"Sonst werden wir immer Vierter oder Fünfter sein..."

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Darko Milanic hatte einst moniert, dass seine Mannschaft erst in Stresssituationen richtig aufdreht.

Der Slowene ist seit über einem Jahr nicht mehr Trainer von Sturm Graz. Dieses Manko lässt sich jedoch auch derzeit nicht verhehlen.

Das mit 1:2 verlorene Gastspiel bei Rapid Wien diente diesbezüglich als gutes Beispiel, und zwar in doppelter Hinsicht – auf diese Partie selbst bezogen, aber auch auf das große Ganze in dieser bislang so wankelmütigen Saison.

„Wenn wir ein Tor gekriegt haben, sind wir munter geworden“

Vorneweg: Die schwarz-weiße Leistung im Happel-Stadion war schlecht, in der Phase zwischen Ausgleich und dem Siegtreffer durch Mario Sonnleitner sogar sehr schlecht.

Dass Rapids Sieg verdient war, konnte auf Seiten der Grazer niemand bestreiten. Vielmehr regierte der Ärger über die eigene Herangehensweise, dass man immer erst agierte, als der Stress größer wurde.

„Ein bisschen war es so: Immer wenn wir ein Tor gekriegt haben, sind wir munter geworden und haben selber etwas gemacht. Schade. Ich glaube, es wäre mehr drinnen gewesen“, kritisierte Lukas Spendlhofer.

Mit einem Sieg hätte Sturm am Rekordmeister, der aufgrund von drei Liga-Pleiten in Folge gewaltig unter Druck stand, vorbeiziehen können.

Der nächste Schritt gelingt – wieder einmal - nicht

Die Grazer selbst reisten mit zwei Siegen en suite im Gepäck an. Der nächste Schritt gelang – wieder einmal – nicht.

„Wenn wir wissen, jetzt müssen wir schön langsam, gelingen uns zwei, drei Siege. Aber wenn wir die Chance haben, dass wir wirklich wieder voll dabei sind, so wie wir es bei einem Sieg gegen Rapid gewesen wären, dann verlieren wir wieder. Wir müssen einfach konstanter werden. Es wäre ganz wichtig gewesen, dieses Spiel zu gewinnen. Jetzt sind wir wieder in der Situation, dass wir die nächsten Spiele unbedingt gewinnen müssen“, monierte Spendlhofer.

Nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit verabsäumte es Sturm, aus einem vermeintlichen Aufwärtstrend einen nachhaltigeren zu machen.

Die inferiore Darbietung gegen Grödig nach den beiden Siegen gegen Austria Wien und bei der Admira ist noch in guter Erinnerung. Im Sommer verschenkten die „Blackies“ gegen Rapid eine 2:0-Führung, nachdem man ebenfalls mit zwei Siegen gegen Altach und den WAC in die Partie gegangen war.

„Sonst wird man immer Vierter oder Fünfter sein“

„Ich habe mir in letzter Zeit auch schon gedacht, dass uns das öfter passiert, und das geht einem natürlich auch jetzt nach dem Spiel durch den Kopf. Wieder eine große Chance nicht genutzt – und das nicht zum ersten Mal. Das muss man jetzt dann einfach einmal umsetzen, wenn man vorne dabei sein will. Sonst wird man immer Vierter oder Fünfter sein“, ärgerte sich Spendlhofer.

Derzeit ist Sturm nur Sechster, und am kommenden Wochenende ist ein Heimsieg gegen die SV Ried quasi Pflicht, will man die Spitzengruppe im Augenwinkel behalten.

Gut möglich, dass die Steirer dann wieder ihr anderes Gesicht zeigen. Dass sich Sturm mit dem Rücken zur Wand stehend in dieser Saison schon einige Male verbessert präsentierte, erachtet der Innenverteidiger naturgemäß als positiv:

„Mit Drucksituationen können wir umgehen. Aber wir müssen eben die Chancen nutzen, wenn es in den Spielen davor gut gelaufen ist. Das hätten wir heute tun müssen. Das ist uns leider nicht gelungen.“

Foda: „Alle Gründe aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen“

Welche Begründung fällt dem Trainer für den Umstand ein, dass seine Mannschaft womöglich in Muss-Situationen besser funktioniert als in Kann-Situationen?

