"Das ist neu für mich, ist eine neue Erfahrung"

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(Austria) Wien ist anders.

Erstmals seit November 2013 drei Siege en suite gefeiert, 24 Punkte am Konto und Tabellenplatz zwei.

Nach zwei mehr als durchwachsenen Jahren hat sich die Austria nach einem Drittel der Meisterschaft in den Top drei festgesetzt. Vier Zähler beträgt der Vorsprung auf die viertplatzierte Admira. Und zum Vergleich zur Vorsaison hat man zum gleichen Zeitpunkt  bereits elf Punkte mehr gesammelt

Eigentlich sollte in Favoriten also Feierstimmung herrschen.  

Tut es aber nicht.

Denn die Veilchen ernteten beim  2:1-Sieg gegen Grödig Pfiffe. Pfiffe, die bereits nach rund 60 Minuten ertönten, als die Violetten mit 2:0 führten.

„Wenn eine Mannschaft nach Spielende ausgepfiffen wird, weil sie nicht gut gespielt hat, bin ich absolut dafür. Man soll seine Emotionen rauslassen. Aber ich verteidige mein Team bis aufs Blut. Ich denke, wir haben heute hervorragend gespielt. Deswegen finde ich die Pfiffe nicht gerechtfertigt. Doch wir nehmen das hin. Das ist neu für mich, ist eine neue Erfahrung. Aber ich weiß nicht, wer da lernen muss: Ich, oder der eine oder andere, der da pfeift“, war selbst Thorsten Fink erstaunt.

Schöttel lobt Finks Arbeit

Unterstützung bekam der 47-Jährige von seinem Pendant Peter Schöttel. „Thorsten ist noch nicht lange hier, dennoch ist die Austria auf einem guten Weg – auch wie sie spielen. Sie versuchen, Erfolge zu feiern. Ich tue mir gegen viele andere Bundesliga-Teams leichter, meine Mannschaft auf den Gegner einzustellen als auf die Austria“, lobte der Wiener die Arbeit des FAK-Coaches.

Laut Finks Meinung hätten Holzhauser und Co. vieles richtig gemacht. „Wir haben offensiv eine hervorragende Partie abgeliefert, haben ein gutes Positionsspiel gezeigt, haben schneller gespielt und uns zwischen den Linien hervorragend bewegt.“

Zudem sei Grödig nicht irgendein Gegner gewesen. „Sie haben vor zwei Wochen gegen Sturm hervorragend gespielt und mit 3:0 gewonnen. Die Grazer wurden immer wieder als Mitfavorit auf die Meisterschaft genannt. Daher wusste ich, dass keine schlechte Mannschaft in unser Stadion kommt.“

„Das ist bedenklich“

Dass die Salzburger am Samstag aber nicht an die Leistung gegen Sturm anknüpfen konnten und vor allem in Hälfte eins schwach, ängstlich und passiv wirkten, hatte für den Deutschen einen einfachen Grund: „Der Gegner spielt immer nur so gut, wie es der andere zulässt.“

Deswegen hatte  Doppeltorschütze Alexander Gorgon ebenfalls wenig Verständnis für die negative Reaktion der Anhänger. „Ich bin normalerweise vorsichtig mit Kritik am eigenen Publikum. Aber es ist bedenklich, wenn man 2:0 führt und es Pfiffe gegen uns gibt. Wenn man 2:0 führt, kann man nicht so weiterspielen wie in der ersten Halbzeit. Man muss geduldiger sein, die Unruhe von außen, beeinflusst uns als Mannschaft.“

Grünwalds neue Rolle

Zusatz: „Du kannst als Fan nicht erwarten, dass wir noch drei, vier Tore schießen, weil wir noch nicht so gut sind, um einen Gegner zu zermürben und über ihn drüberzufahren. Daher würden wir uns von den Rängen ein bisschen mehr Geduld erhoffen.“

Außerdem änderte Grödig auch nach dem 0:2-Rückstand nichts ans seiner Ausrichtung. „Wir waren überrascht, dass die Mannschaft danach nicht rausgekommen ist, sondern weiter abgewartet hat. Das ist untypisch“, stellte Alexander Grünwald fest.

Der 26-Jährige spielte so wie beim 2:1-Sieg in Altach erneut neben Raphael Holzhauser als Sechser. Eine Rolle, die für ihn kein Problem darstellt.

„Ich habe bis auf die letzten zwei, drei Jahre immer auf dieser Position gespielt, auch unter Karl Daxbacher, als ich zur Austria gekommen bin. Dieser Part liegt mir, ich habe das Spiel vor mir, kann mich gut einschalten und komme zu Chancen.“

Chancen rechnet sich die Austria auch für das am kommenden Sonntag stattfindende Wiener Derby aus.

„Durch unsere drei Siege haben wir Rückenwind. Wir wollen die Nummer eins in Wien werden“, versprach Gorgon.

Derby: „Einmal gewinnen wir“

Fink meinte in Bezug auf das Prestigeduell: „Die drei Siege hat sich meine Mannschaft hart erarbeiten müssen, die Spiele waren nicht einfach. Wir haben einen Abstand auf Platz vier erarbeitet, darauf kann die Mannschaft stolz sein und mit breiter Brust zum Derby fahren.“

Von einem Titeldreikampf möchte der Ex-Bayern-Spieler jedoch nichts wissen: „Man hat ja gesehen, wie stark Salzburg ist. 8:0 gegen Admira - das ist eine ganz andere Liga, als wir es sind. Und auch Rapid ist stark. Von zehn Derbys gewinnt Rapid vielleicht neunmal. Aber einmal gewinnen wir.“

Ob es bei einem möglichen violetten Derbysieg im darauffolgenden Heimspiel erneut Pfiffe geben wird, sollte ein Spektakel ausbleiben?

Alles möglich, denn (Austria) Wien ist anders.

 

Martin Wechtl / Harald Prantl

Austria

Grödig

Ballbesitz

67,7%

32,3%

Zweikämpfe

50%

50%

Eckbälle

5

3

Torschüsse

17

11

Torschüsse außerhalb Strafraum

10

10

Torschüsse innerhalb Strafraum

7

1

Kopfballchancen

2

0

Abseits

3

4

Fouls

14

16

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