"Ich nehme Fehler in Kauf"

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62,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 56 abgefangene Bälle, 80,8 Prozent erfolgreiche Tacklings, nur neun Fouls – Lukas Spendlhofer hat einen bärenstarken Herbst hinter sich.

„Im Vorhinein hatte ich schon Zweifel, ob das der richtige Schritt ist, im Nachhinein betrachtet war er perfekt“, sagt der 21-Jährige, der seit einem halben Jahr von Inter Mailand an den SK Sturm ausgeliehen ist.

Für den Sommer besitzen die Steirer eine Kaufoption. Doch wie sieht der Innenverteidiger überhaupt seine Zukunft?

Im LAOLA1-Interview spricht er nicht nur darüber, sondern auch über seine Freundschaft zu Nebenmann Michael Madl und den Vergleich zwischen italienischem und österreichischem Fußball.

LAOLA1: Wie war die erste Vorbereitung unter Franco Foda für dich? Nimmt er euch sehr hart ran?

Lukas Spendlhofer: Es war schon hart, aber es ist gar nicht so arg, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Wir haben fast alles mit dem Ball gemacht, was viel Spaß macht.

LAOLA1: Wie fällt deine Herbst-Bilanz aus?

Spendlhofer: Wir können ganz zufrieden sein, sind im Kampf um die internationalen Startplätze voll dabei. Am Ende der Herbstsaison hatten wir einen guten Lauf, an den wir im Frühjahr anknüpfen wollen. Aber es gibt natürlich noch Verbesserungsbedarf.

LAOLA1: Wie hast du den Trainerwechsel im Herbst miterlebt?

Spendlhofer: Ich bin ja mittlerweile auch schon einige Zeit im Fußball-Geschäft. Da ist es eben so, dass oft Trainer gewechselt werden, daran kann man als Spieler nichts ändern. Darko Milanic hatte diese Chance in England, die er nutzen musste. Wir haben uns mit Franco Foda dann aber gut zurechtgefunden. Er hat klare Ideen und wir ziehen voll mit. Als er gekommen ist, hat er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen und dadurch Druck von der Mannschaft genommen. Foda ist ein sehr direkter Mensch – diese Linie kommt gut an.

LAOLA1: Hättest du als Italien-Experte Milanic nicht sagen können, dass er Leeds-Boss Massimo Cellino nicht trauen soll?

Spendlhofer: (grinst) Vielleicht hätte ich das tun sollen. Ich habe in Italien von Mitspielern viel über ihn gehört und auch gelesen, dass er ein bisschen verrückt ist.

LAOLA1: Wie beurteilst du deine Leistungen im Herbst?

Spendlhofer: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden und glücklich darüber, dass ich so viele Spielminuten gesammelt habe. Das war ja der Grund, aus dem ich hierhergekommen bin. Der Wechsel hat sich zu 100 Prozent ausgezahlt. Im Vorhinein hatte ich schon Zweifel, ob das der richtige Schritt ist, im Nachhinein betrachtet war er perfekt.

LAOLA1: Du hast die letzten Jahre in Italien verbracht, weißt genau, wie dort taktisch gearbeitet wird. Wie fällt der Vergleich zu Österreich aus?

Spendlhofer: Es ist schon ein Unterschied. Vom Training her wird in Österreich intensiver und härter gearbeitet, in Italien haben wir kürzer trainiert. Die Taktik ist in Italien das Nonplusultra, da wird viel mehr in taktisches Training investiert. In Österreich liegt der Fokus mehr darauf, dass man körperlich stark ist. Wobei man sagen muss, dass Sturm mittlerweile einen guten Fußball spielt. Wir spielen von hinten raus und spielen Pressing – damit kann ich mich gut identifizieren.

LAOLA1: Der österreichische Fußball macht dir also mehr Spaß als der italienische?

Spendlhofer: Er ist beweglicher, dynamischer. Jetzt, solange ich noch jung bin und laufen kann, macht das großen Spaß.

