dass man jedes Spiel ernst nimmt. Das war heute der Fall“, meinte Huspek weiter.

Schöttel-Ärger über Rapids 1:0 und Foul

Nach dem Dosenöffner von Mario Sonnleitner kam die Maschinerie ins Laufen. Deni Alar netzte erstmals seit dem 27. Mai diesen Jahres, wie damals gegen Grödig, und Philipp Schobesberger setzte den Schlusspunkt.

Zum Ärger von Gäste-Trainer Peter Schöttel, der erstmals seit seiner Beurlaubung am 17. April 2013 wieder sportlich mit Rapid in Kontakt kam.

Der Sieg von Rapid war in der Höhe verdient. Mich ärgert nur, dass das erste Tor ausgerechnet in der Phase war, als wir uns erfangen hatten und selbst agieren wollten. In der ersten Halbzeit waren wir ja nur zum Reagieren gezwungen.“

Zudem sah Schöttel bei der Entscheidung des Sonnleitner-Treffers ein klares Foul von Prosenik an Matthias Maak. „Der Schiedsrichter meinte aber, das war zu wenig.“ In der 90. Minute verlor er auch noch Harald Pichler mit Gelb-Rot.

Wir haben noch viel zu lernen“

Barisic lobte die sehr gute Verteidigung sowie das disziplinierte und organisierte Defensivverhalten der Grödiger und war über den hart erkämpften Sieg schlussendlich überglücklich.

Damit blieben die Salzburger im Happel-Stadion weiterhin sieglos und konnten noch kein einziges Tor im Wiener Prater erzielen.

Wir haben noch viel zu lernen“, musste deshalb auch Schöttel zugeben, der aber seinen Ex-Klub als derzeit beste Mannschaft Österreichs bezeichnete.

Wir haben uns gewehrt und gekämpft“, nahm er als positive Erkenntnis mit. Viel mehr ärgerte ihn in den vergangenen Wochen, wie leicht man trotz Führung Punkte gegen die vermeintlich leichteren Gegner hergeschenkt hatte.

Gleichzeitig verwies der ehemalige Verteidiger auf die noch andauernde Aufbauphase seines Klubs. „Man darf nicht vergessen, dass wir uns erst vor zehn Wochen zum ersten Mal alle gesehen haben, vor zwölf Wochen stand Grödig noch ohne Trainer und nur mit einer halben Mannschaft da.“

Bin froh, jetzt auf der anderen Seite zu stehen“

Rapid hingegen stand auch der zweite Anzug sehr gut. In der Meisterschaft blieb man nach sechs Runden weiterhin ungeschlagen und legte als Spitzenreiter in der Tabelle vor.

Wir dürfen aber nicht glauben, dass alles super ist“, bremste Torschütze Alar die Euphorie. Als fader Beigeschmack blieb, dass Max Hofmann mit einer Verstauchung im Sprunggelenk vom Platz und Schimpelsberger von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden musste.

Trotzdem genossen Huspek und Co. den Moment, denn am Montag geht es mit der Abreise nach Lviv zum CL-Rückspiel gegen Shakhtar Donetsk ohnehin schon wieder weiter. Der fast makellose Saisonstart kam für den Ex-Grödiger aber nicht überraschend:

Ich habe letztes Jahr schon erlebt, wie dominant Rapid ist. Ich bin froh, dass ich jetzt auf der anderen Seite stehe“, lächelte der Flankenflitzer verschmitzt.


Alexander Karper

Rapid

Grödig

Ballbesitz

72,0%

28,0%

Zweikämpfe

59,6%

40,4%

Eckbälle

7

3

Torschüsse

17

7

Torschüsse außerhalb Strafraum

5

5

Torschüsse innerhalb Strafraum

12

2

Kopfballchancen

3

0

Abseits

4

4

Fouls

6

14

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