Vier Tore gegen den Frust

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"Haben die Unruhe gut weggesteckt"

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Vier Tore gegen den Frust.

Positivschlagzeilen schrieb der SK Sturm in den vergangenen Tagen nur wenige. Ob angebliche Interviewverbote für die Spieler, den schwelenden Konflikt zwischen Trainer Peter Hyballa und Legende Mario Haas, Abwanderungsgelüste von jüngeren Spielern oder Unzufriedenheit diverser arrivierter Tribünenhocker.

Dazu noch das bittere 1:3 in Mattersburg – eine ungünstige Mixtur für einen Verein, der sich neu zu positionieren versucht und in dem noch nicht jeder Darsteller seine ideale Rolle gefunden hat.

Da kam das 4:1 gegen Aufsteiger Wolfsberg genau zur rechten Zeit. Ein überzeugender Sieg, ein wunderbar herausgespielter Sieg und auch ein Sieg, der sogar noch höher hätte ausfallen können.

„Wollten noch mehr Tore machen“

„Von außen wurde sehr viel Unruhe in die Mannschaft hineingetragen, aber wir haben das sehr gut weggesteckt, sind eng zusammengerückt, haben an uns geglaubt und einen wichtigen Sieg eingefahren“, zeigte sich Rubin Okotie nach dem Schlusspfiff erleichtert.

Der 25-Jährige war mit einem Doppelpack an der Gala beteiligt, für ihn jedoch kein Grund zur Zufriedenheit: „Zwei Tore sind schön, aber ich hätte sicherlich noch ein oder zwei mehr machen können. Natürlich bin ich glücklich, aber man muss immer auch kritisch sein.“

Auch Darko Bodul fand: „Schade, dass wir in der zweiten Halbzeit keine Tore geschossen haben, wir wollten sicherlich noch mehr machen.“

Aussagen, die verdeutlichen, wie überlegen die Grazer gegen die an diesem Tag mit der Offensivpower ihres Kontrahenten schwer überforderten Kärntner waren.

„Extralob für Weber und Madl“

Dabei hätte das Spiel auch einen anderen Verlauf nehmen können. Bereits in Minute zwei nutze Jacobo einen Stellungsfehler in der Sturm-Verteidigung und brachte den WAC in Führung – ein Erfolgserlebnis, das gegen einen verunsicherten Gegner normalerweise Gold wert ist.

„In den ersten fünf Minuten haben wir wieder geschlafen“, ärgerte sich Bodul, der mit einer Maßflanke auf Imre Szabics jedoch die Wende einleitete. Bereits nach neun Minuten führten die Steirer und waren auf die Siegerstraße eingebogen.

„Die Mannschaft hat ein gutes Gesicht gezeigt und schnell ein, zwei Tore gemacht“, lobte Hyballa, dessen Konzept, mit Okotie, Bodul, Szabics und Richard Sukuta-Pasu auf geballte Offensivkraft zu setzen, voll aufging.

Auch weil dahinter mit Manuel Weber und Michael Madl die beiden defensiven Mittelfeldspieler hervorragende Arbeit verrichteten, wie Webers Ballgewinn samt schnellem Umschalten zum 3:1 von Sukuta-Pasu exemplarisch belegte.

„Die beiden mussten sehr viel Arbeit verrichten, deswegen gebührt ihnen auch ein Extralob“, gratulierte Okotie, der aber naturgemäß wie seine Angriffs-Kollegen im Mittelpunkt stand.

 „Jeder belegt die Position, die im Moment frei ist“

„Wir hatten eigentlich vier richtige Stürmer im Team, voriges Jahr war ich mit Imre alleine vorne. Wir können sehr gut Fußball spielen, das hat man diesmal gesehen“, strahlte Bodul.

Vier Stürmer, die den Bundesliga-Neuling immer wieder mit gelungenen Rochaden verwirrten. „Wir sind alle gelernte Stürmer, deswegen kann jeder jede Position belegen, das macht es für den Gegner schwerer auszurechnen“, verdeutliche Okotie, der erklärte, dass die Positionswechsel auf dem Feld eher intuitiv erfolgen:

„Kommandos gibt es nicht wirklich. Jeder belegt die Position, die im Moment frei ist. Wenn Richie draußen ist, gehe ich in die Mitte. Wenn Imre in die Spitze geht, geht Darko auf die Zehn. Wir sind da also ganz variabel.“

Funktionieren kann diese Variante nur, wenn sich keiner aus diesem Quartett zu schade ist, auch nach hinten zu arbeiten. Hyballa monierte auch, dass zum Beispiel Bodul „ein, zwei Mal seine Drecksarbeit nach hinten verabsäumt“ hat, fand für das an diesem Abend einzige trefferlose Mitglied des Offensivquartetts jedoch hauptsächlich lobende Worte: „Darko hat ein, zwei richtig gute Bälle gespielt.“

„Für mich gab es keine Erleichterung“

Dass sein Team richtig guten Fußball gezeigt hat, wurde auch von den schwarz-weißen Fans in Graz-Liebenau entsprechend honoriert. Nach dem holprigen Saisonstart war es wichtig, dass die Mannschaft dem vor der Partie aufgebauten Druck standgehalten hat.

Selbiges gilt für Hyballa, auch wenn dieser betont gelassen behauptete: „Für mich gab es keine Erleichterung. Ich glaube an den Weg, den wir hier gehen. Daran arbeiten wir einfach als Trainer und Spieler zusammen.“

Die Frage im derzeit unruhigen Grazer Umfeld ist jedoch, ob dieser Sieg zu einer längerfristigeren Beruhigung der Lage beiträgt, oder ob demnächst wieder massive interne Ungereimtheiten ans Tageslicht treten.

Vier Tore könnten gegen den Frust helfen…

Peter Altmann

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