Kirchler: "Wir haben ein bisschen viel Glück gehabt"

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„Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag.“

Diese Textzeile eines Hits der deutschen Band „Juli“ könnte es nicht besser treffen. Eine perfekte Woche für Wacker endete mit dem Höhepunkt: Die Innsbrucker sind die Rote Laterne los.

Nach dem 2:1 am vergangenen Samstag in Mattersburg und dem überraschend erfolgreichen Cup-Intermezzo am Mittwoch (2:1 bei Sturm) folgte der nächste immens wichtige Sieg in der Bundesliga: Ein 1:0-Erfolg beim direkten Konkurrenten im Kampf um den Abstieg, dem SC Wiener Neustadt.

„Große Erleichterung“

Erstmals seit dem vierten Spieltag, dieser fand Mitte August statt, sind die Tiroler nicht Letzter.

„Natürlich ist die Erleichterung groß“, freute sich Roman Wallner. Im selben Atemzug warnte der Siegtorschütze, der erstmals für Wacker in der Liga traf, aber: „Wir dürfen uns nicht ausruhen.“

Ein nicht unbegründeter Ansatz, schließlich hätten die Innsbrucker in Niederösterreich auch als Verlierer vom Platz gehen können, zu viele Chancen ließen die Gastgeber in Hälfte eins aus.

„Wir waren die glücklichere Mannschaft, sie haben in der ersten Hälfte besser gespielt, mehr Torchancen herausgespielt. Manchmal stimmen vielleicht Weisheiten, dass etwas zurückkommt. Gegen den WAC hätten wir das Spiel gewinnen müssen, verloren es aber 0:1“, so Wallner.

Kirchlers unglaubliche Bilanz

Auch sein Trainer machte keinen Hehl daraus, dass Fortuna auf Seiten der Gäste stand.

„Es war heute sehr unverdient. Wir haben ein bisschen viel Glück gehabt, nicht nur ein bisschen. Und einen guten Safar im Tor“, resümierte Roland Kirchler, der Tiroler Mann der Stunde.

Vier Spiele, vier Siege. So sieht die unglaubliche Bilanz des 42-Jährigen aus, seit er das Ruder vom entlassenen Walter Kogler übernommen hatte.

„Jetzt haben wir eine gute Phase, wohl aufgrund des lieben Gotts, der scheinbar auf uns schaut. Aber auch aufgrund von teilweise guten Halbzeiten. Noch sind es nur Halbzeiten. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, der Erfolgslauf darf aber ruhig weitergehen“, blieb Kirchler bescheiden.

Nichtsdestoweniger stellte der Wacker-Coach in der Halbzeit entscheidend um, brachte Perstaller und Hauser. Letzterer rückte in die Viererkette und Saurer nach vorne in die Offensive.

„Dafür bin ich auch Trainer, für das bin ich da. Ich sehe irgendwo ein Problem und muss es lösen. Machen muss es aber die Mannschaft“, stellte Kirchler seine Spieler ins Rampenlicht.

Neustadt: „Sinnlos“ und „deppert“

Das hätte auch Heimo Pfeifenberger gerne getan, konnte es aber nach den 90 Minuten nicht.

Neustadt erbte "sinnlos" die Rote Laterne von Wacker

„Wir haben den Gegner dominiert, du darfst so ein Spiel nicht verlieren“, war der Salzburger sauer. Zumal Ähnliches schon letzten Samstag der Fall war: „Es ist die nächste Partie, die wir völlig sinnlos herschenken. Vergangene Woche hat uns Ried bestraft (1:3, Anm.), nachdem wir die Chancen ausließen.“

Jörg Siebenhandl brachte es in vier Worten auf den Punkt: „Wir sind selber schuld.“

„Wir haben unsere Chancen nicht genutzt und dann machen wir einen toten Gegner lebendig. Innsbruck ist nach der Pause aus der Kabine gekommen, hat angepresst und schon haben wir ein wenig die Nerven verloren. Dann stellen wir uns beim Standard deppert an, weil wir keine Zuteilung haben, kriegen das Tor und verlieren“, zeigte sich auch der Neustadt-Keeper sauer.

Worin sich Pfeifenberger und Siebenhandl ebenfalls einig waren, die Rote Laterne tut zu diesem Zeitpunkt nichts zur Sache. „Für mich ist so etwas jetzt nicht entscheidend, da würdest du dich ja verrückt machen, wenn du dich immer wieder damit auseinandersetzt. Ich will nur zum Schluss nicht Letzter sein“, so der 45-jährige Coach.

Es wird wohl kein Duell bleiben

Für den 22-jährigen Tormann „ist das noch nicht so schlimm. Wir müssen versuchen, den Anschluss zu halten. Ich bin noch immer guter Dinge, dass wir das schaffen können.“

Zumal nicht unwesentlich ist: Die Tabellenränge fünf bis zehn sind nur durch sieben Punkte getrennt.

„So wie es die letzten Wochen ausgesehen hat, werden noch andere Teams dazu kommen“, hält Siebenhandl diesbezüglich fest. Kirchler: „Wir wissen, dass es dieses Jahr wohl bis zum Ende beinharten Abstiegskampf geben wird. Wir hoffen, wir können noch den einen oder anderen dazu holen. Ich gönne es auch dem Heimo nicht, denn er hat eine gute Mannschaft.“

Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wer sich in erster Linie dem Kampf gegen den Abstieg widmen muss. Die Innsbrucker müssen sich aus einem Grund den Kopf nicht zerbrechen.

Denn Kirchler gab einen Befehl aus: „Ich habe der Mannschaft verboten, auf die Tabelle zu schauen.“

Dabei wäre ein Blick nach diesem Sieg besonders lohnenswert.

 

Bernhard Kastler

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