"Muss uns beide Beine brechen"

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Frustrierte Salzburger, nicht unzufriedene Grazer

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Roger Schmidt war bitterböse.

Ein Zweikampf im Strafraum zwischen Christian Klem und Georg Teigl, den Referee Manfred Krassnitzer nicht als Elfmeter auslegte, erhitzte sein Gemüt.

Gibt es einen Strafstoß, hätte der Sieger im Topspiel der Runde wohl Red Bull Salzburg geheißen. So trennte sich der amtierende Meister von seinem Vorgänger Sturm Graz mit 1:1.

„Ein glasklarer Elfmeter, der nicht gepfiffen wurde! Wie so oft gegen uns. Ich weiß gar nicht, was passieren muss, damit wir einmal einen Elfmeter kriegen. Aber anscheinend ist es so, dass man uns beide Beine brechen muss, damit einmal gepfiffen wird. Scheinbar sind die Schiedsrichter der Meinung, dass Red Bull jeden Sonntag gnadenlos verpfiffen werden muss. Damit müssen wir leben“, echauffierte sich der Deutsche.

„Sind extrem frustriert und enttäuscht“

Der Schlusspunkt eines wenig zufriedenstellenden Arbeitstages für den 45-Jährigen. Denn aufgrund des 6:3-Sieges der Austria in Wolfsburg büßte der Titelverteidiger weitere zwei Zähler auf den Tabellenführer ein und liegt bereits sieben Punkte hinter den Wienern.

In Graz war trotz früher Führung Sturms und verschlafener erster Halbzeit durchaus mehr drinnen.

„Wir sind extrem frustriert und enttäuscht, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben. Es hätte dicke reichen müssen, denn wir hatten genügend Chancen und auch noch genug Möglichkeiten, weitere Chancen herauszuspielen. Da waren wir sicherlich nicht konsequent genug und auch ein bisschen schlampig beim letzten Ball“, ärgerte sich Schmidt.

„In der zweiten Halbzeit haben wir den Fußball gespielt, den wir uns vorstellen. Aber es reicht leider nicht, das nur eine Halbzeit lang zu tun. So haben wir lange gebraucht, bis wir den Rückstand drehen“, erklärte Franz Schiemer.

„Nehmen das 1:1 mit“

Die Partie begann quasi mit dem 1:0 für die Steirer. Richard Sukuta-Pasu traf in der 8. Minute nach herrlicher Vorarbeit von Leonhard Kaufmann. Sadio Mane gelang erst in Minute 66 der Ausgleich.

Auf Seiten Sturms wusste man nicht so recht, wie man dieses Ergebnis werten sollte. Einerseits wurde eine Führung aus der Hand gegeben, andererseits war man sich bewusst, dass die „Bullen“ die Partie nach der Pause durchaus auch gewinnen hätten können.

„Im Großen und Ganzen geht das Remis in Ordnung, auch wenn man sagen muss, dass Salzburg die Chancen nach schweren individuellen Fehlern von uns bekommen hat, ansonsten haben wir nicht viel zugelassen. Im Umschalten waren wir immer brandgefährlich. Wenn Rubin Okotie das 2:1 macht, ist die Sache gegessen. Aber mit dem Punkt gegen Salzburg sind wir zufrieden“, meinte Michael Madl.

„Man hat gesehen, wie Mane den Ball ansaugt – das ist natürlich schon eine Augenweide. Wir haben versucht, immer zu doppeln. Aber ich glaube, Leo Kaufmann ist jetzt im ultravioletten Laktatbereich, den müssen wir gleich künstlich ernähren.“

„Die Austria ist unglaublich kompromisslos“

Für Schmidt wiederum lag die Steigerung seiner Mannschaft daran, dass sie im zweiten Durchgang die Vorgaben gekonnter umsetzte:

„Wir haben wesentlich schneller, mit weniger Kontakten und vertikaler gespielt, dadurch das Spiel beschleunigt, im vorderen Bereich einfach insgesamt mehr Tiefgang gehabt. Das ist uns am Anfang noch schwer gefallen.“

Schwer fallen könnte in der restlichen Saison auch die Aufholjagd. „Die Austria ist wirklich unglaublich kompromisslos“, erkannte Schiemer neidlos an, „außer gegen uns gewinnen sie jede Partie. Die Saison dauert aber noch lange und wir haben noch zwei direkte Duelle vor uns. Ich glaube, da können wir auch sieben Punkte Rückstand noch umdrehen.“

Das Ziel ist laut Meinung des Innenverteidigers jedenfalls klar definiert: „Wir wollen so schnell wie möglich Erster sein.“

Peter Altmann

Auch Trainer Peter Hyballa entschied sich nach der neunten Liga-Partie in Folge ohne Niederlage im Zweifelsfall für Zufriedenheit: „Man muss fair sein. Wir wissen, welchen Gegner wir hatten. Deswegen nehmen wir das 1:1 mit und spielen Gott sei Dank nur noch einmal gegen Red Bull.“

„Leo Kaufmann müssen wir gleich künstlich ernähren“

Die ersten beiden Kräftemessen mit den Salzburgern in dieser Saison haben die „Blackys“ bekanntlich verloren. Dass es diesmal nicht zu drei Zählern reichte, lag an Halbzeit zwei. Während seine Elf laut Hyballa vor der Pause gut nach vorne verteidigt hat und den Gegner vom eigenen Tor weghalten konnte, mehrten sich nach dem Wiederanpfiff die heiklen Szenen vor dem Gehäuse von Keeper Johannes Focher.

„Das Problem war, wenn wir den Ball hatten, hatte ich das Gefühl, er ist sofort wieder weg. Wir haben mit unserer beweglichen Sechs zu umständlich gespielt. Wenn du tief wirst, ist es ganz, ganz wichtig, dass du einfach mal den unsexy Ball auf die Außenpositionen spielst. Das haben wir nicht hinbekommen – entweder war der Pass zu lasch gespielt oder wir sind in so ein komisches Dribbling reingegangen. Wir sind ganz klar auf Umschalten gegangen, aber dann musst du die Sachen auch mit zwei, drei Zügen nach vorne ausspielen. Das haben wir nicht geschafft“, monierte Hyballa.

Der 37-Jährige vermutete zudem auch „ein bisschen Angst vor dem Gewinnen“, hielt den Ball ob der Qualität des Kontrahenten jedoch dennoch flach:

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