"Wenn ich abgesichert werde, gibt es nur einen Weg"

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Die Länderspielpause kam für Rapid zur rechten Zeit, um sich von den Strapazen der englischen Wochen und der erfolgreichen EL-Quali zu erholen.

Auch für Christopher Trimmel. Der „Easy Rider“, der privat auf seiner Harley den Gashebel dreht, schaltete zurück und kurierte seine Rückenprobleme aus.

Ohne weitere Beschwerden nimmt er die kommenden Wochen in Angriff. Auf einer Position, die ihm vor Saisonstart nur wenige zugetraut hätten.

Doch rund drei Monate nach dem ersten Versuch muss festgehalten werden: Das Experiment Trimmel als rechter Außenverteidiger ist voll und ganz aufgegangen!

Schöttel glaubt, richtige Position gefunden zu haben

Trainer Peter Schöttel, der den 25-jährigen Burgenländer zum Trainingsstart mit seinem ungewöhnlichen Plan vertraut machte, ist mit dessen Entwicklung und Interpretation der Position überaus zufrieden.

„Er wird immer besser und ist sehr lernfähig. Mit seiner Schnelligkeit ist das eine sehr gute Position für ihn. Ich könnte mir vorstellen, dass das für lange Zeit seine Position bleibt.“

Erst gegen Mattersburg stellte Trimmel unter Beweis, dass seine Defensivfesseln ihn keinesfalls am Toreschießen hindern, auch wenn er in der Flucht nach vorne ab und zu gebremst werden muss.

Im LAOLA1-Interview analysiert der Flankenflitzer die ersten Monate auf seiner neuen Position und verrät, ob er seine Entscheidung bisher bereut hat oder in Zukunft bereuen könnte.

LAOLA1: Gegen Mattersburg hast du mit einem Tor und Assist geglänzt. Ist es doch ein anderes Gefühl, als rechter Verteidiger zuzuschlagen?

Trimmel: Das stimmt. Komischerweise habe ich mich wirklich riesig gefreut. Vor allem, dass ich dann auch den Assist geliefert habe. Aber das Tor war schon etwas Besonderes, weil so viele Chancen bekommt man als Verteidiger dann nicht mehr.

LAOLA1: Wie hast du dich mittlerweile mit der neuen Position angefreundet?

Trimmel: Ich fühle mich pudelwohl hinten. Ich habe mich eigentlich nie schlecht gefühlt, aber es war halt doch eine Umstellung. Die Burschen in der Abwehr haben es mir nicht schwer gemacht, dass ich gut hineinfinde. Mittlerweile gefällt es mir.

LAOLA1: Wie schwer war es, nach Jahren in der Offensive den Schalter umzulegen?

Trimmel: Die größte Umstellung für mich war, dass mir am Anfang bewusst geworden ist, dass ich jetzt einer von den letzten Männern bin. Sprich, wenn ich einen Zweikampf verliere, kann das gleich in die Hose gehen. Im Mittelfeld habe ich doch noch einen Schimpelsberger oder wen anderen hinter mir gehabt. Daher habe ich mich in erster Linie bemüht, überhaupt kein Risiko einzugehen. In der Vorwärtsbewegung hat sich nicht so viel verändert, weil wir mit den Außenverteidigern ziemlich hoch stehen. Das heißt, ich kann mich wirklich sehr oft in die Offensive einschalten. Körperlich ist es schon so: Man muss ein bisschen mehr laufen (lacht).

LAOLA1: Diese Laufarbeit geht schon ziemlich an die Substanz, oder?

Trimmel: Konditionell und von der Kraft her hätte ich eigentlich keine Probleme. Das Blöde waren wieder die kleinen Verletzungen. Die hauen einen Spieler doch körperlich immer wieder ein bisschen zurück. Mittlerweile habe ich das aber wieder ausgemerzt und jetzt geht es mir eigentlich ganz gut.

LAOLA1: Du hast dich ja auch selbst zu diesem Experiment bereiterklärt.

Trimmel: Genau. Es war schon so, dass mich der Trainer gefragt hat. Das war jetzt nicht einfach eine Entscheidung, die ich akzeptieren musste. Er hat mich schon darauf angesprochen. Aber ich bin trotzdem ein Spieler, der jede Position spielen würde. Auch wenn der Trainer sagt, ich soll mich ins Tor stellen.

