"War nie vom Ausland besessen"

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"Bin zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist"

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Joachim Standfest befindet sich im Spätherbst seiner Karriere.

Gemeinsam mit dem WAC schwebt der 34-Jährige dabei auf Wolke sieben.

Aktueller Tabellenführer der Bundesliga, erster Kärntner Fußballklub, dem dieses Kunststück gelungen ist.

„Unser Lauf ist ja nicht nur für alle anderen überraschend, sondern auch für uns“, gesteht der erfahrenste Spieler der Bundesliga.

Wohin die Reise führen wird, kann und will der Rechtsverteidiger nicht sagen. Im LAOLA1-Interview spricht der Steirer dafür über die neue Situation bei den „Wölfen“, erklärt, wie sein eigentlicher Plan gewesen wäre, und macht sich Gedanken über seine Zukunft.

LAOLA1: Joachim, du kennst bestimmt das Lied „Dream a little dream“. Der Titel passt doch wohl perfekt zum Höhenflug des WAC?

Joachim Standfest (lacht): Ja, das kann man so sagen. Es ist tatsächlich ein bisschen wie im Traum. Aber ich glaube, wir haben uns den ersten Tabellenplatz aufgrund unserer Leistungen in den ersten zehn Runden auch verdient.

LAOLA1: Wie sieht für dich das Ende des Traums aus?

Standfest: Das weiß ich nicht. Unser Lauf ist ja nicht nur für alle anderen überraschend, sondern auch für uns. Wir haben schon ein bisschen spekuliert, dass wir eine gute Rolle spielen werden, aber Tabellenführer nach zehn Runden… Das ist natürlich sensationell. Noch ist es aber zu früh, unsere Ziele zu ändern, nach oben zu stecken. Es kann noch so viel passieren.

LAOLA1: Wie lautet denn die aktuelle Zielsetzung?

Standfest: Wir wollen eine bessere Platzierung als in der vergangenen Saison erreichen – sprich im guten Mittelfeld landen. Darüberhinaus möchten wir den WAC in der Bundesliga weiter etablieren. Der Verein soll eine fixe Größe in Österreich werden.

LAOLA1: Du bist ein alter Hase, kennst das Gefühl im Rampenlicht zu stehen. Wie gehen die anderen, die diesen Umstand nicht so gewöhnt sind, damit um?

Standfest: Nach den ersten Runden ist das Selbstvertrauen enorm groß geworden. Da haben wir uns vielleicht ein bisschen ablenken lassen und sind gegen Wiener Neustadt gleich einmal bestraft worden. Wir haben aber einen sehr guten Trainer, der auf so etwas achtet. Jeder weiß bei uns, woran er ist. Das funktioniert ganz gut.

LAOLA1: Fußball spielt sich im Kopf ab, mit Selbstvertrauen gehen die Dinge wesentlich einfacher. Das beste Beispiel in eurem Fall war die Admira-Partie, die man schlussendlich noch gewonnen hat. Das sind doch die besten Voraussetzungen für einen weiterhin positiven Saisonverlauf.

Standfest: Ja, aber der Grat zwischen Selbstvertrauen und Überheblichkeit ist auch sehr gering. Man kann es also so oder so sehen. Aber klar hilft uns das Selbstvertrauen weiter. Das hat man im Spiel gegen die Admira gesehen. Wenn wir in einer Drucksituation gewesen wären, hätten wir in der Schlussphase bestimmt nicht mehr so nach vorne gespielt. Doch man hat gesehen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Stehst du hinten drinnen, machst du es nicht und nimmst den Punkt mit. Doch wir haben momentan das Selbstvertrauen, dass wir das Risiko eingehen und werden belohnt.

LAOLA1: Während die meisten Bundesliga-Klubs bei der Kaderzusammenstellung im Sommer junge Spieler geholt haben, hat der WAC speziell auf routinierte Leute gesetzt. Ist das ein Mitgrund für den Erfolgserlauf?

Standfest: Ganz klar, ja. Speziell zu Beginn der Meisterschaft, wo man sich erst finden muss, ist es wesentlich leichter, wenn man Spieler besitzt, die diese Situation schon kennen. Und auch während einer Partie spielt die Erfahrung eine wesentliche Rolle.

LAOLA1: Trainer Didi Kühbauer wird immer wieder gerne als der große Motivator bezeichnet. Doch angesichts seiner Erfolge bei der Admira und jetzt beim WAC wird da wohl mehr dahinterstecken. Was ist sein Erfolgsrezept?

