Sturms richtige Antwort - in vielerlei Hinsicht

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„Salzburg war jammerschade. An dieser Niederlage musste ich schon vier, fünf Tage knabbern, weil wir ganz viele Dinge gut gemacht haben“, gestand Peter Hyballa.

Dementsprechend sei gegen die Austria sein „Puls auf ziemlich hoher Anschlagzahl“ gewesen. Es war eine Partie, in welcher der Sturm-Coach den „Staffelstab“ quasi an Namensvetter Peter Stöger weitergab.

Nach dem 1:0-Sieg der Grazer in Wien-Favoriten muss sich diesmal der Betreuer der Veilchen Gedanken darüber machen, warum seine Mannschaft trotz ansprechender Leistung leer ausging.

„Dieser Sieg war natürlich glücklich“, gab Hyballa auch unumwunden zu. Aber umso wichtiger für die „Blackys“, die damit einen Fehlstart in die neue Saison vermieden und nach dem kontrovers diskutierten Auftakt gegen die „Bullen“ in vielerlei Hinsicht die richtige Antwort gaben:

  • RUHE IM UMFELD:

„Wichtig ist einfach, dass wir nicht nach der zweiten Runde mit null Punkten dastehen“, war Hyballa nach dem Schlusspfiff erleichtert. Die Hammer-Auslosung mit Meister Salzburg und dem Gastspiel bei der Austria gleich zu Beginn hätte auch nach hinten losgehen können – gerade für den eloquenten Deutschen, der mit seinen selbstbewussten Ankündigungen zwar das Interesse der Öffentlichkeit weckt, sich in dieser den Ruf des Erfolgstrainers aber erst erarbeiten muss.

Wobei sehr wohl zu erkennen ist, wohin die Reise unter Anleitung des 36-Jährigen gehen soll. Gegen Salzburg bot er mit seiner Mannschaft Fußball fürs Auge, wofür es berechtigtes Lob gab. Letztendlich zählen jedoch nur die Ergebnisse, wie allen Grazer Beteiligten bewusst ist. „Ein Sieg tut immer gut, gibt der Mannschaft Selbstvertrauen, ist aber auch für das Umfeld wichtig, damit etwas Ruhe einkehrt“, erklärte Jürgen Säumel.

  • SELBSTBEWUSSTSEIN AUS NIEDERLAGE:

Die Salzburg-Pleite war auch nach dem Erfolg am Verteilerkreis noch omnipräsent. Spielerisch hatte man sich gegen die „Bullen“ nämlich besser aus der Affäre gezogen. „Wir haben uns das Salzburg-Spiel noch einmal angeschaut und mehr positive als negative Szenen gesehen – das muss man ganz klar sagen“, verdeutlichte Säumel, „wir haben um unsere Stärke gewusst. Auch wenn es gegen Salzburg schief gegangen ist, haben wir gesehen, dass wir mithalten können.“ Kapitän Manuel Weber fand, dass man trotz Niederlage aus der Leistung ab der 20. Minute durchaus Selbstvertrauen gezogen habe.

  • TAKTISCHE ADAPTION:

„Die Partie bei der Austria haben wir taktisch ein bisschen anders angelegt“, erklärte Michael Madl. Zog Hyballa gegen den Double-Gewinner noch kompromisslos sein 4-4-2 mit Raute samt hochstehender Abwehr durch, was Salzburg zu schnellen Umschaltmanövern einlud, ging es der Deutsche diesmal eine Spur vorsichtiger an.

„Vom Spielerischen her müssen wir noch ganz viel trainieren“, betonte Hyballa, der die „großartige kämpferische Leistung“ hervorstrich. Gerade im Spiel nach vorne vermochte man die Räume, welche die Wiener anboten, nach der Führung nur ungenügend zu nutzen. „In der zweiten Halbzeit haben wir viel zu wenig nach vorne gemacht, und die Austria hat uns hinten reingedrückt. Da müssen wir schon noch ansetzen, dass wir auch unter Druck die Bälle besser halten und kontrollierter in die Offensive spielen“, monierte Madl.

Nach der problematischen Anfangsphase in Runde eins holte sich der Neuzugang wie sein Partner in der Innenverteidigung, Nikola Vujadinovic, diesmal ein Lob des Trainers ab – auch wenn Letzterer sich wieder die eine oder andere tolpatschige Szene leistete: „Jetzt redet wieder jeder von einer Situation, wo er einen Fehlpass gespielt hat. Ich kann jedoch aus dem Kopf auch viele Szenen nennen, wo die zwei Innenverteidiger im letzten Moment gerettet haben. Ich finde, beide haben eine gute Leistung gebracht.“

Beide kamen übrigens auf eine starke Quote von 75 Prozent an gewonnenen Zweikämpfen. Desaströse Werte lieferten in dieser Kategorie übrigens zwei andere „Blackys“ ab: Christoph Kröpfl mit nur 14,2 Prozent (nur eines von sieben Duellen gewonnen) und ungewohnterweise auch Weber mit 15,4 Prozent (zwei aus 13). Auch dies mag seinen kleinen Anteil daran gehabt haben, dass man im Mittelfeld nicht wie gewünscht die Kontrolle an sich reißen konnte.

Unterm Strich zählen aber ohnehin nur die drei Punkte. „Wie die in der zweiten Halbzeit zustande gekommen sind, interessiert uns übermorgen nicht mehr“, grinste Madl. An dieser Partie wird auch Hyballa bestimmt nicht vier, fünf Tage zu knabbern haben…

Peter Altmann/Harald Prantl

Madl: „Wir wussten, dass die Austria eine genauso spielstarke Mannschaft ist, wo man aufpassen muss, dass sie aber Probleme haben, von der Offensive auf die Defensive umzuschalten. Also hatten wir schnelle Angreifer vorne, über die wir schnell in die Spitze spielen wollten. Genau so ist das 1:0 gefallen, somit ist es perfekt aufgegangen.“

„Wir wollten uns diesmal im 4-3-3-System etwas mehr zurückfallen lassen, ein bisschen mehr auf die Umschaltphase gehen“, konkretisierte Hyballa, der mit Goldtorschütze Rubin Okotie anstelle des verletzten Imre Szabics einen weiteren flinken Stürmer brachte und in der Folge auch sein Mittelfeld neu anordnete: „Wir haben diese Woche überlegt, wie wir Bodul, Sukuta-Pasu und Okotie zusammenspielen lassen können, dazu noch Kröpfl dahinter. Auf der anderen Seite haben die Jungs eigentlich mehr defensiv arbeiten müssen als in der Offensive, weil die Austria einfach zu stark am Ball war.“

  • BALANCE (IN DER ANALYSE):

Gegen Salzburg überzeugte Sturm eher in der Vorwärtsbewegung, bei der Austria präsentierte man sich dafür trotz einiger hochkarätiger Möglichkeiten für die Veilchen im Rückwärtsgang stärker, störte den Aufbau des Gegners immer wieder geschickt. Während die Steirer auf dem Feld also noch nach der richtigen Balance suchen, findet man selbige in der realistischen Einschätzung des Gebotenen. War man nach dem Duell mit den Mozartstädtern noch um die Klarstellung bemüht, dass es durchaus positive Ansätze gab, ging man diesmal trotz dreier Punkte selbstkritisch mit der eigenen Leistung ins Gericht.

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