"Der Verein SV Ried wird es überleben"

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Es hat nicht sollen sein. So lautete der Tenor im Lager der SV Ried nach der 0:3-Niederlage gegen Rapid.

Damit wurde nach zweijähriger Präsenz auf internationaler Bühne ein europacupfreies Jahr besiegelt.

Schon vor dem Anpfiff hatten die Innviertler von den drei verbliebenen Anwärtern die geringsten Chancen. Durch die klare Auswärtsniederlage musste man sich allerdings gar nicht auf ein „Was-wäre-wenn“-Spielchen einlassen.

„Sicher bin ich traurig, ich hätte gerne international gespielt. Aber mit der Leistung, die wir heute und in den letzten Spielen geboten haben, haben wir uns das nicht verdient“, brachte es Thomas Reifeltshammer im Gespräch mit LAOLA1 auf den Punkt.

Zu wenig für einen Europacup-Platz

Ein Sieg im Hanappi-Stadion hätte gereicht, da Sturm Graz, das es schlussendlich auf den Europa-League-Platz schaffte, und der WAC ihre Spiele verloren. Doch so weit kam es gar nicht.

„Der Europa-League-Platz war durchaus drin, das haben wir gewusst. Wir wollten Druck machen und haben auch gehofft, dass es leichter geht, da Rapid das Ziel schon erreicht hat. Aber es war in allen Belangen zu wenig“, analysierte Trainer Michael Angerschmid trocken.

Tatsächlich konnte seine Mannschaft die Hütteldorfer nie richtig unter Druck setzen und leistete sich in der Defensive zu viele Patzer.

Trotzdem waren sich nach dem Schlusspfiff alle einig, dass das Ticket nach Europa mit Sicherheit nicht am letzten Spieltag verspielt wurde.

Unkonstanz und geringe Kaderdichte

„Ich persönlich bin schon enttäuscht, aber wir haben das schon vorher verschenkt. Wir waren diese Saison einfach zu unkonstant, um uns für die europäischen Bewerbe zu qualifizieren“, musste Rieds Top-Torschütze Rene Gartler, der mit 15 Volltreffern Platz vier in der Torschützenliste belegte, zugeben.

Zwar ist man von Unzufriedenheit bei den bescheidenen Innviertlern weit entfernt, trotzdem ist das Fehlen der restlichen Kraftreserven für Thomas Gebauer nachvollziehbar.

„Am Ende einer so langen Saison muss man die Mannschaft in Schutz nehmen. Wir waren einfach körperlich nicht mehr auf der Höhe durch die ganzen Verletzungen. Wir schleppen viele Spieler durch, die wochenlang angeschlagen sind, weil uns einfach die Alternativen fehlen“, berichtete der eingebürgerte ÖFB-Keeper.

Durch die letztjährigen Erfahrungen über die rot-weiß-roten Grenze hinaus hatten die Rieder Gefallen am Abenteuer Europacup gefunden.

„Es ist in Ried kein Muss"

Trotzdem ist Platz sechs in der Endabrechnung und ein Jahr ohne internationales Abenteuer alles andere als ein Hals- und Beinbruch für das Angerschmid-Team.

„Für uns ist es kein Muss. Der Verein ist klein aufgestellt, für unsere Verhältnisse ist es immer super, was wir erreichen. Ich denke, wir haben dieses Jahr wieder einen Riesenschritt nach vorne gemacht, an den Vierten von Österreich angedockt – die Top 3 sind noch klar über uns zu stellen, aber wenn man Sturm hernimmt, sind wir nicht mehr weit weg“, nannte Gebauer positive Aspekte, um dann doch melancholisch zu werden:

„Schade ist es halt, weil wir einfach die letzten zwei Jahre das Gefühl gehabt haben, wie geil Spiele im Europacup sind“, erinnerte sich die Nummer eins der Rieder zurück.

Reifeltshammer stimmte ihm zu: „Es ist in Ried kein Muss, dass du jedes Jahr international spielst. Aber wenn du bis zum Schluss mitspielst, willst du auch hinein.“

„Man muss schon am Boden bleiben“

Dass man durch die Leistungen vergangener Tage und der Europacup-Erfahrungen verwöhnt war, wollte keiner verneinen.

„Auf jeden Fall. Man darf aber nicht vergessen, dass Ried mehr oder weniger ein Dorfverein ist. Da muss man schon am Boden bleiben“, meinte Gebauer.

Gartler ergänzte: „Der Verein wird es überleben. Es ist halt einmal eine Saison ohne Euro-League. Natürlich ist es enttäuschend, aber wir schauen nach vorne.“

Schließlich sind alle Beteiligten davon überzeugt, auch nächste Saison wieder gut gerüstet ins Rennen zu gehen. So wie immer in den letzten Jahren, dank Manager Stefan Reiter und seinem Team.

Und wer weiß? Vielleicht reicht es kommendes Jahr wieder zum großen Ziel. Denn ohne Druck spielt es sich bekanntlich am leichtesten. Schließlich ist der Europacup ja kein Muss.


Alexander Karper

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