Franco Foda gab sich auf Nachfrage zugeknöpft: „Es gibt für alles Gründe. Die jetzt alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Darüber werden wir intern sprechen. Ich bin kein Trainer, der Ausreden sucht.“

Auch über die Schwächephase nach dem Ausgleich zum 1:1 durch Roman Kienast „muss ich morgen mal mit den Jungs reden.“

Diese ließ den 49-Jährigen nämlich relativ ratlos zurück. Während man im Normalfall den Schwung des Erfolgserlebnisses mitnehmen könnte, brach das Spiel von Sturm in sich zusammen und Rapid spielte sich Chance um Chance heraus.

Gegentor für Foda nur eine Frage der Zeit

„Warum ist eine gute Frage“, meinte Foda, „eigentlich haben wir in der Halbzeit besprochen, dass wir weiter vorne verteidigen, im Passspiel nach vorne besser spielen und mehr über die Flügel zum Abschluss kommen wollen. Ich musste einen Wechsel vornehmen, da Simon Piesinger gelbvorbelastet war. Wir waren dann einfach nicht mehr kompakt im Zentrum, haben nicht mehr so viel gegen den Ball gearbeitet und Rapid viel zu viel spielen lassen – und da sind sie dann gut. Sie haben ja nicht nur in der Meisterschaft bewiesen, sondern auch international, dass sie in der letzten Zone sehr ballsicher sind, gut kombinieren und sich Torchancen herausspielen können. Deswegen wollten wir sie eigentlich weg vom Tor halten. Das ist uns über weite Strecken gelungen, aber in diesen 20 Minuten überhaupt nicht. In dieser Phase haben wir auch berechtigterweise ein Gegentor erhalten.“

Dieses hätte laut Meinung des Deutschen sogar noch früher fallen müssen: „Im Prinzip war es nur eine Frage der Zeit. Das Komische im Fußball ist dann, dass wir danach am Drücker waren, Rapid hat sich zurückgezogen. Aber bis auf ein, zwei Situationen haben wir trotzdem keine großen Möglichkeiten herausgespielt.“

Selbige waren auch schon vor der Pause Mangelware, oder genau gesagt nicht vorhanden. Abgesehen vom 1:0 durch Steffen Hofmann nach schwerem individuellem Fehler von Piesinger konnten die Hausherren jedoch kein Kapital aus der schwarz-weißen Passivität schlagen.

„Die Verantwortung wurde abgeschoben“

Dass der Sturm-Schuh im Offensivspiel drückte, missfiel Foda extrem: „Wir hatten in der ersten Halbzeit gute Balleroberungen, die Bälle im Spiel nach vorne aber zu schnell wieder verloren. Wir hatten keine Passqualität im letzten Drittel, die Verantwortung wurde abgeschoben.“

Der offensiven Dreierreihe mit Thorsten Schick, Daniel Offenbacher und Kristijan Dobras fehlte lange völlig die Durchschlagskraft. Schick bereitete letztlich wenigstens das Tor von Kienast vor.

Aber auch der Spielaufbau von hinten war kein guter. „Ich glaube schon, dass die Räume da waren. Aber gerade in der ersten Halbzeit haben wir den Ball immer wieder ganz einfach verloren, Rapid hat gar nichts tun müssen. Die Balleroberungen waren teilweise wirklich gut. Dann wollten wir auch schnell spielen, waren aber teilweise überhastet. Da muss man ruhig bleiben. Das müssen wir besser machen, dann wäre sicher etwas drinnen gewesen“, fand Spendlhofer.

Die fehlenden „Big Points“

Gerade einmal sechs von 24 möglichen Punkte eroberte Sturm in der Vorsaison gegen Rapid (zwei) und Salzburg (vier). Viel zu wenige, wenn man weiter vorne mitmischen will.

In dieser Spielzeit wollte man mehr dieser „Big Points“ aus den direkten Duellen holen. Der erste Trend ist diesbezüglich kein guter. Nach drei Partien gegen diese beiden Kontrahenten steht gerade einmal ein Zähler auf dem Konto, jener aus dem Heimspiel gegen Rapid.

Aber vorerst gilt es ohnehin wieder einmal an der Konstanz zu arbeiten. Vielleicht hilft es, dass man nun wieder eine Zeit lang nicht am Sprung nach vorne stehen dürfte.


Peter Altmann/Alexander Karper

 

Rapid

Sturm

Ballbesitz

53,5%

46,4%

Zweikämpfe

45,9%

54,1%

Eckbälle

7

2

Torschüsse

19

13

Torschüsse außerhalb Strafraum

7

7

Torschüsse innerhalb Strafraum

12

6

Kopfballchancen

1

1

Abseits

6

0

Fouls

6

13

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