LAOLA1: Du hast vor Saisonbeginn gesagt: „Ich will, wenn möglich, keinen einzigen Ball wegschießen.“ Wieviele Bälle hast du im Herbst trotzdem wegschießen müssen?

Spendlhofer: Ab und zu ist es leider vorgekommen, dass Not geherrscht hat und der Ball einfach weg musste. Aber grundsätzlich will ich immer rausspielen. Wenn ich dabei einen Fehler mache, nehme ich das in Kauf. Ich will so spielen und mir da auch nichts dreinreden lassen.

LAOLA1: Im Herbst wurde von einigen Leuten deine Abgebrühtheit gelobt. Wieso bist du trotz deiner geringen Profi-Erfahrung am Ball schon so ruhig?

Spendlhofer: Das ist ein schönes Kompliment. Ich nehme das Ganze einfach sehr locker. Fußball ist mein Hobby, das ich zum Beruf gemacht habe. Ich mache mir keinen Druck. Mit dieser Einstellung kann man das dann so umsetzen.

LAOLA1: Michael Madl meint, du wärst ein YOLO.

Spendlhofer: Das stimmt. Ich riskiere einfach. Wenn Fehler passieren, dann passieren sie. Ich werde es trotzdem wieder machen.

LAOLA1: Was ist Michael Madl eigentlich?

Spendlhofer: Er ist mir sehr ähnlich. Fußballerisch ist er von der Veranlagung her wie ich. Er hat ein gutes Stellungsspiel, ist für einen Innenverteidiger technisch fast schon zu gut – man sieht, dass er im Mittelfeld gespielt hat. Wir verstehen uns blind – auch privat. Ich kenne ihn zwar erst seit einem halben Jahr, mir kommt es aber vor, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Manchmal versteht man sich einfach auf Anhieb gut.

LAOLA1: Ist das am Platz wichtig?

Spendlhofer: Ja! Ich hatte das noch nicht oft mit einem Innenverteidiger-Partner. Mit Florian Neuhold, mit dem ich in den Nachwuchs-Nationalteams gespielt habe, war es auch so – wir haben auf und abseits des Rasens immer gleich gedacht. Dadurch fühle ich mich wohler und sicherer.

LAOLA1: Du bist zwar erst seit einem halben Jahr in Graz, im Sommer steht aber wieder eine Entscheidung an. Wie soll es weitergehen?

Spendlhofer: Das wird eine ganz schwere Entscheidung. Mal sehen, welche Optionen es dann gibt. Ich habe noch einen Vertrag in Italien, fühle mich aber bei Sturm sehr wohl. Ich zerbreche mir momentan noch nicht den Kopf darüber, sondern will erst einmal die Herbstsaison toppen. Ich will noch besser spielen, noch weniger Fehler machen.

LAOLA1: Hast sich im letzten halben Jahr jemand von Inter Mailand bei dir gemeldet?

Spendlhofer: Es gibt bei Inter einen Beauftragten, der sich um die Leihspieler kümmert. Mit dem hat man aber eher zu tun, wenn es einem nicht so gut geht oder wenn man nicht viel zum Spielen kommt. Als ich letztes Jahr bei Varese war, haben wir alle zwei Wochen miteinander gesprochen, derzeit hören wir uns nur alle zwei Monate, weil ich ja nichts zu beklagen habe.

LAOLA1: Vorausgesetzt, du schaffst es im Frühjahr tatsächlich, noch besser zu spielen, als schon im Herbst. Wäre es dann nicht vernünftig, schon im Sommer zu schauen, in eine attraktivere Liga zu kommen?

Spendlhofer: Das wäre natürlich eine Option. Mich würde es aber auch reizen, mit Sturm international zu spielen. Ich will in meiner Karriere unbedingt einmal im Europacup spielen. Es muss also nicht auf Teufel komm’ raus eine andere Liga sein. Ich war lange Zeit bei Inter, mir liegt der Klub am Herzen – und genauso entwickelt es sich gerade bei Sturm Graz.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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