"Dafür quälen sie sich täglich"

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"Sind auf einem guten Weg, aber noch nicht zuhause“

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Die Wiener Austria nähert sich unaufhaltsam dem 24. Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Zehn Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf Verfolger und Titelverteidiger RB Salzburg stolze 13 Punkte.

Und die Veilchen jagen nicht nur den ersten Titelgewinn seit sieben Jahren, sondern auch den Punkterekord von Sturm Graz aus der Saison 1997/98 (81). Aktuell weist der Tabellenführer 64 Zähler auf und wird wohl zumindest seinen eigenen Klubrekord (75) definitiv brechen.

Summa summarum deutet jedenfalls vieles auf eine epische Saison für die Geschichtsbücher hin.

Doch bevor die finale Phase mit dem ultimativen Showdown gegen die Salzburger am Ostersonntag eingeläutet wird, steht eine knapp zweiwöchige Länderspielpause am Programm.

Trotz des aktuellen Laufs eine willkommene Auszeit. „Die Spiele in der Rückrunde haben Kraft gekostet. Daher kommt die Länderspielpause zur richtigen Zeit“, meint Goalgetter Philipp Hosiner.

Die Hoffnung der Konkurrenz, dass mit der Liga-Unterbrechung auch die violette Maschinerie ins Stottern gerät, lässt Alexander Gorgon im Keim ersticken:

„Wir hatten schon einige Pausen, von denen man gesagt hat, dass sie uns ungelegen kommen und immer wieder sind wir frisch aus den Startlöchern gekommen. Von daher wird das sicher kein Problem sein.“

Im LAOLA1-Interview lässt Austria-Coach die letzten Wochen Revue passieren, erklärt, wie seine Spieler mit der aktuellen Situation umgehen sollen und wirft einen kleinen Blick auf Salzburg.

LAOLA1: Das vergangene Wochenende ist für die Austria optimal verlaufen. Verfolger Salzburg hat nur Remis gespielt, ihr habt gewonnen und den Vorsprung auf 13 Punkte ausgebaut. Ich nehme an, der Trainer geht entspannt in die Länderspielpause, oder?

Peter Stöger: Wir haben in Mattersburg eine gute, sehr souveräne Leistung abgerufen. Das macht mich stolz, weil auf der Mannschaft auch Druck lastet. Die Spieler haben gewusst, dass sie den Vorsprung ausbauen können. Dann ist es nicht so einfach, die Spiele auch zu gewinnen. Wie meine Truppe aufgetreten ist, war sehr, sehr gut. Daher ist es perfekt für uns gelaufen.

LAOLA1: Sie haben den Druck angesprochen. Fans, Medien und sogar die Gegner glauben angesichts des großen Vorsprungs an einen violetten Titel. Wieviele Gefahren verstecken sich in dieser Situation?

Stöger: Wenn man sagt, dass sich alle erwarten, dass die Austria heuer Meister wird, dann hat sich in dieser Saison sehr viel getan – vor allem bei der Qualität der Spieler. Sie haben sich als Mannschaft weiterentwickelt. Jeder einzelne ist besser geworden. Jetzt heißt es, den Vorsprung heim zu bringen, zu verwalten. Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man Erfolge einfahren. Wenn man ein wirklich guter Spieler werden will, muss man solche Begegnungen wie am Sonntag gegen Mattersburg gewinnen. Und wenn man irgendwann einmal sagen will, dass man etwas erreicht hat, muss man mit dem Druck leben können. Umso früher dieser Zustand eintrifft, umso besser.

LAOLA1: In welcher Form können Sie als Trainer helfen?

Stöger:  Wenn sie in irgendeiner Form Unterstützung brauchen, können sie zum Trainerteam kommen. Manfred Schmidt, Martin Mayer, Franz Gruber und ich haben schon die eine oder andere Meisterschaft nach Hause gebracht. Wir versuchen ihnen aber sowieso permanent den Druck zu nehmen. Momentan schaut es gut aus. Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht zuhause.

LAOLA1: Gegen Mattersburg hat die Austria wieder ihr altes Gesicht gezeigt, anders als in der Woche davor gegen Neustadt. Wie wurde das 0:0 aufgearbeitet?

