'Vergesst Scouting wie vor 20 Jahren, das ist Träumerei'

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Scouting in Österreich – ein leidiges Thema.

Im Vergleich zu anderen Ländern wird immer offensichtlicher, dass in diesem Bezug in den vergangenen Jahren einiges verschlafen wurde.

Beim SK Rapid weht seit Sommer immerhin ein neuer Wind. Mit Bernard Schuiteman, der Erfahrung bei Twente Enschede mitbringt, als Chefscout soll die Sichtung potenzieller Spieler strukturell auf eine neue Ebene gehoben werden.

Publizitätsgeil zu sein, ist nicht die Welt des 41-jährigen Niederländers, der schon vor Jahren in Niederösterreich sesshaft wurde. Obwohl viele Außenstehende oftmals ein nicht vorhandenes Scouting bei Rapid anprangern, konzentriert sich der Ex-Profi mit seinem Team auf die Arbeit im Hintergrund.

„Bitte vergesst Scouting wie vor 20 Jahren! Sprich, man fährt irgendwo hin und hat eine Perle entdeckt, wo man der einzige auf der Tribüne war. Die Zeiten sind echt vorbei. Das ist vielleicht auch noch die Träumerei von Fans“, nimmt der Verantwortliche Stellung.

LAOLA1 stand Schuiteman als erstem Medium Rede und Antwort, wie das Rapid Scouting-System aufgebaut ist, auf was es zu achten gilt und inwieweit man eingeschränkt ist.

Auch über Vorbilder, messbare Erfolge, den österreichischen Markt und Versäumnisse bei Rapid gibt der SCR-Chefscout Interessantes preis.

LAOLA1: Wie hast du dich bei Rapid eingelebt und was waren die ersten Schritte als Chefscout seit deinem Amtsantritt Anfang Juni des Vorjahres?

Bernard Schuiteman: Seit Sommer war es einer meiner Schwerpunkte, dass wir Jugend- und Profi-Scouting vermischen bzw. Durchgängigkeit haben. Früher war das getrennt. Es gibt natürlich Spieler, die man in der U17 oder U18 sieht, und die dann plötzlich in den Profibereich übergehen. Wenn man da nicht zusammenarbeitet, geht der irgendwo verloren. Ganz wichtig ist, dass wir einheitlich denken und durchgängig arbeiten. Es wäre ewig schade, wenn man diesen Informationsaustausch abhackt.

LAOLA1: Dein erster Kontakt mit Rapid war 1996 im Europacup-Semifinale im Dress von Feyenoord Rotterdam mit weniger schönem Ausgang. Welche Erinnerungen hast du daran und wie hat sich die Beziehung zum jetzigen Arbeitgeber über die Jahre entwickelt?

Schuiteman: Sportlich war es auf österreichisch gesagt „oasch“. Aber mir hat Rapid immer schon gefallen, da es ein ähnlicher Verein wie Feyenoord war – ein Volksklub mit vielen Fans. Beide sind in den letzten Jahren nicht mehr Meister geworden, aber von der Geschichte und der Fanbase ist es eigentlich der größte, bodenständige Verein. Man schaut auch immer, wo Klubs, gegen die man mal gespielt hat, geblieben sind.

1996 duellierte sich Schuiteman mit Rapids Co-Trainer Jancker

LAOLA1: Wie sind der Kontakt und das Chefscout-Engagement konkret zustande gekommen?

Schuiteman: Ich hatte schon von Helmut Schulte einen Anruf bekommen. In der Scouting-Szenerie kennt man sich. Ich war für Twente in Österreich und Tschechien tätig. Schon damals habe ich angedeutet, dass ich bei Twente nicht ganz zufrieden war. Ich war hier, habe meine Berichte und Beobachtungen gemacht und bin einmal in drei Monaten zu Sitzungen hinübergeflogen. Ich hatte nicht diesen direkten Bezug wie jetzt bei Rapid. Hier sitze ich im Büro und frage Andi (Anm.: Müller), wie wir die Dinge anpacken und abstimmen. Das ist mir abgegangen. Als ich Rapid zugesagt habe, war das keine Entscheidung gegen Twente, sondern viel mehr für die Funktion, mehr gestalten und aufbauen zu können. Dafür hatten sie Verständnis, sie waren auch sehr zufrieden mit mir. Wir haben uns dann ausgemacht, dass ich den Vertrag bis 30. Mai 2015 noch erfülle, das beißt sich aber nicht mit Rapid.

