Jauk: "Höheres Toleranzlevel"

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"Gemeinsamer Wunschkandidat im ganzen Verein"

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Energisch appellierte General Manager Gerhard Goldbrich im Rahmen der Präsentation von Darko Milanic, „mit aller Konsequenz einen Schlussstrich“ unter die vergangene Saison zu ziehen. Die Stimmung im Verein sei nicht so schlecht wie zumeist kolportiert.

Gute Nachrichten konnte Sturm Graz in den vergangenen Wochen und Monaten in der Tat kaum vermelden. Die Bestellung des Slowenen zum neuen Coach wird von vielen Fans der „Blackies“ jedoch als ebensolche interpretiert.

Entsprechend genoss es Präsident Christian Jauk, der Öffentlichkeit die frohe Botschaft kundzutun. Das manchmal öffentlichkeitsscheue Vereinsoberhaupt schaltete sich diesmal laut eigener Aussage federführend in die Verhandlungen mit Milanic ein.

Dies geht nicht unbedingt Hand in Hand mit den Vereins-Strukturen – das Vorschlagsrecht des Trainers liegt bei der Geschäftsführung und nicht beim Präsidium. Jauk geht es jedoch darum zu symbolisieren, dass der gesamte Verein hinter dieser Personalentscheidung steht, wie er im LAOLA1-Interview zu verdeutlichen versucht.

LAOLA1: Wie ist es gelungen, Darko Milanic zu Sturm Graz zurückzuholen?

Christian Jauk: Die Gespräche waren eigentlich sehr kurz, er hat das immer auf den Punkt gebracht. Ich habe bemerkt, dass er von der ersten Sekunde an diesen Kitzel, diesen Reiz Sturm Graz hatte. Auf den habe ich letztlich gesetzt. Es ist uns gelungen, ihn zu holen. Ich hoffe, dass damit einerseits die Euphorie zurückgekehrt ist, er aber andererseits auch die Zeit und Geduld erhält, um das aufzubauen, was er sich vorstellt.

LAOLA1: Wie wichtig ist bei einem Sturm-Trainer der viel zitierte Stallgeruch?

Jauk: Den möchte ich weglassen, denn der ist viel zu oft zitiert worden. Dass Darko die Umgebung in Graz kennt und weiß, was Sturm Graz in Summe ausmacht – das Umfeld, die Fans, die Euphorie, die Emotionen, die natürlich auch immer in beide Richtungen gehen können, wie wir gesehen haben -, ist ein Riesen-Vorteil für ihn. Er ist kein Newcomer, sondern man kann sagen: Welcome back in deiner fußballerischen Heimat Graz!

LAOLA1: Inwieweit kann es auch ein Vorteil für ihn sein, dass die letzten zwei Jahre alles andere als nach Wunsch verlaufen sind, weil man ihm vom Umfeld her mehr Geduld entgegenbringt?

Jauk: Das ist genau die Hoffnung, die ich damit verbinde. Das war auch grundlegend für uns in der Entscheidung. Auf die Frage, warum er nicht schon vergangenes Jahr zu uns gekommen ist, sage ich immer: Vielleicht hat das alles passieren müssen, damit er heuer gekommen ist. Es hat also immer auch alles sein Gutes. Er hat sicher ein höheres Toleranzlevel, weil sein Standing durch die Zeit, die er bei Sturm Graz verbracht hat, existiert. Deshalb baue ich darauf, dass er die Geduld von allen Protagonisten, insbesondere den Fans und der Öffentlichkeit, erhält.

LAOLA1: Sie haben betont, dass Sie sich diesmal mehr in die Trainersuche eingemischt haben. Wie sehr?

Jauk: Ich habe vom ersten Augenblick an versucht, das neue Führungskonzept umzusetzen. Das heißt, dass die Geschäftsführer Sturm Graz führen und der Präsident im Hintergrund in den Kontrollorganen agiert und wesentliche Themen wie Großsponsoren wahrnimmt. Ich habe dafür viel Kritik einstecken müssen, weil das neue System noch nicht so rübergekommen ist und gegriffen hat. Manche haben gesagt: Wo ist der Präsident? Warum ist er nicht öfter in den Medien? Aber es ist richtig: Ich habe bei vielen Entscheidungen immer vertraut, das werde ich auch in Zukunft tun. Aber bei dieser Entscheidung habe ich gesagt, bin ich auf jeden Fall mit dabei, weil sie für den sportlichen Bereich der Kampfmannschaft einfach die wesentlichste ist.