LAOLA1: Hast du die Entscheidung bereut? Wärst du ab und zu gerne weiter vorne?

Trimmel: Nein, ich muss ehrlich sagen, dass mir der Trainer sein Vorhaben damals wirklich sehr detailliert erzählt hat. Es war trotzdem so, dass er gesagt hat, dass wir das in der Vorbereitung probieren und man dann eh ziemlich schnell merken wird, ob es mir gefällt oder nicht. Wenn es mir nicht gefallen hätte, wäre ich im Mittelfeld geblieben. Aber es war eigentlich nie eine Phase da, wo ich gesagt hätte, dass mir das überhaupt nicht taugt. Ich habe das ernst genommen und mich reingehaut.

LAOLA1: War es also auch eine Kopfsache, Risiko mit Sicherheit abzuwägen?

Trimmel: Genau. Im Kopf war ich eigentlich immer positiv, ich bin sowieso ein Positivdenker. Von dem her habe ich mir einfach nur vorgenommen, dass ich mehr Sicherheit in die Zweikämpfe kriege, damit ich die Jungs hinten nicht in Bedrängnis bringe. Daher probiere ich das ziemlich sicher zu spielen und in der gegnerischen Hälfte kann man schon einmal was riskieren. Früher im Mittelfeld war es doch so, dass die Trainer meistens verlangt haben, dass ich 1-gegen-1 gehe. Da habe ich quasi immer Risiko genommen. Aber da habe ich gewusst, dass noch vier, fünf Leute hinter mir sind. Jetzt ist es leider nicht mehr so, aber ich habe kein Problem damit.

LAOLA1: Würdest du sagen, du bist schon voll auf der Position angekommen?

Trimmel: Verbessern kann man sich immer. Ich glaube nicht, dass ich da jetzt schon zu hundert Prozent ausgereift bin. Wenn man es analysiert und sich selber sieht, wo man gerade steht und wie man sich verhält, merkt man schon, dass da noch viel möglich ist. Für mich persönlich hat es noch kein perfektes Match gegeben, in dem ich keinen Fehler gemacht habe.

LAOLA1: Der Trainer sieht es als genau richtige Position für dich. Spielt nicht doch ein wenig Angst mit, dass du auf dieser Position festgenagelt wirst?

Trimmel: Glaube ich nicht. Das kann vielleicht passieren, wenn ich als Verteidiger einfach hinten stehe und nur verteidige, aber solange ich mein Spiel nach vorne mache, mich immer wieder in die Offensive einschalte und Gefahr ausstrahle, sieht es jeder, dass ich immer eine Option für die Offensive bin. Daher glaube ich nicht, dass ich in der Position festbetoniert werde. Ich bin auswärts in der EL-Quali auch schon im Mittelfeld eingesetzt worden. Es ist nicht so, dass ich nur mehr für diese Position da bin.

LAOLA1: Es wird ja auch immer für Absicherung gesorgt, wenn du mitgehst.

Trimmel: Das ist ja auch das Ziel. Bei mir ist es speziell so, dass ich mich nie in die Offensive einschalten würde, wenn ich weiß, dass die Jungs hinten in Unterzahl sind. Sobald ich das Kommando kriege, dass ich abgesichert werde, gibt es für mich nur mehr einen Weg: Nach vorne!

LAOLA1: Vom Spielertyp wirst du dich aber nie mit Schimpelsberger vergleichen.

Trimmel: Man merkt schon, dass wir unterschiedliche Typen. Ich bin mehr der Schnellkrafttyp, während Schimpi eigentlich schon immer Verteidiger ist und dort seine Stärken hat. Ich habe sie doch in der Offensive. Er muss wahrscheinlich an der Offensive arbeiten, ich muss noch viel in der Defensive lernen. Aber wir helfen uns da gegenseitig ziemlich gut, auch wenn wir immer als Konkurrenz behandelt werden – was für mich Schwachsinn ist. Man ist Konkurrent, aber intern hilft man sich trotzdem gegenseitig.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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