"Motivation, was rund um Titel in Graz abgegangen ist"

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Sturm gegen Rapid – die Heimmacht der Liga trifft auf das beste Auswärtsteam.

In einer Meisterschaft, in der sich zumindest auf dem Papier mehr als die Hälfte der Vereine im Titelkampf befindet, kommt direkten Duellen natürlich eine besondere Bedeutung zu.

In Graz wächst aktuell das Selbstvertrauen. Trotz gravierender Probleme im Herbst sind die Chancen des amtierenden Champions auf eine Titelverteidigung voll intakt.

Im Unterschied zur Hinrunde sind die Verletzungssorgen aktuell gering, einige Schlüsselspieler haben eine komplette Vorbereitung in den Beinen.

Im LAOLA1-Interview spekuliert Joachim Standfest folglich damit, dass die „Blackies“ die steirische Landeshauptstadt erneut in einen ähnlichen Ausnahmezustand wie im Mai 2011 versetzen könnten.

Zudem erläutert der 31-Jährige die Unterschiede zum Herbst, sieht bei Rapid keine Krise und spricht über seine offene Zukunft bei Sturm beziehungsweise Pläne nach dem Karriereende.

LAOLA1: Mit Rapid kommt der Tabellenführer zur Heimmacht Sturm. Wie richtungsweisend ist diese Partie?

Joachim Standfest: Heimspiele gegen Rapid sind von vornherein immer etwas Besonderes, da geht es gar nicht so sehr um die Tabellensituation. Für uns ist es natürlich ein extrem wichtiges Spiel. Mit einem Sieg könnten wir gleichziehen. Wir hätten dann im Prinzip alle Punkte, die uns schon gefehlt haben, aufgeholt. Wenn wir diese Partie gewinnen, wäre es ein Riesen-Vorteil für uns.

LAOLA1: Die Verletzungssorgen sind geringer, in den ersten beiden Spielen wirkte Sturm kompakter. Habt ihr das Gefühl, dass im Frühjahr einiges gehen könnte?

Standfest: Wir hoffen natürlich, dass unsere Formkrise im Herbst mit den vielen Verletzten in Zusammenhang stand, beziehungsweise damit, dass viele Spieler spät gekommen sind und noch nicht wirklich in die Mannschaft integriert waren. Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Das war der Hauptgrund, warum wir uns stark verbessert gezeigt haben. Wir hoffen natürlich, dass es so bleibt.

LAOLA1: Inwiefern steigt das Selbstvertrauen, wenn man trotz aller Probleme aus dem Herbst vorne mit dabei ist. Das ist doch ein Zeichen von Qualität, oder?

Standfest: Das auf jeden Fall. Es war zwar viel Glück im Spiel, dass wir dran geblieben sind, denn normalerweise setzen sich zwei, drei Mannschaften ab. Es ist ja eher ungewöhnlich, dass keine Mannschaft durchstartet. Alle großen Mannschaften hatten Probleme - das war unser Glück.

LAOLA1: Im Herbst hat Sturm 28 Gegentreffer kassiert. Eine Statistik, die dich als Abwehrspieler natürlich betrifft. Inwiefern hat Franco Foda Wert darauf gelegt, dass ihr wieder kompakter steht? Dies war im Meisterjahr bekanntlich eine Stärke…

Standfest: Wir haben sicherlich ein Hauptaugenmerk darauf gelegt. Man hat in den ersten beiden Spielen schon gesehen, dass sich einerseits vieles von selbst gelöst hat, wir uns andererseits auch einiges erarbeitet haben. Im Endeffekt war es so: Milan Dudic ist relativ spät gekommen, wir haben in der Verteidigung immer wieder Verletzte gehabt und praktisch nie mit der gleichen Viererkette gespielt. Auch das zentrale Mittelfeld, das diesbezüglich sehr wichtig ist, musste immer wieder geändert werden. Das sind viele Kleinigkeiten, die dann zu großen Problemen führen. Wir sind zudem für sehr vieles bestraft worden, was in der vergangenen Saison noch nicht der Fall war.