LAOLA1: Das Vorschlagsrecht des Trainers liegt bei der Geschäftsführung. Dass sie aktiv mitgemischt haben, wurde öffentlich so interpretiert, dass die Geschäftsführung eine andere Trainer-Variante bevorzugt.

Jauk: Überhaupt nicht. Wir sind alle gemeinsam bei der Präsentation gesessen, und da habe ich auch zum Ausdruck gebracht: Bitte kein Interpretationsspielraum, dass man nicht vertraut, nur weil ich bei den Verhandlungen mit dabei war. Gerhard Goldbrich ist genau wie Daniela Tscherk euphorisch und begeistert von der Entscheidung. Das werden wir in Zukunft auch noch stärker nach außen tragen müssen, damit nicht immer irgendwelche Interpretationen und Gerüchte auftauchen. Da haben wir vielleicht im vergangenen Jahr ein bisschen zu wenig dagegen gehalten.

LAOLA1: Sie haben zuvor die Kritik an Ihrer Person angesprochen. Man hat das Gefühl, Sie fühlen sich oft missverstanden. Was ist aus Ihrer Sicht das größte Missverständnis?

Jauk: Das, was ich in diesem Jahr immer wieder versucht habe, zu sagen: Wir haben Geschäftsführer, eine neue Struktur, wir haben Kapitalgesellschaften – diese Rollen werden auch wahrgenommen. Ich bin häufig zu Dingen gefragt worden, die bei uns die Geschäftsführung erledigt und umgekehrt. Aber das bekommen wir hin. Ich habe auch mit Leuten von der Wiener Austria gesprochen, Veränderung geht nicht in ein paar Monaten. In der Wirtschaft ist es üblich, dass Prozesse der Veränderung länger dauern. Daher bin ich zuversichtlich. Auch wenn man sich zwischendurch ärgert, muss man einfach darüberstehen. Das gehört dazu.

LAOLA1: Mit Verlaub, ist der Vorwurf an Ihre Person nicht vielmehr, dass Sie sich oft in Dinge einmengen, die Sache der Geschäftsführung sind?

Jauk: Da haben Sie eine völlig andere Wahrnehmung. Die Kritik, die ich gehört habe, war, ich war im letzten Jahr zu wenig öffentlich präsent. Das wird auch in Zukunft so sein. Die Geschäftsführer werden nach außen den SK Sturm repräsentieren. Bei der Trainer-Präsentation war ich mit dabei, um ein klares Zeichen zu setzen und zu sagen: Das ist auf allen Ebenen und im gesamten Verein unser gemeinsamer Wunschkandidat, nicht nur jener der Fans. Das haben wir versucht zum Ausdruck zu bringen.

LAOLA1: Welche Zwischennote geben Sie dem Projekt Sturm Neu?

Jauk: Der Begriff „Sturm Neu“ gefällt mir nicht. Das ist ein Begriff, der von den Journalisten geprägt wurde. Neu ist nur die Führungsstruktur. Sturm ist immer Sturm, und das seit 104 Jahren. Die Veränderung ist jedoch notwendig, die Modernisierung schreitet voran und da sind viele Projekte in den letzten zwölf Monaten gelungen, die jetzt untergehen. Wir sind den Weg vielleicht nicht immer in der Länge und Geschwindigkeit gegangen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber wer sich nicht ambitionierte Ziele setzt, kommt nicht weiter. Das werden wir auch in Zukunft tun.

LAOLA1: Liegt es nicht auf der Hand, dass erfolgreiche Projekte untergehen, wenn die meisten entscheidenden Personalien daneben gehen?

Jauk: Das gehört dazu. Sich tagtäglich zu bemühen und vielleicht auch tagtäglich an Anforderungen zu scheitern, ist Teil dieses Lebens. Wir schauen nach vorne, das ist meine Grundeinstellung. Wir haben auf Platz sechs übernommen, haben eine Deckungslücke gehabt, sind heute auf  Platz vier, auch wenn er von der Art und Weise her nicht okay war. Aber ich gehe seit 40 Jahren auf den Fußballplatz, da habe ich größere Katastrophen als Platz vier erlebt.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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