So funktioniert die neue Austria

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„Wir haben im Vorhinein nicht gewusst, wo wir stehen. Deswegen bin ich umso glücklicher über diesen Erfolg“, sagte Franz Wohlfahrt.

Dem Sportdirektor stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Der von ihm eingeleitete Umbruch machte sich zumindest für die erste Bewährungsprobe bezahlt.

Die „neue“ Austria durfte sich zum Bundesliga-Auftakt in Wolfsberg über einen 2:0-Erfolg freuen. „Es hat Spaß gemacht, meiner Mannschaft zuzuschauen“, zeigte sich Neo-Coach Thorsten Fink zufrieden.

Die Handschrift des Deutschen machte sich schon im ersten Spiel bemerkbar. Auch wenn die Austria bei beiden Toren von individuellen Fehlern der Wolfsberger profitierte und ihnen zudem die rote Karte gegen Silvio (70.) in die Hände spielte, so machte Finks Konzept durchaus Hoffnungen auf mehr.

Fünf Punkte über die „neue“ Austria:

Der neue Spielaufbau

Gleich die Anfangsphase war ein Statement: Auf mehr als 75 Prozent Ballbesitz kamen die Veilchen nach zehn Minuten. Finks Ankündigung, einen dominanten Spielstil zu pflegen, wurde zunächst perfekt umgesetzt. Dafür verantwortlich zeichnete vor allem das zentrale Mittelfeld. Beide Sechser, Ognjen Vukojevic und Raphael Holzhauser, ließen sich tief fallen, um stets anspielbar zu sein. Dieses „Abkippen" der defensiven Mittelfeldspieler war bereits beim HSV ein Markenzeichen von Finks Spielweise. Gleichzeitig schoben die Außenverteidiger nach vorne und die Innenverteidiger nach außen. Richard Windbichler bewegte sich teilweise nahe der Außenlinie. Von dort spielte er auch jenen schönen Diagonalpass, der zur ersten guten Chance von Larry Kayode führte. Teilweise übertrieben die „Veilchen“ aber auch dieses Ballbesitzspiel. Der Zug zum Tor fehlte. „Die Austria hatte zwar viel Ballbesitz, hat aber kaum Gefahr ausgestrahlt“, meinte WAC-Coach Didi Kühbauer nicht zu unrecht. Stellvertretend dafür stehen die Pässe von Vukojevic, der zwar 89,66 Prozent seiner Zuspiele an den Mann brachte – die meisten davon fielen allerdings unter die Kategorie Sicherheitspässe (siehe Grafik).

Die neue Asymmetrie

Vukojevic war der Mann für die Stabilität, sein Partner Holzhauser dagegen versuchte das Spiel nach vorne zu treiben. Auffällig dabei: Der Ex-Stuttgarter kippte fast immer nach links hinten ab, um sich die Bälle zu holen und sie von dort nach vorne zu verteilen. Dadurch entstand eine leichte Asymmetrie im Spiel der Fink-Elf, wie auch auf der Heatmap der Austrianer zu erkennen ist. Dazu trug auch bei, dass Christoph Martschinko der weit aktivere der beiden Außenverteidiger war. Zusammen mit Vordermann Kayode sorgte er über links für Gefahr. Der aus Israel gekommene Nigerianer avancierte überhaupt zur schillerndsten Figur des 2:0-Erfolges über den WAC.

Der neue Publikumsliebling

Auch wenn für Coach Fink Alexander Gorgon mit einem Tor und einem Assist der Mann des Spiels war, so drückte doch vor allem Kayode der Partie seinen Stempel auf. Der 22-Jährige wusste die vielen Vorschusslorbeeren auf jeden Fall zu bestätigen. Mit seiner Schnelligkeit war er ein ständiger Gefahrenherd, zudem zeigte er sich auch im Spiel gegen den Ball enorm giftig. Einzig mit der Chancenverwertung wollte es noch nicht klappen. In der 51. Minute gelang es Kayode, das leere Tor aus wenigen Metern zu verfehlen. Nichtsdestotrotz bewies er aufgrund seiner attraktiven Spielweise, dass er das Zeug zum Publikumsliebling am Verteilerkreis hat.

Die neue Beweglichkeit

Kayode kam auch deswegen so gut zur Geltung, weil sein Zusammenspiel mit Philipp Zulechner ausgezeichnet klappte. Der ehemalige Grödiger scheint nun endlich bei der Austria angekommen zu sein. Zwar strahlte der Mittelstürmer vor dem Tor (noch) nicht die große Gefahr aus, doch ging er weite Wege und wusste mit Bewegungen die Mitspieler gut in Szene zu setzen (siehe Grafik). Überhaupt rochierte die offensive Viererreihe der Austria recht fleißig, womit man die Wolfsberger Defensive vor einige Probleme stellte. Dennoch gibt es natürlich noch viel Potenzial nach oben. „Die Automatismen müssen noch besser werden, auch körperlich wollen wir zulegen und die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor muss noch kommen“, wusste Sportdirektor Wohlfahrt.

Die neue Stabilität

Normalerweise liebt der WAC Gegner, die viel Ballbesitz haben wollen. Die Spielweise der „neuen“ Austria hätten den Kärntnern also eigentlich liegen sollen. Stattdessen kam die Kühbauer-Elf aber kaum einmal dazu, ihr gefürchtetes Konterspiel aufzuziehen. Zunächst deswegen, weil die Austria die Gegenangriffe durch ihr Gegenpressing bereits im Keim erstickte. Mit Fortdauer zogen sich die Veilchen ihrerseits aber immer weiter zurück, um dem WAC das Spiel machen zu lassen. Eine clevere Maßnahme, die sich mit dem Konter-Tor zum 2:0 bezahlt machte. Hinten verteidigte die Austria mit zwei Viererketten sicher. Dafür wurde das nominelle 4-2-3-1-System gegen den Ball in ein 4-4-2 verwandelt. Zudem strahlte auch Neo-Torhüter Robert Almer eine enorme Präsenz aus. Sowohl beim Herauslaufen als auch im Strafraum präsentierte er sich als sicherer Rückhalt. Trainer Fink scheint sich auf seinen ersten Gegner in der österreichischen Bundesliga gut vorbereitet zu haben. Noch funktionierte unter seiner Riege nicht alles perfekt, die Mannschaft scheint aber auf einem guten Weg zu sein.

 

Jakob Faber

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