Stöger: Wir hatten in Neustadt nicht unseren besten Tag. Es war dort auch nicht einfach zu spielen. Wir haben aber unter der Woche die eine oder andere Geschichte angesprochen. Nicht bösartig, denn in unserer Situation kann man zivilisiert diskutieren, ohne dass jemand böse ist. Die Unterredung hat gegriffen. Das Verhältnis zwischen Trainern und Spielern ist sehr gut. Sie wissen, dass wir sie bestmöglich unterstützen, damit irgendwann einmal auf ihren Autogrammkarten ein Meistertitel aufscheint.

LAOLA1: Und das mit der Meisterschaft könnte schon sehr bald der Fall sein. Ihr habt 13 Punkte Vorsprung und seid seit 17 Spielen ungeschlagen. Kann man sich am Weg zum Titelgewinn nur noch selber schlagen?

Stöger:  Möglich. Es kann sein, dass wir in ein Loch fallen und Salzburg sehr viele Punkte holt. Möglicherweise können wir mit dem Druck nicht leben, wenn etwas passiert. Aber ich kann diese Dinge nicht vorhersehen. Ich kann nur dann reagieren, wenn etwas nicht funktioniert. Momentan schaut es gut aus. Im Sommer war unser Ziel, um die Champions-League-Plätze zu spielen. Wir sind davon ausgegangen, dass der erste Platz für die Salzburger reserviert ist. Wir wollten einfach da sein, wenn die Salzburger patzen. Dann waren wir im Winter sieben Punkte vorne. Und diesen Vorsprung wollten wir im Frühjahr ausbauen. Für diese Aussage haben uns einige auch nicht für ganz dicht gehalten. Doch es ist gelungen. Jetzt sind wir in einer Situation, wo wir vielleicht vieles verlieren können, aber ich denke, die Champions-League-Quali  haben wir schon fixiert.

LAOLA1: Salzburg-Trainer Roger Schmidt war nach eurer Nullnummer in Neustadt und seinem gleichzeitigen Last-Minute-Sieg  in Innsbruck noch froh, dass „die Austria auf unseren Planeten zurückgekehrt ist“. Seid ihr jetzt wieder „abgehoben“?

Stöger: Diese Aussage habe ich nicht mitbekommen. Wir sind sicher keine Überdrüber-Mannschaft, sondern eine Mannschaft, die solide an ihren Stärken arbeitet und viel für einen Sieg investiert. Das zeichnet uns aus. Wenn wir einmal Tage haben, wo es nicht so gut funktioniert, sieht man, dass wir auch nur Unentschieden spielen können. Die Spieler haben sich im Laufe der Saison gut entwickelt. Der große Unterschied ist aber, dass wir eben sehr viel für den Erfolg arbeiten. Das zeigt sich im Aufwand bzw. in der Leistungs- und Laufbereitschaft. Das ist sehr erfreulich, denn dafür quälen sie sich auch jeden Tag.

LAOLA1: Markus Suttner, Alexander Gorgon, Florian Mader und Alexander Grünwald wären bei einer weiteren Gelben Karte im Schlager gesperrt gewesen, wurden jedoch nie mit dem Hintergedanken an das Salzburg-Spiel geschont.

Stöger: Es ist unser Grundgedanke, nicht alles auf die Partie gegen Salzburg zu fokussieren. Für uns ist jedes Spiel wichtig. Wir haben diesen Vorsprung nicht im direkten Duell gegen Salzburg herausgeholt – da haben wir in zwei Spielen nur einen Punkt geholt – sondern weil wir gegen die anderen Teams unsere Zähler gemacht haben. Daher waren die Duelle gegen Neustadt und Mattersburg genauso wichtig, wie der Schlager am Ostersonntag. Und deswegen wollten wir niemand schonen, oder haben gesagt, sie sollen nicht in Zweikämpfe gehen. Ich wäre nur ein bisschen böse gewesen, wenn sich einer von den Vier eine Verwarnung wegen Unsportlichkeit oder Kritik eingefangen hätten. Denn wegen so einer Aktion eine Gelbe Karte zu bekommen, taugt mir überhaupt nicht.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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