"Seine Spielphilosophie passt offenbar perfekt zu uns"

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Das nennt man dann wohl souverän.

Sturm Graz ließ beim 2:0-Sieg bei der Admira nichts anbrennen und hätte in Wahrheit noch viel höher gewinnen müssen.

„Der einzige Vorwurf an die Mannschaft ist, dass wir aus den vielen Möglichkeiten kein Tor mehr erzielt haben. Ansonsten war der Auftritt sehr gut“, zog auch Trainer Franco Foda eine mehr oder weniger zufriedene Bilanz.

Mit diesem Erfolg bauten die Steirer vor allem ihre eindrucksvolle Auswärtsserie aus, zudem stand auch der eine oder andere Akteur im Blickpunkt – darunter mit Torschütze Simon Piesinger und Startelf-Debütant Andreas Gruber ein Duo, das eine gute Entwicklung hinter sich hat. Die Fortsetzung einer Serie in einigen Episoden:

DIE AUSWÄRTSSERIE:

Nach den ersten beiden Meisterschafts-Runden war diese Bilanz nicht zu erwarten. Sturm ging im Juli sowohl in Altach als auch in Grödig als Verlierer vom Platz. Vier Monate später kann von Auswärtsschwäche keine Rede mehr sein. Das 2:0 in der Südstadt war der fünfte Sieg in den letzten sechs Liga-Partien in der Fremde, die beiden Gegentreffer beim 3:2 in Salzburg blieben die einzigen im Verlauf dieser Serie. Thorsten Schick, der erst im Saison-Verlauf von der Admira zu den „Blackies“ übersiedelt ist, kennt das Gefühl einer Auswärtsniederlage im Sturm-Dress noch überhaupt nicht. „Wir spielen auswärts vielleicht ein bisschen anders. Zu Hause musst du einfach mehr für das Spiel machen. Wir stehen sehr kompakt und das schnelle Umschaltspiel ist sicher unsere Stärke. Das kommt uns vielleicht auswärts mehr zu Gute“, analysierte der Mittelfeldspieler. Dass es auf den Dienstreisen so gut läuft, freut die Sturm-Kicker. Ebenso spürbar beschäftigt sie jedoch der Umstand, dass man in Graz ergebnistechnisch hinterherhinkt, mit Wiener Neustadt und Grödig erst zwei Heimspiele für sich entscheiden konnte. „Keine Ahnung, ich verstehe das auch nicht. Jeder spielt gerne vor unseren Leuten in der UPC-Arena. Daheim musst du normal eine Brust haben. Bis jetzt haben wir daheim so gespielt wie viele auswärts“, zuckte Marko Stankovic mit den Schultern, konnte sich jedoch ein Grinsen nicht verkneifen: „Normal heißt es: Zu Hause gewinnen und auswärts ein Punkt, dann wirst du Meister. Wir machen es umgekehrt.“ Während der Meister-Titel tendenziell kaum ein ernsthaftes Ziel sein kann, ist die Verbesserung der Heimbilanz sehr wohl ein dringendes Anliegen. An den Leistungen scheiterte es laut Anel Hadzic zuletzt nicht: „Ich glaube, dass wir auch zu Hause gut gespielt haben. Ich weiß auch nicht genau, vielleicht lastet da ein Fluch auf uns.“

DER AUFREGER UM HADZIC UND SCHICKER:

Apropos Hadzic: Der Aufreger des Admira-Spiels war fraglos das Rotfoul von Rene Schicker, der den Mittelfeldspieler von hinten mit gestrecktem Bein attackierte und den 25-Jährigen dabei verletzte: „Ich bin nach vorne umgeknickt, weil er mich am Standbein erwischt hat.“ Eine genaue Diagnose steht noch aus. Foda war jedenfalls überrascht, dass sein Schützling kurzzeitig noch einmal aufs Feld zurückgekehrt ist: „Er hatte so viel Adrenalin, dass er die Schmerzen am Anfang nicht gespürt hat. Ich hoffe, dass er nichts Schlimmeres hat.“ Brisant ist, dass die beiden Hauptdarsteller dieser Szene eine „gemeinsame Vergangenheit“ haben. Schon nachdem Sturm im Frühjahr die Admira dank eines Hadzic-Tors im Cup-Viertelfinale eliminierte, ging es zwischen den beiden hoch her – zumindest von Seiten Schickers, der sich wüst über das Auftreten des bosnischen Teamspielers beschwerte. „Ich möchte kein Öl ins Feuer gießen“, wehrte Hadzic diesmal erst ab und erinnerte sich erst auf Nachfrage: „Er hat via Medien über mich geschimpft. Aber ich kann mich ruhig verhalten, bin professionell genug, dass ich nicht auf diesen Zug aufspringe. Das passiert im Fußball, damit ist die Sache gegessen.“ Auf Seiten der Grazer konnte sich die Aufregung über diese Szene letztlich in Grenzen halten, weil Hadzic-Ersatz Piesinger einen guten Job ablieferte.