LAOLA1: Wäre es möglich, für zwei unterschiedliche Vereine gleichzeitig zu scouten?

Schuiteman: Naja, ideal ist es nicht. Aber Twente war und ist in der Lage, in einem gewissen Transfersummen-Bereich Leute zu holen, in dem sich Rapid im Moment nicht befindet. Man fischt dann in verschiedenen Teichen.

LAOLA1: Wie sieht das Anforderungsprofil an dich aus, was sind konkret deine Aufgaben?

Schuiteman: Viele Leute denken, dass alles vom Scout ausgeht und er bestimmt, wo er hinfährt. Ich habe einen anderen Zugang: Es fängt an mit dem Verein, der steht ganz oben. Was braucht der Verein? Mit welchem Budget, welche Spieler, welche Typen? Wir haben einen Österreicher-Topf, können nur eine gewisse Anzahl an Ausländern holen. Der Verein bestimmt. Anhand dessen kann ich planen, Schwerpunkte setzen, wo wir vor Ort sein müssen und wo eher nicht. Wir haben ein gewisses Budget und eine gewisse Personalmenge. Ich kann zwar zu Gladbach gegen Freiburg fahren, sehr interessant, aber nicht für den Verein. Politik, Budget, Finanzen, Charaktere und Historie, was immer schon gut funktioniert hat, bestimmen, wo wir schauen müssen.

LAOLA1: Wie ist das Scouting-Team Rapids strukturiert, wer gehört diesem an?

Schuiteman: Anton Herzog und Fritz Riedmüller waren schon hier und sind erfahrene, gute Scouts. Ich bin der einzige Hauptberufliche, der von morgens bis abends immer erreichbar und auf Achse ist. Das mache ich gerne. Dazu kommen zwei Jungs aus dem Jugend-Scouting, die ich ab und zu einsetzen kann. Die sind auch berufstätig, aber insgesamt decken wir viel ab. Mir ist wichtig, dass man über Spieler immer verschiedene Meinungen bekommt. Wenn einer interessant werden könnte, brauche ich eine zweite und dritte Meinung. Das muss ich in der Planung berücksichtigen. Das ist dann eine bessere Grundlage.

LAOLA1: Inwieweit beschränkt sich das auf Österreich, inwieweit auf andere Länder?

Schuiteman: Zwei Drittel des Kaders müssen aus Österreichern bestehen, dazu kommen Amateure und Jugend. Wenn man den ganzen Verein betrachtet, sind zwischen 90 und 95 Prozent Österreicher. Der logische Verstand bestimmt dann den Schwerpunkt. Andere Klubs wie Salzburg sind nicht auf den Österreicher-Topf angewiesen, die könnten theoretisch 20 Ausländer haben. Das ist ein anderes Scouting-Gebiet als unseres. Klar kennen wir auch die interessanten Spieler in den Ländern rundherum, die werden auch weiterhin verfolgt.

Schuiteman spielt im Jahr 2000 in Österreich für den GAK

LAOLA1: Kann man Spieler ab zwölf Jahren trotzdem schon so bewerten, oder erst ab 16?

Schuiteman: Das ist eine gute Frage. Wir reden zwar mit den Jugend-Scouts, aber bis zum Akademiebereich in Wien und Umgebung muss ich ehrlich gestehen, weiß ich nicht, wer am Zettel steht. In der U12 ist es noch relativ einfach, wenn es einen Kracher gibt, der jede Woche sechs Tore schießt. Da sind die Unterschiede noch groß, später ist Auge gefragt, bei Ballbesitz, Ballverlust, Schaltmomenten und Charakter. Dann geht es darum, auch mit Trainern, die mit ihm gearbeitet haben, zu reden. Netzwerk-Pflege ist sehr wichtig, es ist nicht nur hin- und zurückfahren.

LAOLA1: Wieviel wird mit Videoanalyse gearbeitet?

Schuiteman: Im Profibereich ist das sehr viel im Einsatz, aber eher unterstützend. Man bekommt auch einmal Hinweise, schaut sich Bilder an, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Aber man muss ihn auch live sehen. In Videos sieht man immer, wo der Ball ist, ich schaue aber gerne auch abseits davon, gerade beim Aufwärmen bekommt man einen Eindruck.

LAOLA1: Wie hat das Scouting bei Rapid ausgeschaut, bevor du gekommen bist?