Standfest: Das liegt doch auf der Hand. Dass er nur zu gerne in eine Schublade gesteckt wird, war doch schon in seiner aktiven Zeit der Fall. Er leistet einfach tolle Arbeit. Er hat die Mannschaft als Tabellenletzter übernommen. Jetzt sind wir ganz oben. Das zeigt, dass er die Qualität bei jedem einzelnen herausholen kann. Dass wir gut funktionieren, auch die schnelle Integration der Neuen, ist ein großer Verdienst des Trainers.

LAOLA1: Schweißt es noch mehr zusammen, wenn man so eine kritische Phase, wie es letzte Saison war, so stark meistert?

Standfest: Jede Extremsituation schweißt zusammen. Wenn du lange hinten drinnen steckst und dich am Schluss rettest, gibt es dir einen Schub. Unsere Vorbereitung war wirklich nicht gut. Doch mit dem ersten Liga-Spiel ist uns praktisch der Knoten geplatzt. Das Team ist von Spiel zu Spiel mehr zusammengewachsen.

LAOLA1: Zu dir persönlich. Warst du überrascht, dass du nach deiner KSV-Zeit noch einmal den Weg in die Bundesliga geschafft hast?

Standfest (lacht): Es war ja eigentlich der Plan, mit Kapfenberg wieder in die Bundesliga zu kommen. Obwohl wir damals eine sehr gute Truppe hatten, ist es total in die Hose gegangen. Wir hatten einen katastrophalen Start, haben uns erst Mitte Herbst gefangen. Es wäre schon Qualität vorhanden gewesen, doch wir haben die ersten Runden so verhaut, dass wir nicht mehr nach vorne gekommen sind.

LAOLA1: Du machst weiterhin in jedem Spiel deine Meter. Du wirkst spritzig wie eh und je, fungierst als Vorbereiter und wie zuletzt gesehen als Vollstrecker.

Standfest: Ich habe das große Glück, dass ich körperlich noch sehr gut beisammen bin. Das war ich eigentlich immer und das habe ich mir Gott sei Dank erhalten. Zudem ist man im Alter gescheiter, als als Junger. Wenn ich mit 20 so viel über den Fußball gewusst hätte wie jetzt, dann wäre wahrscheinlich ein bisschen mehr drinnen gewesen. Doch zu dieser Erkenntnis muss jeder selber kommen.

LAOLA1: Was meinst du genau mit: ich bin gescheiter geworden?

Standfest: Damit meine ich einfach die Erfahrung. Ich bin in vielen Situationen ruhiger. Am Anfang einer Karriere hat man eine gewisse Leichtigkeit – wenn das gut funktioniert, stellen sich die Gegner darauf ein. Dann hast du einen…  - nennen wir es nicht Durchhänger, aber du musst dir wieder etwas Neues einfallen lassen. Und so entwickelst du dich über die Jahre weiter. Bei mir hat es sich gut entwickelt (lacht).

LAOLA1: Du bist 34 Jahre alt, dein Vertrag beim WAC läuft bis 2016. Ganz direkt gefragt: Ist danach Schluss?

Standfest: Grundsätzlich schon. Ich war ja schon nach dem Kapfenberg-Gastspiel kurz vor dem Ausscheiden. Irgendwann wird es dann Zeit. Dann sollte auch jemand kommen, der besser ist als ich (lacht). Man soll nie nie sagen, aber es ist geplant, dass nach den zwei Jahren Schluss ist.

LAOLA1: Wenn man jetzt schon ein bisschen zurückblickt: Bist du traurig, dass du nie ins Ausland gegangen bist?

Standfest: Ich bin überhaupt nicht traurig. Ich hätte ja auch ein paar Mal die Möglichkeit gehabt, ins Ausland zu gehen. Aber mir waren andere Sachen immer wichtiger, als meine eigene Karriere. Das war nicht nur am Schluss so, sondern das war immer so. Ich war auch nie davon besessen, außerhalb von Österreich zu spielen. Für einen richtig großen Klub hätte es  wahrscheinlich sowieso nie gereicht. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist.

LAOLA1: Meinst du mit „wichtiger als meine Karriere“ deine Familie?

Standfest: Die steht immer im Vordergrund. Das war ja auch ein großes Thema bei meinem Wechsel von der Austria zu Sturm. Über die Familie sollte man nichts drüberstellen. Und Gott sei Dank war das für mich auch immer so.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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