Gludovatz: "Wieso nicht früher?"

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"Ich bin ein Mann der schnellen Entscheidungen"

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„Man kann ein Pflaster in einer Sekunde abziehen, das tut weh. Man kann ein Pflaster aber auch in fünf Minuten abziehen, das tut ebenfalls weh. Ich werde mich immer für die erste Variante entscheiden.“

So sprach’s Paul Gludovatz am Donnerstagvormittag im Rahmen seiner offiziellen Präsentation als Geschäftsführer Sport des SK Sturm. Worauf sich diese Metapher konkret bezog, blieb zu diesem Zeitpunkt ein Rätsel. Ebenso die „unpopulären Maßnahmen“, die er ankündigte.

Stunden später erscheinen diese kryptischen Bemerkungen in einem anderen Licht. Gludovatz stellte sich nicht nur als Mann der schnellen Entscheidungen dar, sondern handelte auch ebenso – und zog das „Pflaster Franco Foda“ blitzschnell ab.

Wobei bei der Ablösung des Meistertrainers auch Präsident Christian Jauk ein massives Wort mitgesprochen hat, den Stein mutmaßlich sogar ins Rollen brachte.

„Ein Wahnsinn am dritten Arbeitstag“, gibt Gludovatz zu. Im LAOLA1-Interview spricht der 65-Jährige über die turbulenten Ereignisse rund um die Foda-Entlassung beziehungsweise das neue Trainer-Team mit Thomas Kristl, Didi Pegam und Günther Neukirchner.

LAOLA1: Was war ausschlaggebend für die Entscheidung, sich von Franco Foda zu trennen?

Paul Gludovatz: Es gibt immer wieder Begründungen, und diese Begründungen können in einem negativen Licht erscheinen. Mit einem neuen Trainer-Team gibt es die Möglichkeit, vielleicht neue Impulse und neue Reize zu setzen beziehungsweise die Chance zu wahren, international tätig zu sein. Diese Chance ist geringer geworden. Wenn man es prozentuell ausdrückt, liegt sie bei 30 Prozent. Ich glaube, zu 70 Prozent wäre die Schiene Cup-Sieg möglich gewesen. Aber diese Chance mussten wir einfach wahren.

LAOLA1: Das heißt, man hat Franco Foda nicht mehr zugetraut, diese 30-Prozent-Chance über die Meisterschaft zu realisieren?

Gludovatz: Es geht nicht um zutrauen. Es geht darum, dass wir neue Wege mit einem neuen Reiz gesucht haben, und auch mit neuen Gesichtern, die jetzt nicht allein die Verantwortung tragen. Die Mannschaft wird ganz klar in die Mitverantwortung gezogen.

LAOLA1: Inwiefern war die blamable Leistung gegen Hartberg mitausschlaggebend?

Gludovatz: Ich hänge das nie an einem Spiel auf. Ich habe sogar unabhängig vom Resultat direkt nach dem Mattersburg-Spiel mit Franco Foda die Erkenntnis gewonnen, dass teilweise zu wenig Feuer da ist, teilweise von Spielern Emotionslosigkeit vorgelegen hat. Das hat auch Franco Foda selbst bestätigt, und nicht gesagt, dass es mit dem ersten Auswärtssieg Aufwind gibt. Das kaschiert vieles.

LAOLA1: Heißt das, dass der Trainer die Mannschaft ob des schon länger feststehenden Abschieds zu Saisonende nicht mehr erreicht hat?

Gludovatz: Das kann ich so nicht festhalten. Der Zeitpunkt ist jetzt in übereinstimmender Art und Weise passiert. Meine Gegenfrage müsste auch lauten: Wieso nicht früher?

LAOLA1: Sprich, man hätte sich gleich mit der Ankündigung des Abschieds trennen sollen?

Gludovatz: Ich hätte mir das insofern vorstellen können, weil ich ein Mann der schnellen Entscheidungen bin. Ich habe es schon bei der Pressekonferenz mit dem „Wund-Pflasterl“ gesagt, und die Entscheidung ist so getroffen worden.

LAOLA1: Wann genau ist die Entscheidung gereift? Unmittelbar nach dem Hartberg-Spiel?

Gludovatz: Das Präsidium ist bis 24 Uhr zusammengesessen, auch heute Mittag ist dies nachdrücklich wiedergegeben worden. Die Umsetzung habe ich übernommen – in Übereinstimmung mit der wirtschaftlichen Leitung, Christopher Houben, und mit jenen Leuten, die auch die Verantwortungsträger des Vereins sind, und das ist das Präsidium. Da geht es nicht um Weisungen.

LAOLA1: Wie schwer war es für Sie, diese Botschaft einem bisherigen Trainerkollegen beziehungsweise dem amtierenden Meistertrainer zu übermitteln?

Gludovatz: Schwer. Ohne Wenn und Aber. Sie können mir glauben, dass ich am dritten Tag meiner Amtszeit viel mehr erlebt habe als in drei Jahren Ried.

LAOLA1: So hektisch?

Gludovatz: Es war nicht hektisch, es war bestimmend und entscheidungswillig. Diese Entscheidungsfreudigkeit habe ich auch immer bewiesen, dazu bin ich aber auch befähigt, weil Präsident Jauk immer wieder behauptet, dass man mich deswegen geholt hat, weil ich solche Entscheidungen treffe.

LAOLA1: Welche Reaktion erwarten Sie von der Mannschaft?

Gludovatz: Ich habe schon mit der Mannschaft gesprochen. Das Unwort „Motivation“ verwende ich gar nicht, das zipft mich förmlich an. Motivieren muss ich mich selbst. Wenn hier jemand ein Trainer-Team oder mich braucht, um die Möglichkeiten zu erkennen, kommen wir durch Sonne, Mond und Sterne.

LAOLA1: Wie wird die Aufgabenverteilung im interimistischen Trainer-Team zwischen Thomas Kristl, Didi Pegam und Günther Neukirchner sein?

Gludovatz: Es sind drei von mir ausgesuchte Trainer da. Dem gesamten Trainer-Team steht Thomas Kristl vor, der die Letztverantwortung übernehmen wird. Das bezieht sich interimistisch auf den Trainings- und Spielbetrieb bis 17. Mai.

LAOLA1: Sie haben bei Ihrer Präsentation betont, dass Sie ein Trainer-Team suchen. Ist es ein Vorgeschmack darauf, dass nun ein Trio bestellt wurde?

Gludovatz: Ein guter Hinweis. Ja.

LAOLA1: Auch mit Teilen des nun bestellten Trainer-Teams?

Gludovatz: Das kann ich jetzt nicht sagen. Der aktuelle Zeitplan bezieht sich bis 17. Mai und nicht auf das neue Trainer-Team. Die aktuelle personelle Besetzung ist kein Zeichen für die nächste Saison – außer, dass es ein Team gibt. Wir haben heute noch ein Gespräch mit Markus Schopp, damit wir beide Teile, nämlich auch die Amateurmannschaft, miteinbeziehen.

LAOLA1: Schopp könnte also interimistischer Amateure-Trainer werden. War er kein Kandidat fürs Trainer-Team der Profis?

Gludovatz: Ich habe Markus Schopp bewusst ferngehalten, weil er ein Kandidat für das nächste Trainer-Team ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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