LAOLA1: Der Hinweis auf das zentrale Mittelfeld ist kein uninteressanter. Im Herbst konnten Manuel Weber und Jürgen Säumel nur selten gemeinsam auflaufen…

Standfest: Wenn beide fit und nur ein bisschen in Form sind, gibt es in Österreich kein besseres zentrales Mittelfeld. Da wird man schwer jemanden finden.

LAOLA1: Rapid ist noch nicht wirklich in Form. Ein Gegner, der so gesehen gelegen kommt? Oder sind angeschlagene Gegner besonders gefährlich?

Standfest: Ich weiß nicht, ob sie wirklich angeschlagen sind. Sie hatten zuletzt das Problem, dass sie kein Tor gemacht haben, aber das kann mit einem Erfolgserlebnis wieder anders sein. Mir ist aufgefallen, dass sie in der Defensive ebenfalls sehr kompakt stehen. Sie sind seit elf Spielen ungeschlagen. Das ist eher eine Mediengeschichte, dass sie eine Krise haben. In Wiener Neustadt hat jeder einen Sieg erwartet. Die haben sich hinten reingestellt, dann wird es dort für jeden schwer, das haben wir vergangenes Jahr auch erlebt. Und in einem Derby kann immer alles passieren. Zwei Runden sind noch wenig aussagekräftig.

LAOLA1: Dein Vertrag läuft am Ende der Saison aus? Hast du mit Sturm schon bezüglich einer Verlängerung gesprochen?

Standfest: Noch nicht. Ich habe sowieso eine Option im Vertrag. Wenn der Verein verlängern will, ist es also eine Formsache. Ich denke, der Verein hat momentan andere Sorgen, die wichtiger zu klären sind.

LAOLA1: Kann Sturm ohne die Schwierigkeiten aus dem Herbst bis zum Schluss im Titelrennen bleiben?

Standfest: Auf jeden Fall. Die Qualität in der Mannschaft ist sicher da.

LAOLA1: Glaubst du auch, dass es eine Wiederholung des Titels geben könnte?

Standfest: Daran glaube ich auf jeden Fall. Es wird jetzt immer enger. Wer die Punkte macht, wird sich durchsetzen. Ich glaube aber auf jeden Fall daran, dass wir mit unserer Mannschaft vorne mit dabei sein können.

LAOLA1: Vergangene Saison hieß es immer wieder, dass Sturm Meister wurde, weil die Gegner ausgelassen haben. Ist es eine zusätzliche Motivation zu beweisen, dass der Titel kein Zufall war?

Standfest: Das ist keine Motivation, denn es gibt keinen Zufalls-Meister. Wenn du nach 36 Runden vorne bist, bist du klar besser, dann ist es kein Zufall. Eine Motivation ist eher, was voriges Jahr während der letzten Wochen der Meisterschaft und nach dem Titelgewinn in Graz abgegangen ist. Das wollen wir alle noch einmal erleben.

LAOLA1: Das heißt, es gilt auf den Geschäftsführer Sport zu warten…

Standfest: So ist es. Ohne den wird es wohl keine Entscheidung geben. Der Trainer für die kommende Saison steht auch noch nicht fest. Bevor da keiner seine Vorstellungen abgeben kann, werden sie kaum Verträge verlängern. Aber ich bin lange genug dabei, dass mich so etwas nicht wirklich berührt.

LAOLA1: Du wirst im Mai 32. Ein Alter, in dem man bereits an die Zeit nach der Karriere denkt?

Standfest: Sicher, alles andere wäre ein Kapitalfehler, den vielleicht früher einige Spieler begangen haben. Aber ich glaube nicht, dass es in der jetzigen Generation viele betrifft, dass sie von einem auf den anderen Tag nicht wissen, was sie tun sollen. Da gab es in den vergangenen Jahren genug abschreckende Beispiele.

LAOLA1: In welche Richtung gehen deine Pläne? Wird man dich auf der Trainerbank erleben?

Standfest: Den Trainerschein mache ich einmal. Ich bin im Kurs für die Bundesligaspieler. So richtig vorstellen kann ich mir ein Dasein als Trainer noch nicht, aber das sagen eigentlich alle Kicker. Im Mai habe ich die Prüfungen. Dann habe ich mit 32 Jahren endlich eine Berufsausbildung… (lacht)

Das Gespräch führte Peter Altmann

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