DIE TORPREMIERE VON PIESINGER:

Simon Piesinger zählt nämlich durchaus zu den leisen Gewinnern der letzten Sturm-Wochen. In der Südstadt setzte der introvertierte Oberösterreicher mit seinem Treffer ein ungewöhnlich lautes Ausrufezeichen. Nach einigen Anläufen gelang es ihm endlich, seine Körpergröße von 1,92 Metern vor dem gegnerischen Tor gewinnbringend einzusetzen. „Ich hatte schon viele Kopfball-Chancen in diesem Jahr, es hat immer ums Äutzerl nicht geklappt. Es freut mich natürlich, dass es diesmal funktioniert hat und ich mein erstes Tor für Sturm erzielt habe“, atmete der 22-Jährige auf. In 15 von 17 Saison-Spielen kam der Neuzugang vom FC Wacker Innsbruck zum Einsatz. Oft waren es nur Kurzeinsätze, seit dem Amtsantritt von Foda ist das Standing des oft unterschätzten Sohns von Ex-Nationalspieler Gerald Piesinger jedoch spürbar gestiegen. „Für mich war es vor dem Spiel eine schwierige Entscheidung: Lasse ich Hadzic oder Piesinger spielen? Piesinger hat gegen Salzburg gut gespielt. Aber die Mannschaft hat mit Offenbacher und Hadzic vorher gut funktioniert, deswegen habe ich mich für diese Variante entschieden, auch wenn es für mich persönlich schwierig war, Piesinger draußen zu lassen. Deswegen war es für mich auch nicht verwunderlich, dass er nach seiner Einwechslung sofort im Spiel präsent war“, lobte Foda. Der Frage, ob sich dieser am Feld inzwischen mehr zutraue und an Sicherheit gewonnen habe, wich Foda aus: „Ich sage allen meinen Spielern: Es gibt doch nichts Schöneres, als Woche für Woche in der Bundesliga Fußball zu spielen. Da muss jeder Spieler mutig sein.“ Admira-Coach Walter Knaller betreute Piesinger in der Akademie Linz und erinnerte sich: „Ein ruhiger und introvertierter Typ, aber cool.“ „Manchmal zu ruhig“, ergänzte Foda schließlich doch noch. Wobei der frühere U21-Teamspieler beginnt, Taten für sich sprechen zu lassen. Gegen die Admira überzeugte er nicht nur wegen seines Tors. 72 Ballkontakte und eine Passquote von 91,53 Prozent belegen, dass der zentrale Mittelfeldspieler gut ins Grazer Spiel integriert war. Dass er zehn von 18 Zweikämpfen verlor, steht indes als Minuspunkt zu Buche. „Ich komme immer besser ins Spiel. Ich merke einfach, dass ich viel mehr Ballsicherheit kriege. Wichtig ist, dass man immer im Spiel bleibt und viele Bälle fordert“, zeigte sich Piesinger mit der grundsätzlichen Entwicklung zufrieden. Auch wenn er am Papier hinter Hadzic und Offenbacher nur die Nummer drei auf seiner Position ist, fällt das Zwischenfazit des Sturm-Engagements „auf jeden Fall positiv“ aus: „Es ist immer wieder einer gesperrt oder verletzt, dann rücke ich in die Mannschaft und probiere gute Leistungen zu bringen. Der Trainer schätzt das auch sehr und gibt mir immer die Chance.“

DIE TALENTPROBE VON GRUBER:

Immer wieder eine Chance bekommt unter Foda auch Andreas Gruber. In fünf von sieben Bundesliga-Partien unter Anleitung des Deutschen stand er auf dem Platz, im ÖFB-Cup gegen Rapid fand er sich sogar erstmals in der Startelf wieder. In der Südstadt feierte er nun als Ersatz für den erkrankten Daniel Beichler seine Liga-Premiere von Beginn an und legte dabei eine Talentprobe ab. Vier Torschüsse, drei Torschuss-Vorlagen und eine Passquote von 88,89 Prozent zeigen, dass der linke Flügel gut ins schwarz-weiße Offensivspiel integriert war. Er ließ jedoch auch die hundertprozentige Chance auf sein erstes Bundesliga-Tor liegen. Tritt etwa Piesinger eher schüchtern auf, siegt bei Gruber die Frechheit: „Ich bin grundsätzlich so ein Typ. Ich scheiße mir da gar nichts. Ich spiele mein Spiel runter und weiß, wenn ich das bringe, was ich im Training bringe, dann kommt die Leistung auch von selbst.“ Für den 19-Jährigen bietet sich in dieser Saison die große Chance, sich in der Kampfmannschaft festzusetzen und damit dort den Konkurrenzkampf zu erhöhen. Der Youngster ist fest entschlossen, diese zu nutzen: „Ich habe mir schon im Sommer das Ziel gesetzt, langsam in die Mannschaft reinzufinden und mehr Einsatzminuten zu kriegen. Der Trainer setzt auf mich, das freut mich.“ Foda hat schon in seiner ersten Amtszeit diverse Talente nach oben gebracht. Gruber ist von der bisherigen Zusammenarbeit angetan: „Er erklärt mir viele Sachen und sagt mir, was ich besser machen kann. Ich gehe auch manchmal zu ihm und frage ihn, wo ich mich steigern kann.“ Für die Offensivkraft geht es in dieser Saison in erster Linie darum, jeden möglichen Einsatz mitzunehmen. Darüber hinaus schielt er jedoch auch auf internationale Möglichkeiten – vor allem mit dem ÖFB-Nachwuchs: „Natürlich denkt man auch ein bisschen an einen Stammplatz, wenn die Leistung passt, aber bei dem großen Kader, den wir bei Sturm haben, ist man über jede Einsatzminute froh. Das Ziel im Frühjahr ist, dass wir uns in die Europa-League- oder vielleicht sogar Champions-League-Quali spielen. Und im Sommer möchte ich mit der U20 die WM in Neuseeland gut bestreiten.“ Bislang lief der Shootingstar noch in keinem Junioren-Nationalteam auf. Gelingt ihm der Sprung in den WM-Kader, wäre es die Belohnung für die zuletzt rasante Entwicklung.

 



DIE ZWISCHENBILANZ VON FODA:

Für Salzburg-Goalgetter Jonatan Soriano ist Sturm Graz unter Foda die zweitbeste Mannschaft Österreichs. „Das war schön zu hören, aber da hat er uns ganz schön unter Druck gesetzt“, grinste Foda und hielt eines seiner zeitlosen Referate über die Ausgeglichenheit der Bundesliga – abgesehen von Red Bull Salzburg natürlich. Inzwischen ist der Rückkehrer auf die Grazer Trainerbank auch schon wieder knapp zwei Monate im Amt, und die Fortschritte unter dem Meistermacher von 2011 sind mit freiem Auge erkennbar. „Seine Spielphilosophie passt anscheinend perfekt zu uns“, meinte Stankovic, „wir arbeiten jeden Tag akribisch daran. Wer Franco kennt, weiß, dass wir tagtäglich Automatismen einüben und man sieht, dass wir sie im Spiel auch umsetzen. Er hat mich damals zum Nationalspieler gemacht, deswegen weiß ich, dass er ein großartiger Trainer ist. Er zeigt jetzt, dass er sich während seiner einjährigen Pause extrem weitergebildet hat.“ Auch für Hadzic liegen die Fortschritte auf der Hand: „Man sieht, dass wir sehr gut kombinieren. Wir versuchen auch unter Druck von hinten heraus Fußball zu spielen, schnell vertikal in die Tiefe zu spielen und den Abschluss zu suchen.“ Foda selbst wiederholte, dass er zuerst einmal daran gearbeitet habe, konstanter zu stehen, den Gegner früher zu attackieren und nach der Balleroberung schnell nach vorne zu spielen. So weit, so unspektakulär. Dies reichte bislang, um die Mannschaft zu stabilisieren. „Das ist einmal die Basis“, verdeutlichte der 48-Jährige. Darauf soll nun aufgebaut werden, denn noch warte viel Arbeit. In den beiden Begegnungen vor der Winterpause müsse man zuvor noch wichtige Punkte holen, danach gelte es, sich neu zu sortieren. Als erste Zwischenbilanz lässt sich jedoch feststellen, dass es Foda gelungen ist, die Unzufriedenheit mit der Spiel des SK Sturm zu mildern: „Ruhe herrscht immer dann, wenn man gut spielt und dann auch noch gewinnt.“

Peter Altmann

Admira Sturm
Ballbesitz 33,3% 66,7%
Zweikämpfe 45,5% 54,5%
Eckbälle 2 6
Torschüsse 7 22
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 9
Torschüsse innerhalb Strafraum 1 13
Kopfballchancen 0 3
Abseits 4 2
Fouls 12 14
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