"Die wissen nicht, wie ich mich jeden Tag anstrenge"

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Ein halbes Jahr ist eine lange Zeit.

Vor allem im Fußball-Business, in dem Geduld zwar ein geflügeltes Wort ist, keiner jedoch wirklich so lange warten will.

Louis Schaub erinnert sich gerne an den 17. September 2014 zurück, als er in Rapids Auswärtsspiel in Wiener Neustadt einen Doppelpack erzielte – seine letzten Tore in Grün-Weiß.

Die darauffolgende Durststrecke hat allerdings auch beim rot-weiß-roten Ausnahmetalent Spuren hinterlassen.

Mit seinem Treffer beim 4:0-Erfolg gegen Grödig fiel eine große Last vom 20-Jährigen ab. Der Knoten könnte damit geplatzt sein.

Balsam für Schaubs Seele

„Es ist schön, wieder einmal getroffen zu haben“, gesteht Schaub, angesprochen auf die sechsmonatige Ladehemmung im Gespräch mit LAOLA1.

Es war allerdings nicht nur der fehlende Torriecher, der dem Niederösterreicher Sorgen bereitete. Auch in puncto spielerischer Form hinkte er bereits gezeigten Leistungen weit hinterher.

Selbst im Rapid-Lager war zu vernehmen, dass man sich mehr erwarten würde. Dass in den vergangenen Wochen und Monaten nicht alles Gold war, was glänzt, ist auch Schaub bewusst.

„In den letzten Wochen hatte ich schon viele Tormöglichkeiten, die ich nicht genützt habe. Deswegen ist der Treffer schon enorm wichtig für mich.“

Tendenz steigend

Nicht nur intern, auch extern nahm die Kritik zu. Einige dichteten dem Offensivspieler an, mit Gedanken bereits im Ausland zu sein.

Dabei verlängerte der bodenständige ÖFB-U21-Teamspieler seinen Vertrag in Hütteldorf erst vergangenen Sommer bis 2017.

Dass er es besser kann, weiß er selbst. Schaub hat ein gutes Gefühl, dass die mittelmäßigen Vorstellungen ab sofort der Vergangenheit angehören.

„Ich glaube es geht nach oben, die Tendenz steigt“, nimmt der Youngster seine eigenen Leistungen unter die Lupe.

„Da darf ich gar nicht hinhören"

Mit Kritik hat er bei Rapid längst umzugehen gelernt. Was teils berechtigt ist, schießt aber oftmals über das Ziel hinaus.

„Da darf ich gar nicht hinhören. Die wissen nicht, wie ich mich jeden Tag beim Training anstrenge und alles dafür gebe, dass ich wieder Tore und Assists mache. Ich will der Mannschaft ja weiterhelfen“, kontert Schaub den Skeptikern.

Über Rückendeckung braucht er sich nicht zu beklagen. Immer wieder nahm ihn Trainer Zoran Barisic in Schutz. Um die Erwartungen an seinen Schützling nicht erneut ins Unermessliche zu steigern, ließ er den vermeintlichen Befreiungsschlag unkommentiert.

Der Chefbetreuer freute sich lediglich über die Torschützen beim 4:0, die unterschiedlicher nicht sein hätten können.

Lob für Premieren-Torschützen

Neben Schaub und Florian Kainz, der seinen vierten Saisontreffer markierte, standen vor allem die Bundesliga-Premieren-Torschützen Philipp Schobesberger und Mario Pavelic im Blickpunkt.

„Ein schönes Tor! Er hat wieder gezeigt, dass er gut ist und wir einen guten Spieler geholt haben“, freute sich Barisic für den aus Pasching verpflichteten 21-Jährigen.

Rapid Grödig
Ballbesitz 65,7% 34,3%
Zweikämpfe 59,6% 40,4%
Eckbälle 5 2
Torschüsse 21 5
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 3
Torschüsse innerhalb Strafraum 15 2
Kopfballchancen 5 1
Abseits 1 1
Fouls 6 12

Schobesberger verlieh dem Team bei seinen Einsätzen noch mehr Dynamik und trug sich nach bereits vier Assists erstmals in die Torschützenliste ein.

„Ich bin sehr erfreut darüber. Ich bin überglücklich, dass ich das Tor gemacht habe. Aber wichtiger ist natürlich die Mannschaft und dass wir gewonnen haben“, stapelt der Flanken-Wirbelwind, der zuletzt im Test gegen Schalke 04 traf, tief.

Schobesberger und Pavelic zeigten auf

Dabei zeigte das Barometer bei ihm auch nicht immer nach oben. Mehrmals musste er sogar auf die Bank oder Tribüne ausweichen.

„Sicher ist das gut, wenn ich das Vertrauen vom Trainer bekomme und in der Startelf stehe. Ich hoffe, dass es so weitergeht.“

Bleibt noch Pavelic, der als Rechtsverteidiger nicht immer unumstritten war, seinen Einsatz gegen Grödig jedoch mit dem ersten Volltreffer krönte.

„Gott sei Dank hat Pavelic getroffen. Es freut mich unheimlich für ihn, weil er unglaublichen Aufwand über die rechte Seite betreibt. Er hat sich endlich einmal ein Herz gefasst und geschossen“, lobte Barisic.

Mit seinem erfrischenden Spiel und frei von der Leber getätigten Aussagen zeigte er auf. Denn geht es nach ihm, ist selbst der Meistertitel noch nicht fix an Salzburg vergeben.

Doch auch mit Schaub, Schobesberger und Pavelic auf der Überholspur wird Rapid seine Zielsetzung wohl nicht mehr nach oben korrigieren.


Alexander Karper

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