Schuiteman: Es war sehr darauf bezogen, was der Scout empfiehlt. Ich will, dass wir mehr im Team arbeiten und gemeinsam dann Andi Müller einen Spieler präsentieren. Wenn er sagt, das passt nicht oder sie haben einen anderen Spieler, ist das kein Problem. Aber wir müssen mit fundierten Belegen kommen und sagen: Jetzt müssen wir zuschlagen!

LAOLA1: Bei deinem Amtsantritt wolltest du mehr Struktur reinbringen. Ist das geglückt?

Schuiteman: Ich wurde bei Rapid gefragt, ob ich Chefscout werde, aber „Burli“ Herzog und Riedmüller habe ich sofort zu verstehen gegeben, dass ich kein „Chef“ sein will. In Österreich wird „Chef“ gleich hierarchisch mit jemand Höherem und Älterem verbunden. Nein, ich habe Fußball auch nicht erfunden. Bei mir steht halt Chef auf der Visitenkarte, ich muss aber einteilen und kommunizieren. In Absprache mit Andi Müller habe ich eine Art Strategie entwickelt, wo wir hinwollen, wo die Schwerpunkte sind. Vielleicht habe ich die Planung ein bisschen straffer und moderner gemacht.

LAOLA1: Hattest du, seitdem du bei Rapid bist, schon bei Transfers die Finger im Spiel?

Schuiteman: Ich hatte schon vor meinem offiziellen Beginn am 1. Juni 2014 Kontakt mit Andi und meine Meinung zu Namen, die im Sommer gekommen sind, mitgeteilt. Es ist aber nicht wichtig, ob ich oder wer anderer mehr empfohlen hat. Ich mag Aussagen wie „Den habe ich gebracht“ nicht. Wir wollen die richtigen Spieler holen. Wenn dann einer um fünf Millionen geht, freuen wir uns.

LAOLA1: Von außen werden immer wieder Stimmen laut, ob Rapid überhaupt ein Scouting hat. Ist es nicht negative Publicity, wenn man es nicht nach außen kommuniziert?

Schuiteman: Als Scout ist das mein erstes Interview. Wenn man publizitätsgeil ist, darf man kein Scout werden. Bei der ersten Sitzung bei Twente hat ein älterer Scout gemeint: „Mal schauen, ob du durchhältst.“ Ich wusste nicht, was er meint. Erst im Laufe der Zeit habe ich mitgekriegt, dass viele einsteigen, auch Ex-Spieler, und schnell wieder aufhören. Wenn man es richtig machen will, kann es zermürbend sein. Man ist oft unterwegs, muss es mit zuhause arrangieren oder wo übernachten. Es ist nicht nur Europa League, VIP-Klub und ein Glaserl Wein. Nein, es ist auch manchmal kalt, Regen und man steht irgendwo. Scouting ist fast ein eigener Lifestyle, man muss sehr flexibel sein.

LAOLA1: Mit Huspek, Tomi und Nutz sind schon drei Spieler für die nächste Saison verpflichtet worden. Kritisch beäugt wurde der Transfer des 30-jährigen Spaniers, der die Frage aufwarf, ob man in der großen weiten Fußballwelt nicht einen besseren scouten konnte. Was hältst du davon?

Schuiteman: Eine sehr gute Frage! Wer das entscheidet, ist nicht relevant. Wir alle glauben, dass Tomi mit seiner Art und seinem Alter wertvoll sein kann. Manche Neuzugänge kommen mehr vom Scouting, andere zur Hälfte vom Trainerteam. Wir scouten auch in Österreich, sind jedes Wochenende bei mehreren Spielen. Ich weiß schon, was ihr denkt: Wir kennen die Bundesliga und die Erste Liga doch! Und trotzdem: Wo waren Cican Stankovic, Philipp Zulechner, Konstantin Kerschbaumer oder Stefan Stangl vor eineinhalb Jahren? Sie müssen ja irgendwo herkommen. Wir müssen es erkennen, um einen Informationsvorsprung zu haben und langsam Kontakt aufzunehmen. Auch in den zweiten Teams der Regionalliga gibt es interessante Jungs, die wir kennen müssen.

LAOLA1: Rapid hatte eine Tradition von Spielern aus Nachbarländern, wie zb. Tschechien mit Antonin Panenka, Rene Wagner oder Marek Kincl. Gibt es heutzutage auch noch Länder, die besonders interessant sind?

