"Salzburg ein großer Vorreiter für viele in Österreich"

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Es gibt fraglos angenehmere Ausgangspositionen für einen Aufsteiger, als mit zwei Heimniederlagen en suite im Gepäck die Reise zu den Gastspielen bei Rapid Wien und Red Bull Salzburg anzutreten.

Die erste dieser beiden Hürden hat der SCR Altach genommen – nicht mit Bravour, aber mit  einem „dreckigen Sieg“, wie Trainer Damir Canadi den 1:0-Erfolg im Happel-Stadion bezeichnete.

„Nach den zwei Niederlagen haben wir die Punkte gebraucht“, atmete der 44-Jährige auf und durfte sich freuen, dass sein Matchplan perfekt aufgegangen ist.

„Für Altacher Verhältnisse ist der Kader breit“

Anders als unter der Woche im Nachtragsspiel gegen die Admira, als die Vorarlberger auf 28 Torschüsse kamen, aber dennoch als Verlierer vom Platz gingen, waren sie diesmal „nicht so präsent im Spiel nach vorne“, wie Canadi seine Defensivtaktik vornehm umschrieb: „Aber so ist es im Fußball: Unterm Strich zählen die Tore.“

Gleich an sechs Positionen stellte der Coach seine Elf im Vergleich mit dem Duell gegen die Südstädter um, tauschte dabei bis auf Kapitän Philipp Netzer im Mittelfeld und Angriff komplett durch.

Dies hätte nichts mit der Leistung gegen die Admira zu tun gehabt, die sei sehr gut gewesen: „Aber wir haben natürlich die ganze Woche geplant. Für Altacher Verhältnisse ist der Kader breit und gleichwertig aufgestellt. Ob Boris Prokopic, Felix Roth oder Patrick Salomon im Mittelfeld oder Ismael Tajouri-Shradi, Louis Ngwat-Mahop oder Patrick Seeger in der Sturmposition – ich habe mehrere Alternativen. Gegen Rapid haben wir Darijo Pecirep aufs Feld geschickt, damit auch er einmal Bundesliga-Luft schnuppern kann. Es ist wichtig, dass die Spieler lernen, sich weiterentwickeln und wir uns Woche für Woche an die Liga anpassen.“

Die Grundeuphorie eines Aufsteigers

Dass die Aufsteiger in ihrer ersten Saison im Oberhaus eine gute Figur abgeben, ist seit der Admira, dem Wolfsberger AC und dem SV Grödig beinahe schon eine Tradition.

„Worauf man das zurückführen kann, weiß ich nicht. Ich denke, jeder Aufsteiger hat natürlich eine gewisse Grundeuphorie aus der Vorsaison und einen positiven Spirit im Verein. Da spielen Emotionen mit, die auch im nächsten Jahr noch tragen. Das könnte ein kleiner Ansatz sein, aber es gehört sicherlich noch viel mehr dazu“, erklärte Canadi.

Netzer mutmaßte: „Die Gegner kennen die Mannschaft noch nicht, vielleicht unterschätzen sie auch den einen oder anderen Aufsteiger ein bisschen. Trotzdem sagen wir nicht: ‚Die letzten paar Jahre hat der Aufsteiger immer vorne mitgespielt, das passiert uns jetzt sicher auch.‘ Im Gegenteil. Es ist als Aufsteiger sehr schwer, aber unsere Motivation ist sehr hoch.“

Im Ländle ist solides Handwerk gefragt, abheben ist auch nach der Überraschung in der Bundeshauptstadt nicht angesagt. „Man muss die Spiele immer richtig einschätzen“, verdeutlichte Hannes Aigner, „gegen Rapid waren wir der glückliche Sieger, das muss man auch einmal mitnehmen im Fußball. Aber wir wissen, wo wir stehen.“

Lobeshymne auf Salzburg

Am kommenden Wochenende steht Altach mit dem Gastspiel bei den „Bullen“ vor der schwierigsten Aufgabe, die es gegenwärtig in Österreich auf Klubebene zu bewältigen gibt.

„Das Ziel ist, nicht 0:8 zu verlieren, das ist Arbeit genug“, scherzte Canadi, nur um zu einer Lobeshymne auf die Salzburger anzusetzen:

„Eine unglaublich tolle Mannschaft mit einem sehr, sehr guten Trainer. National wie international haben sie in den letzten Jahren eine extrem gute Entwicklung gemacht. Man sieht, was herauskommen kann, wenn ein Verein wirklich auf Kontinuität setzt, gut arbeitet und eine gute Führung hat. Das schätze ich extrem an Red Bull Salzburg. Sie sind ein großer Vorreiter für viele in Österreich.“

„Salzburg macht uns alle stärker und uns Trainer kreativer“

Die Frage, ob die Mozartstädter Dominanz Fluch oder Segen für die Bundesliga ist, stellt sich für den amtierenden Meistertrainer der Ersten Liga somit nicht: „Ich glaube, Salzburg macht uns alle stärker und uns Trainer kreativer. Wir alle müssen versuchen, uns etwas einfallen zu lassen. Wer kann endlich den ersten Punkt holen? Das wäre schon wie Weihnachten!“

Man darf so gesehen gespannt sein, wie kreativ Canadi in der Vorbereitung auf RBS agieren wird. Er verspricht zumindest:

„Wir werden uns etwas einfallen lassen und mit einem Plan in das Spiel reingehen. Natürlich werden wir nicht wie gegen die Admira spielen, sondern es eher so wie gegen Rapid versuchen. Wenn uns das gelingt und wir ein bisschen Glück haben, haben wir vielleicht wieder eine Chance mit einem Konter.“

Wobei festgehalten sei, dass Salzburg derzeit im Schnitt pro Spiel mehr Tore schießt als Rapid in den ersten fünf Runden insgesamt…

Peter Altmann

Rapid Altach
Ballbesitz 70% 30%
Zweikämpfe 52.5% 47.5%
Eckbälle 8 2
Torschüsse 11 8
Torschüsse außerhalb Strafraum 7 7
Torschüsse innerhalb Strafraum 4 1
Kopfballchancen 0 0
Abseits 2 0
Fouls 15 18
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