Wermutstropfen trübt Rapids positive Erkenntnisse

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Es mutet fast so an, als wäre die Saison über den Sommer nahtlos weitergeführt worden, als hätte es keine Pause gegeben.

Zwar ist erst eine von 36 Runden gespielt, trotzdem stellte Rapid bereits beim 3:0-Heimsieg gegen die SV Ried unter Beweis, dass sich seit dem Frühjahr nicht allzu viel verändert hat.

Der Lauf, der schlussendlich zum Vizemeistertitel und zur Champions-League-Qualifikation führte, wurde gleich zum Auftakt prolongiert.

Die ersten Erkenntnisse der grün-weißen Auswahl fallen durchaus positiv aus, nur ein Wermutstropfen trübt die Stimmung bei den Hütteldorfern.

„Es warten heiße Wochen“

„Wir haben schon sehr viel umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Die Leistung war bereits sehr ansprechend“, lobte Trainer Zoran Barisic nach dem Liga-Auftakt.

Das 5:1 in der ersten Cup-Runde gegen Weiz war nur ein Vorgeschmack, mit dem Sieg gegen die Innviertler gelang nun auch in der Meisterschaft ein Traumstart.

Auch wenn Oliver Kragls Ausschluss (27.) die Aufgabe ein wenig erleichterte, waren es die eigenen Tugenden, die schlussendlich spielentscheidend waren.

„Der Sieg im ersten Heimspiel war extrem wichtig. Jetzt kommt Ajax, Salzburg auswärts, dann wieder Ajax. Es warten heiße Wochen. Man darf auch nicht davon ausgehen, dass wir jetzt die nächsten zehn Spiele in der Liga alle gewinnen. Es werden auch schwierige Spiele kommen, deshalb müssen wir in unseren Heimspielen gegen Mannschaften wie Ried drei Punkte holen, wenn wir ganz vorne mitspielen wollen. Das ist unser Anspruch“, meinte Mittelfeldstratege Stefan Schwab.

Alles beim Alten – beinahe

Die wohl größte Veränderung – im Vergleich zu den vergangenen Jahren – ist jene, das sich kaum etwas verändert hat.

Die Aufstellung erinnerte zweifelsohne an jene im Saison-Endspurt 2014/15. Alles beim Alten quasi, nur Neuzugang Stephan Auer rutschte anstelle des verletzten Mario Pavelic in die Startelf.

„Wir haben ziemlich mit der gleichen Mannschaft wie im Frühjahr gespielt und ungefähr so weitergespielt, wie wir aufgehört haben. Das ist natürlich gut, aber es ist schwer zu sagen, ob das die ganze Saison so weiterläuft. Wir haben im Frühjahr einen Lauf gehabt, das wollen wir natürlich jetzt auch erreichen. Wir sind am richtigen Weg, haben heute gut angefangen und wollen so weitermachen“, sieht auch Schwab die Durchgängigkeit ohne großen Umbruch im Sommer.

Mit Robert Beric und Philipp Schobesberger liefen zudem jene zwei Spieler auf, die trotz der Angebote aus England zumindest vorerst beim Verein gehalten werden konnten.

Einigen steht schwierige Saison bevor

Durch das Vertrauen in altbewährte Spieler blieben aber bereits im ersten Spiel einige namhafte Leute auf der Strecke, die auf ihre Chance warten müssen.

Spieler wie Deni Alar, Stefan Nutz, Tomi, Michael Schimpelsberger und Andreas Kuen verfolgten die Begegnung von der Pressetribüne, da auf dem Blankett kein Platz mehr war.

Auch auf der Bank tummelten sich Akteure wie Louis Schaub, der als Joker stechen sollte, Christopher Dibon, der den Zweikampf gegen Maximilian Hofmann scheinbar verloren hat, oder Neuzugang Philipp Huspek.

„Wenn man sieht, wie sie voriges Jahr gespielt haben, ist es schon schwer, hineinzukommen. Es ist einfach ein super Team, das gehalten wurde“, merkte Auer an.

Novota bleibt vorerst die Nummer 1

Auch in der Tormann-Frage bleiben Überraschungen aus. Denn Jan Novota geht weiterhin als Nummer eins in die Saison und verweist Richard Strebinger auf die Bank.

Wie lange es bei dieser Entscheidung bleiben wird, ist offen. Gut möglich, dass der Ex-Werderaner mit der Zeit seine Chance bekommt bzw. Spielzeit im Cup sammeln darf.