Schuiteman: Kroatien etwa, da gibt es viele Talente. Vereine wie Dinamo Zagreb sind sehr groß, aber darunter gibt es ordentliche Klubs. Auch in Slowenien und Ungarn. Die müssen wir im Auge haben und verfolgen. Einmal sehen, ist kein Scouting. Bei einer Präsentation vor dem Präsidium habe ich als erstes gesagt: Bitte vergesst Scouting wie vor 20 Jahren! Sprich, man fährt irgendwo hin und hat eine Perle entdeckt, wo man der einzige auf der Tribüne war. Die Zeiten sind vorbei. Das ist vielleicht auch noch die Träumerei von Fans, die meinen, ich soll mal da und dort hinfahren. Alles ist abgedeckt! Auch in den 2. Ligen, doch selbst dort holen sich zb. Honved und Ferencvaros Spieler. Man muss zur richtigen Zeit da sein.

LAOLA1: Basel-Chefscout Ruedi Zbinden hat bei uns erzählt, dass es zur Gewohnheit geworden ist, Nachwuchsturniere zu besetzen, den Weg der Spieler danach zu verfolgen und dann zuzuschlagen. Kommt das für Rapid auch in Frage?

Schuiteman: Obwohl wir bei Twente verglichen haben, welche Spieler unter und über 17 Jahren – teils schon für viel Geld – geholt wurden, ist es erfahrungsgemäß eine Lotterie. Es ist sicher interessant, aber Rapid gibt das Budget vor, was gegen ein Nachwuchsturnier in Südamerika und vielleicht ein Talent aus Paraguay spricht. Ich freue mich für Basel, aber die haben zb. 2,5 Millionen Euro für den 19-jährigen Ägypter Mohamed Salah, der sie erst am letzten Tag überzeugt hat, hingeblättert. Klar ist er dann explodiert, aber es ist auch Risiko.

LAOLA1: Inwieweit kann man Erfolg vorhersehen und eingrenzen, inwieweit spielt Glück eine Rolle?

Schuiteman: Das ist eine interessante Sache. Selbst wenn wir sagen, scoutingtechnisch alles richtig zu machen, zu filtern und zu beobachten, kann es schiefgehen. Andere Vereine, ohne Scouting, schauen nur auf transfermarkt.at und können einen Volltreffer landen. Wir glauben schon, dass die Fehlerquote mit Scouting auf Dauer gesehen niedriger ist. Aber das sind schon ein paar hunderttausend Euro. Es gibt keine Garantie, auch wenn Alter, Preis, Informationen sowie Charakter passen und wir mit ihm geredet haben. Wir haben mit Menschen zu tun.

LAOLA1: Wie funktioniert die Datenerfassung momentan und handelt es sich dabei um eine Datenbank der neuesten Generation?

Schuiteman: Wir haben ein System, das schon mit anderen Tools in der Jugend benützt wurde und als Scoutingtool mit Bewertungen und Beobachtungen dient. Wir haben das einfach weitergeführt. Nach einer Filterungsphase bleiben ein paar Namen übrig, die wir dokumentieren und gezielt verfolgen. Meine Scouts wissen Bescheid, welche Spieler auf der Liste stehen und müssen über diese einen Bericht schreiben, der in die Datenbank eingepflegt wird. Man kann nicht sagen: Ich glaube, der war stark und hatte zwei Flanken. Man muss alles dokumentieren. Wenn ich einen Spieler zum dritten Mal sehe, muss ich notieren, wie er sich entwickelt hat und über eine Empfehlung nachdenken.

LAOLA1: Nur weil ein Spieler bei mehrmaliger Beobachtung in einem Spiel nicht überzeugt, fällt er aber nicht automatisch bei euch durch, oder?

Schuiteman: Nein, das ist auch sehr „fanunfreundlich“, weil die oft meinen, dass einer stark oder nicht war. Man darf nicht sofort jemanden abschreiben, auch nicht hochjubeln. Aber wenn man fünf, sechs Beobachtungen hat, kann man schon sagen, ob er interessant ist und nur einmal einen schlechten Tag hatte.

LAOLA1: Nach welchen Kriterien sucht ihr diese Spieler aus? Nach Alter? Nach Positionen?

Schuiteman: Im Grunde genommen nicht nach Positionen, denn es gibt auch Interessante auf Positionen, wo wir dreifach besetzt sind. Kreuzbandriss und ein Zweiter wird nach England verkauft, das kann innerhalb von 24 Stunden passieren, das ist Fußball. Wir als Scouts müssen für jede Position Namen bereit haben.

LAOLA1: Konzentriert sich Rapid auf ein gewisses Alter bzw. ab wann ist es überhaupt sinnvoll und möglich, Spieler zu beobachten?

