LAOLA1: Du stammst aus der Südsteiermark und bist bereits im Alter von acht Jahren zu Sturm gekommen. Wie groß war der Aufwand?

Tschernegg: Ich komme aus St. Nikolai im Sausal, das ist in der Nähe von Leibnitz. Meine Eltern waren Vollzeit-Taxi, haben mich immer hin und hergefahren. Vom  8. bis zum 17. Lebensjahr haben sie es mir ermöglicht, dass ich zum Training komme und bei Sturm spielen kann. Hin und retour waren das 80 Kilometer. Der Zeit- und in weiterer Folge der Geldaufwand war sicher nicht gering. Ich versuche mit guten Leistungen meinen Eltern zurückzugeben, was sie für mich geleistet haben. Mir bereitet es die größte Freude, wenn wir gewinnen, ich gut spiele und meine Eltern auf der Tribüne sitzen und sich denken, dass es sich ausgezahlt hat.

LAOLA1: Die vergangenen beiden Jahre waren für Sturm nicht einfach. Andererseits schlummert Potenzial in der Mannschaft. Könnte es im Fall der Fälle nur nach oben gehen?

Tschernegg: Dass Sturm diese Saison nicht so erfolgreich bestritten hat, hat mich eigentlich überrascht, weil sie eine gute Mannschaft mit sehr hoher Qualität haben. Der Trainer ist auch ein Guter, der schon als Spieler Erfolge gefeiert hat und später als Trainer in Slowenien. Teilweise haben sie ihre Spiele unglücklich verloren, dumme Fehler gemacht. Wenn man hinten zwei, drei dumme Tore kassiert, ist es schwer, dass man vorne vier oder fünf macht. Aber zuletzt haben sie sich wieder erfangen. Ich hoffe, dass ich, falls ich hinkommen sollte, der Mannschaft helfen könnte. Sie hat genug Potenzial, um in Österreich unter den ersten Drei mitzuspielen.

LAOLA1: Als du 2011 von Sturm zu Grödig gewechselt bist, hat das in Graz nicht jeder gerne gesehen. Für dich hat sich die Strategie, dich über diesen Weg ins Blickfeld zu spielen, aber voll ausgezahlt, oder?

Tschernegg: Der nächste Schritt war fällig. Ich habe vor drei Jahren die Matura gemacht. Der nächste Schritt wäre in Richtung Profikader gegangen, das war aber schwer, da die Position im zentralen Mittelfeld stark besetzt war. Bei den Amateuren wollte ich nach zwei Saisonen nicht noch ein Jahr spielen. Heimo Pfeifenberger ist im Derby gegen den GAK auf mich aufmerksam geworden und hat mich ein, zwei Tage später angerufen, ob ich Interesse hätte. Wir haben uns in Graz getroffen, er hat mir erklärt, wie es in Grödig abläuft und was das für ein Verein ist. Denn offen gestanden, hatte ich mich zuvor noch nicht so mit Grödig auseinander gesetzt. Wie auch? Ich hatte nicht unbedingt gedacht, dass ich einmal nach Grödig komme. Das hat sich alles ganz gut angehört, und ich habe den Schritt von zu Hause und Sturm weg gewagt. Im Nachhinein gesehen, war es ein gewisses Risiko, von Sturm wegzugehen. Vielleicht hätte ich noch ein, zwei Jahre durchbeißen können, aber ich habe mich für den Weg über die Erste Liga entschieden. Jetzt spielen wir mit Grödig Bundesliga, in der wir teilweise für Furore gesorgt und sich die Spieler einen Namen gemacht haben. Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Du hast dich in deiner ersten Bundesliga-Saison ins Rampenlicht gespielt, zählst somit zu den Gewinnern im Grödiger Kader. Wie fällt deine persönliche Zwischenbilanz aus?

Tschernegg: Die Saison ist zwar noch nicht vorbei, aber bislang ist es nicht so schlecht gelaufen. Der Herbst war für mich persönlich sehr gut. Wenn man so einen guten Einstieg in die Bundesliga-Karriere zusammenbringt, ist es sicherlich erfreulich. Es wurde sicher durch die positiven Leistungen und Erfolge der Mannschaft erleichtert. In einer funktionierenden Mannschaft ist es immer leichter, gut auszusehen, als wenn man von Anfang an hinten drinnen hängen würde und jedes Spiel zittern muss, ob man einen Punkt macht. Im Herbst ging es leicht von der Hand, es war in unseren Köpfen verankert, dass wir gegen so gut wie jeden Gegner gewinnen können – bis auf Red Bull, wo es nicht nach Wunsch gelaufen ist. Bei mir kam im Winter gleich am zweiten Tag der Vorbereitung mit einer Knöchelluxation eine relativ schwere Verletzung dazu. Ich bin sechs Wochen ausgefallen, habe somit die komplette Vorbereitung versäumt. Ich musste mich wieder auf meinen körperlichen Standard des Herbsts zurückkämpfen. Das hat natürlich gedauert. Mit den Spielen, die nicht mehr so rund gelaufen sind, ragt meine Leistung im Frühjahr auch nicht mehr so heraus wie vielleicht im Herbst. Aber ich bin bis jetzt mit dem Verlauf der Saison trotzdem sehr zufrieden.

LAOLA1: Trainer Hütter macht den nächsten Schritt. Inwiefern ist er bei dir im Sommer fällig?

Tschernegg: Das wird sich jetzt zeigen. Von Grödig liegt ein unterschriftsreifes Angebot auf dem Tisch. Ich habe vor eineinhalb Wochen gesagt, dass ich meinen Vertrag noch nicht verlängern und abwarten möchte, ob was reinkommt. Ich bin sicherlich nicht abgeneigt, den nächsten Schritt meiner Karriere zu machen.

LAOLA1: Das Interesse von Sturm Graz ist ein offenes Geheimnis. Wie weit sind die Gespräche?

Tschernegg: Die Gespräche mit Sturm und Herrn Goldbrich laufen. Ich weiß von Trainer Hütter, dass Herr Milanic Interesse an mir hat und ich ihm, glaube ich, nicht so schlecht gefalle. Noch ist nichts Unterschriftsreifes auf dem Tisch, also bin ich mit meinen Gedanken zu 100 Prozent bei Grödig. Wenn es mit Sturm konkret werden sollte, würde ich mich natürlich freuen, wenn ich sozusagen nach Hause an meine alte Wirkungsstätte kommen könnte, wo ich aufgewachsen bin und elf Jahre lang bis zu den Amateuren alle Nachwuchsstationen durchlaufen habe.

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