„Jan spielt jetzt schon seit einiger Zeit bei uns und ist mit den Vorderleuten eingespielt. Ich hoffe nicht, dass er den Druck braucht. Der ist ohnehin immer da, die Erwartungshaltung ist riesig“, nimmt Barisic Stellung zur Frage, ob Novota den Konkurrenzkampf braucht, um über sich hinaus zu wachsen.

Bei all den positiven Nachrichten trübt jedoch ein Wermutstropfen die Aufbruchstimmung. Denn eine Umstellung wird in den kommenden Wochen und Monaten unvermeidlich sein.

Schrammel-Ausfall schmerzt extrem

Als Thomas Schrammel in der 45. Minute mit schmerzverzerrter Miene abtransportiert werden musste, ahnten alle Beteiligten schon Schlimmes.

Der Verdacht auf eine schwere Knieverletzung besteht, nach ersten Einschätzungen der medizinischen Abteilung scheint das Kreuzband betroffen zu sein – wieder einmal.

Bereits 2011, kurz nach der Rückkehr des Linksverteidigers von Ried nach Wien, fiel der heute 27-Jährige mit einem Kreuzbandriss rund ein halbes Jahr aus. Eine Hiobsbotschaft für Rapid, als Alternativen stehen Stefan Stangl oder der auch links einsetzbare Auer bereit.

„Das ist wirklich ein Wermutstropfen. Schrammel ist schwer verletzt, auch wenn wir noch die genaue Diagnose (Anm.: für Montag erwartet) abwarten müssen, er wird uns wohl sehr lange fehlen. Wir müssen ihn jetzt unterstützen und hoffen, dass er wieder so stark zurückkommt“, hatte Barisic nicht viel Hoffnung, dass es sich doch noch als harmlose Verletzung herausstellen sollte.

Die Suche nach der Konsequenz

Vom spielerischen Standpunkt her wusste Rapid zu überzeugen, auch wenn vor allem im Verwerten der Torchancen noch viel Luft nach oben ist.

„Wir können viel öfter konsequenter abschließen, wo wir noch ein Hakerl oder einen Pass zu viel machen. Da müssen wir uns mehr zutrauen, anstatt die Verantwortung abzuschieben. Das hat aber damit zu tun, dass wir keine Egoisten in der Mannschaft haben und jeder jedem etwas gönnt“, analysierte Schwab, der selbst zu selten den Abschluss suchte.

Eine ähnliche Phase hatte man bereits im Frühjahr. So lange man trotzdem als Sieger vom Platz geht, dürfte über die Verspieltheit vor dem Tor noch hinweggesehen werden.

Prinzipiell ist Barisic zufrieden. „Ich habe schon die Hoffnung gehabt, dass es weiter so läuft. Die Mannschaft ist jetzt ein Jahr zusammen, wir haben noch dazu sehr gute Neue, die uns als Team noch stärker machen. Wir wollen den Flow mitnehmen.“

Gerüstet für die Duelle mit Ajax

Was eigentlich auf die Meisterschaft umgemünzt war, soll aber auch schon am Mittwoch in der 3. Quali-Runde zur Champions League gegen Ajax Amsterdam fruchten.

Ziel sei es, möglichst wenig am eigenen Spiel adaptieren zu müssen und sich nicht dem Gegner anzupassen, sondern seine Stärken bestmöglich zur Geltung zu bringen.

„Für solche Partien lebt man als Fußballer. Dafür gehst du jeden Tag schlafen und freust dich, wenn du aufstehst, dass solche Partien bevorstehen. Es gibt nichts Schöneres. Wir sind gut drauf, haben uns heute wieder Selbstvertrauen geholt und gezeigt, dass wir angeschlossen haben, wo wir im Frühjahr aufgehört haben. Ich glaube, wir sind für Ajax gerüstet“, so Schwab.

Die ersten Erkenntnisse stimmen durchaus positiv, dass man auch gegen den niederländischen Traditionsverein nicht untergeht. Ein Wermutstropfen bleibt aber trotzdem.


Alexander Karper

Rapid Ried
Ballbesitz 78,8% 21,2%
Zweikämpfe 63% 37%
Eckbälle 12 1  
Torschüsse 20 8
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 5
Torschüsse innerhalb Strafraum 15 3
Kopfballchancen 6 1
Abseits 3 3
Fouls 9 12
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