Schuiteman: Es kommt drauf an, wo ich bin, ob bei einem Akademie- oder Amateure-Spiel. Ich versuche immer, dass die Scouts auch die eigene Mannschaft sehen. Scouten ist auch vergleichen, was unser Niveau ist und ob es etwas Besseres gibt.

LAOLA1:Wie entscheidend ist der Charakter eines Spielers für dich? Andreas Müller betont immer wieder, dass er mit einem Jungen reden muss, um ihn richtig einzuschätzen.

Schuiteman: Ich komme immer mehr drauf, dass technisch, taktische und körperliche Voraussetzungen natürlich stimmen müssen, aber der Charakter ist fast entscheidend. Die Super-Talente, die mit 15 oder 16 in der Nationalmannschaft die Kings sind und dann ins Ausland gehen, kommen oft zurück. Die Schicht darunter, die nie so viel Lob bekommen hat, für Anerkennung arbeiten muss, um im Kader zu sein und nominiert zu werden, kommt oft ein bisschen später mit 16 oder 17. Die müssen wir verfolgen und auf sie aufpassen.

LAOLA1: Was sind für dich die Unterschiede zwischen Twente und Rapid? Kann man diese in puncto Scouting vergleichen?

Schuiteman: Kann man schon, aber Scouting ist in Holland bei den Vereinen seit 20 Jahren ein fixer Bestandteil. Da wird Geld reserviert, das ist ihnen wichtig. In Österreich kommt es immer mehr, aber es ist noch nicht so, dass es wirklich in den Köpfen drin ist. Wie Marketing und Buchhaltung ist auch Scouting ein vollwertiger Bestandteil. Es gibt auch in Österreich Scouting, aber kaum strukturierte Arbeit. In Holland investieren die Vereine einen größeren Prozentsatz ihres Gesamtbudgets als in Österreich. Das ist einfach die Mentalität und ein Teil, Geld zu lukrieren. Twente lebt auch davon.

LAOLA1: Der Erfolg gibt den Holländern Recht. Muss nicht Rapid auch umdenken, um mit mehr Investition im Endeffekt finanziell zu profitieren und eine Vorreiterrolle einzunehmen?

Schuiteman: Das wäre für mich natürlich ein Traum, das ist mein Job, da stehe ich voll dahinter. Aber der Verein steht an erster Stelle. In dieser Phase unserer Historie, wo ein neues Stadion gebaut wird und finanziell aufgepasst werden muss, muss man das akzeptieren. Ich habe erst einmal angefangen und an ein paar Knöpfen gedreht. Das kommt jetzt ins Rollen. Die Datenbank ist jetzt noch nicht voll, das muss sich erst einmal füllen. Wenn man intern einmal was nachweisen kann, dann kann man vielleicht noch einen weiteren Scout dazunehmen.

LAOLA1: Twente war ein gutes Beispiel, auch Basel steht für gutes Scouting. Kann man sich Vorbilder nehmen, die im Scouting schon sehr weit sind?

Schuiteman: Ich denke nicht so sehr an Vereine, da jeder anders ist. Basel kann andere Länder beackern, auch geografisch, da zb. Lyon oder Auxerre nicht weit sind. Frankreichs zweite Liga wäre sicher interessant, aber für uns wäre das mit viel Aufwand verbunden. Wir müssen Prioritäten setzen. Es ist schwierig, sich mit dem Output anderer Vereine zu vergleichen. Aber ich vergleiche gerne, wie andere strukturiert sind, wie sie dokumentieren, mit Bildern und mit Tipps umgehen. Da wollen wir uns annähern, das ist aber nicht sichtbar.

LAOLA1: Muss man sich am Beispiel anderer Länder eingestehen, dass man bei Rapid in den letzten Jahren in puncto Scouting doch einiges verpasst hat?

Schuiteman: Ihr wollt mich ein bisschen in diese Ecke drängen. Wieso fragt ihr, wenn es so offensichtlich ist? (lacht) Ich muss ehrlich sein, dass ich gesagt habe, dass ein, zwei Dinge sofort geschehen müssen. Das ist passiert. Das heißt aber nicht, dass es davor nicht gut war. Ich hatte einen anderen Gedanken über Planung, also vor der 1. Minute, und nach der 90. Minute. Das war mir sehr wichtig. Aber die Sichtung an sich steht außen vor und ist subjektiv. Der eine schaut mehr auf das, der andere auf das.


Das Gespräch führten Alexander Karper und Jakob Faber

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