Schöttel: "Draufhauen tun eh alle"

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Wien – Acht Spiele ohne Sieg, der letzte Dreier in der Bundesliga datiert vom 9. Dezember 2012.

Rapid ist nicht nur die schlechteste Frühjahrsmannschaft, die derzeitige Unform lässt zudem nur wenig Hoffnung, dass der Negativlauf schnell ad acta gelegt werden kann.

Eine genauso lange Durststrecke mussten die Grün-Weißen zuletzt im Herbst 2006 überstehen, kurz nachdem Trainer Peter Pacult in Hütteldorf anheuerte.

Das 2:3 gegen Ried stürzte Rapid noch tiefer in die Krise, während die Innviertler nach sechs Spielen erstmals wieder einen vollen Erfolg bejubeln durften.

Defensivarbeit nicht bundesligareif

Vor allem die Defensivarbeit der Hütteldorfer ist laut Trainer Peter Schöttel derzeit nicht bundesligareif.

„Wir machen seit Frühjahrsbeginn ungewohnte, unerklärliche Fehler in der Defensive. So viele Tore können wir zurzeit gar nicht schießen, dass wir gewinnen“, so der erst vor wenigen Tagen 46 Jahre alt gewordene Chefbetreuer gegenüber „Sky Sport Austria.“

„Im Moment werden wir bestraft und machen zu viele Fehler, um ein Spiel in der Bundesliga gewinnen zu können.“

Dem 0:1 ging ein Fehler von Harald Pichler im Mittelfeld voraus, beim 1:2 unterlief Lukas Königshofer nach Rückpass von Gerson ein fataler Fehler und beim dritten Gegentreffer ließ die Abwehr Nacho gewähren.

„Brauchen keinen Sündenbock suchen“

Persönlich wollte der Trainer aber keinen kritisieren, auch nicht Königshofer. Viel mehr habe man bei den vergangenen Aufgaben als Kollektiv versagt.

„Es hat beim ersten Tor begonnen, auch das dritte war eine kollektive Fehlleistung. Da brauchen wir jetzt keinen Sündenbock suchen.“

Die Unsicherheiten zogen sich wie ein roter Faden durch das Spiel der Wiener, die obendrein auch nach vorne nur wenig Gefahr ausstrahlten.

„Wir sind als Mannschaft defensiv einfach zu schlecht. Es ist ein Wahnsinn, was wir da aufführen. Da muss sich schleunigst was ändern“, scheute Deni Alar nicht vor Selbstkritik zurück.

Rapid läuft mit Rucksack auf

Die Durchhalteparolen und die immer wieder betonte Trainingsarbeit, um die vielen individuellen Fehler abzustellen, trugen bisher keine Früchte. Im Gegenteil.

„Wir wirken sehr stark verunsichert. Man merkt, dass etliche nicht mehr die Sicherheit wie in guten Tagen haben“, suchte Schöttel nach einer Begründung.

Seiner Meinung nach lief die Mannschaft in den letzten Monaten immer schon mit einem Rucksack aufs Feld. Voll gepackt mit schlechten Erinnerungen und Negativerlebnissen.

„Draufhauen tun eh alle, das wurde bei uns aber auch schon in guten Zeiten. Wir müssen als Mannschaft zusammenhalten und dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen.“

„Können ja nicht Tabula rasa machen“

Geht es nach Sportdirektor Helmut Schulte, der noch immer auf den ersten Rapid-Sieg seit seinem Antritt wartet, gibt es keinen Grund, über Veränderungen nachzudenken.

„Wir können ja nicht Tabula rasa machen. Wir müssen weiter machen. Wir sind dafür da, um Ruhe zu bewahren. Wenn man Ansprüche erfüllen will, muss man sich auch kritisieren lassen.“

Den Vorwurf, den Vertrag von Schöttel vielleicht zu voreilig bis 2015 verlängert zu haben, wollte Schulte nicht auf sich sitzen lassen.

„Warum? Wir sind davon überzeugt und werden den Weg weiter gehen.“

Befreiungsschlag für die SV Ried

Auf Seiten der Rieder kannte der Jubel keine Grenzen. Nach sechs Spielen hatte das Warten auf einen Sieg ein Ende, erstmals seit 14. Mai 2011 gelang wieder ein Liga-Erfolg gegen Rapid.

„Ein schönes Gefühl, mal wieder zu gewinnen. Es war für beide Teams gleich schwer. Beide sind nicht so gut in die Rückrunde gestartet. Für uns ist der Sieg sehr wichtig. Jetzt wollen wir weiter Gas geben“, war der Torschütze zum 2:1, Marco Meilinger, überglücklich.

Mann des Abends war mit Rene Gartler, der das 1:0 selbst erzielte und das 2:1 auflegte, ausgerechnet ein Ex-Rapidler, der deshalb nur verhalten jubelte.

„Wir haben kämpferisch alles abgerufen und können stolz auf uns sein. Besser wird es für meinen Ex-Verein mit dem Spiel heute sicher nicht“, gab der Stürmer zu.

Während Ried erstmals tief durchatmen darf, wird die Luft im Lager der Grün-Weißen immer dünner. Der Druck auf Trainer und Spieler wächst. Lange wird auch der stets gut gelaunte Sportdirektor nicht vor Personalentscheidungen zurückscheuen können.


Alexander Karper

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